Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Thorsten Schütte war mit seiner Doku über Rock-Legende Frank Zappa im Arsenal 
Regisseur Thorsten Schütte wollte mehr als ein Fan-Monument: „Wie radikal bleibt man?“, fragt er mit Frank Zappa.Bild: Agentur
Ein Freak mit Sex-Appeal

Thorsten Schütte war mit seiner Doku über Rock-Legende Frank Zappa im Arsenal 

Von seiner Musik kann man sich noch rocken lassen. Dass der Mensch Frank Zappa das ebenso gut beherrscht, zeigt die erstaunliche Doku von Thorsten Schütte.

27.12.2016
  • Dorothee Hermann

Manche Wiedersehen hauen einen um. Bei der Doku „Frank Zappa – Eat that Question“ hängt man beinahe genauso gebannt vor der Leinwand, wie vor 40 Jahren im Kinderzimmer vor dem extra laut aufgedrehten Radiorecorder, wenn Frank Zappa loslegte.

Regisseur Thorsten Schütte entdeckte Zappa Ende der siebziger Jahre an seinem Gymnasium im westfälischen Hamm. Seine Musiklehrerin erlaubte ihren Schülern, zum Schuljahresende ein eigenes Schallplatten-Album mitzubringen, sagte der 50-Jährige, der an der Filmakademie Ludwigsburg unterrichtet, dem TAGBLATT vor kurzem im Kino Arsenal. „Nachdem wir das ganze Jahr Orff, Brahms oder Bach gehört hatten, dachten wir, wir hätten etwas anderes verdient.“

Die Deutsche Grammophon hatte damals den Sampler „Die Entwicklung der Popmusik, Teil I und II“ herausgebracht, erinnert er sich. Das erste Stück auf Teil II war „Who are the Brain Police“ von Frank Zappa und den Mothers of Invention, aus dem 66er-Album „Freak Out!“. Es brachte den damals 13-Jährigen so auf Touren, dass er sagt: „Zappa hat mir musikalisch die Welt aufgeschlossen.“

In seinem Film wird mit den ersten Bildern sofort wieder klar, wie sexy das Aufbegehren durch Musik war. Zappas cooler Piraten-Look („Ich war nie ein Hippie, sondern immer ein Freak“) wurde zum Markenzeichen. Nur mit der Gleichstellung der Geschlechter hatte der schräge Musiker es noch nicht so: „Groupies sind eine wunderbare Entwicklung der sexuellen Revolution“, hört man ihn sagen. Auf Tournee brauche er nur eine Droge: Penicillin – um den Tripper in Schach zu halten. Nicht jeder sah, dass hinter dem schnauzbärtigen Macho mit dem Freibeuter-Image ein ambitionierter Komponist und Musikenthusiast steckte.

Manche Weggefährten schafften es nicht in den Film. Fans könnten etwa Captain Beefheart schmerzlich vermissen. „Wenn ich den Film als Fan gemacht hätte, wäre es 90 Minuten Gitarren-Improvisation geworden. Ich habe aber auch eine erzählerische Verantwortung“, sagt Schütte. Man könne sich nach dem Film erneut in Zappas Musik vertiefen: „Vielleicht findet man dann Captain Beefheart entlang des Wegs.“

Das alles wirkt so lebendig, dass man staunend erfährt, dass Schütte den Film ausschließlich aus Archivmaterial zusammengesetzt hat. Es sind Zappa-Auftritte in Talkshows im US-Fernsehen oder Mitschnitte von internationalen Konzerten, beispielsweise in West-Berlin 1968. „Ich dachte, Zappa ist ein starker Erzähler. Es könnte funktionieren“, so der Regisseur. „Er ist halt so ein reflektierter, eloquenter, facettenreicher Mensch.“ Ihm geht es auch um grundsätzlichere Fragen: „Wie radikal bleibt man? Wie sehr bleibt man sich selbst treu?“

Bei der Arbeit am Film hat Schütte die ganze Zappa-Familie kennengelernt: die vier Kinder Moon, Dweezil, Ahmet und Diva und die mittlerweile verstorbene Ehefrau Gail. „Sie hat die Rechte mit Zähnen und Klauen verteidigt. Es ging eineinhalb Jahre hin und her.“ Zum Teil kann er die Bedenken der Witwe nachvollziehen. „Darf man Zappas Musik schneiden? Ist das nicht Verstümmelung?“ Solche Gedanken seien ihr durch den Kopf gegangen.

In den USA sei sein Film „ein Familienentertainer“ geworden, sagt Schütte. „Er lockt Großeltern mit Enkeln ins Kino.“ Den Deutschland-Vertrieb hat sich der Tübinger Arsenal-Verleih gesichert.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.12.2016, 01:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Thorsten Schütte war mit seiner Doku über Rock-Legende Frank Zappa im Arsenal 





Wir bitten Sie, sachlich zu diskutieren und respektvoll miteinander umzugehen. Bitte kommentieren Sie mit Klarnamen und verzichten Sie auf externe Links. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen und Nutzer zu sperren. Genauere Regeln fürs Kommentieren finden Sie in unserer Netiquette .

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

 
Aus der Filmregion
Neueste Artikel
Zuletzt kommentiert
„Das Roadmovie scheitert an seiner biederen Inszenierung. Statt Magie gibt es ein klischeehaftes Frankreichbild“ (epd Film). Diesem Zitat ist absolut nichts hinzuzufügen. Der Film ist langatmig, langweilig, absolut vorhersehbar.
Elli Emann über Paris kann warten
Open Air Kinos in der Region
Sommernachtskino

Großes Kino unterm Sternenhimmel: Hier erfahren Sie, welche Filme diesen Sommer open air zu sehen sind. Und Sie können mitbestimmen, welches der TAGBLATT-Wunschfilm beim Tübinger Sommernachtskino 2017 wird.
Aus der Filmwelt
Neueste Artikel
Nachruf · Martin Landau Zwischen B-Film und Oscar-Ehren
Nachruf · George A. Romero Er hauchte den Zombies Leben ein
Gute und schlechte Küsse auf der Leinwand Bogart musste sich auf ein Höckerchen stellen 
Sofia Coppola über „Die Verführten“ „Ich wollte die weibliche Sicht der Dinge zeigen“
Regisseur John G. Avildsen Der „König der Underdogs“ ist tot
Neue Trailer
Neueste
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram

Kino Suche im Bereich
nach Begriff

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-0
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934166
wip@tagblatt.de

Zum Kontaktformular