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Flüchtlingswohnungen

Streit um das vierte Geschoss

Anwohner machten am Donnerstag ihrem Ärger über geplante Häuser an der Stuttgarter Straße Luft. Die Stadt will den Entwurf nun überarbeiten.

05.11.2016
  • Philipp Koebnik

Das lässt zwei Möglichkeiten zu: Absicht oder Inkompetenz“, meldete sich ein erboster Besucher zu Wort. Von Anfang an wurde am Donnerstagabend hitzig diskutiert. Die Stadt hatte in die Aula der Französischen Schule eingeladen, um mit Anwohnern über die im Quartier Stuttgarter Straße/Alexanderstraße geplanten Neubauten zu beraten. Im Vorfeld hatte sich Unmut geregt, fielen doch die Häuser in dem im September vorgestellten Entwurf deutlich größer aus, als es die im Februar präsentierten Skizzen vermuten ließen.

Die Kommunikation der Stadt sei „extrem suboptimal“ gewesen, sagte Baubürgermeister Cord Soehlke. Es sei ein „großer Fehler“ gewesen, seit Februar nicht mehr das Gespräch gesucht zu haben, räumte er vor den mehr als 100 Besucherinnen und Besuchern ein. Allerdings: Mit zehn Bebauungsplänen habe man Anfang des Jahres „das größte Programm aller Zeiten“ auf den Weg gebracht. Darüber habe es die Stadt versäumt, mit den Anwohnern über die Entwicklung des Quartiers zu reden.

Mindestens sechs Varianten

Der Entwurf von Ende September sah drei Neubauten auf der „Franzosenwiese“ vor, quer zu vier GWG-Häusern an der Stuttgarter Straße. Wegen der Hanglage wären von der Alexanderstraße aus drei der insgesamt vier Geschosse zu sehen. Diese Pläne sorgten für Protest: Die Häuser wären viel zu hoch und würden sich mit ihren Flachdächern nicht gut ins Quartier einfügen, kritisierten Anwohner in Leserbriefen ans TAGBLATT. Die alten GWG-Häuser müssten ohnehin irgendwann größeren Gebäuden weichen, sagte der Baubürgermeister. Dann ergäbe sich wieder ein stimmiges Bild. Jedoch: „Das kann in 15 Jahren sein, das kann in 20 Jahren sein, oder auch später.“

Fest steht: Rund 80 Geflüchtete will die Stadt dort unterbringen. Außerdem soll sozialer Wohnraum für 30 Personen entstehen. Soehlke stellte sechs im Oktober erarbeitete Varianten vor, die Kritikpunkte der Anwohner aufgreifen. Allen gemeinsam ist, dass die Häuser in ihrer Tiefe und in ihrer Länge um einen Meter verringert würden.

Um die Gebäude weniger wuchtig erscheinen zu lassen, sehen weitere Ideen vor, die Balkone der obersten Geschosse nicht zu überdachen, die Dachgeschosse zurückzusetzen oder anders zu verkleinern. Eine Variante mit dreigeschossigen Häusern stieß bei den Besuchern erwartbar auf die größte Gegenliebe. Soehlke verhehlte ebenfalls nicht, welcher Variante die Sympathie der Verwaltung gehört: Sie sieht neben der leicht verkleinerten Grundfläche Dachterrassen an der Ostseite vor.

Vor ungefähr einem Monat haben sich neun Parteien aus der angrenzenden Alexanderstraße in der „Interessengemeinschaft (IG) Franzosenwiese“ zusammengetan. Wolfgang Beil stellte deren Ideen vor, die etwa eine geringere Höhe und Satteldächer vorsehen.

Viele betonten, dass sie nichts gegen Flüchtlinge hätten und das Ziel teilten, die Neubürger möglichst dezentral unterzubringen. Mit viergeschossigen Gebäuden sind die meisten aber nicht einverstanden. Einige Besucher machten konkrete Vorschläge, um die Gebäude kleiner zu halten, darunter auch, dort keine zusätzlichen Sozialwohnungen zu bauen. GWG-Geschäftsführer Gerhard Breuninger und Architekt Sascha Luippold wiesen die meisten Ideen als unwirtschaftlich zurück. Soehlke sicherte allerdings zu, die Vorschläge zu prüfen. In etwa zwei Wochen will er erneut Gespräche führen, dann in kleinerer Runde mit Vertretern der IG und der Bewohner der alten GWG-Gebäude.

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05.11.2016, 01:00 Uhr
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