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Facebook sperrte Boris Palmer wegen „Mohrenkopf“-Posts

Social-Media-Zwangspause für den Tübinger OB

Facebook sperrte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer 24 Stunden lang, weil er das Wort „Mohrenkopf“ verwendet hat.

02.12.2016
  • Sabine Lohr

Es ist ungewöhnlich, wenn der Tübinger Oberbürgermeister 24 Stunden lang nichts auf seiner Facebook-Seite postet und auch keinen Kommentar auf Seiten von anderen verfasst. Das aber war von Donnerstag um 18.15 Uhr an für 24 Stunden der Fall. „Was wurde aus dem Mohrenkopf?“ hatte Palmer am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite gefragt. Dazu hatte er zwei Fotos gestellt, die den Verkaufsstand auf der Chocolart zeigten, an dem die „Chocolinos“ verkauft werden – jenes Schaumgebäck, das vor vier Jahren, weil es als „Mohrenkopf“ angeboten worden war, für eine lebhafte Debatte vor allem in Tübingen gesorgt hat.

„Orwellsche Sprachkontrolle“

Mit seinem Beitrag wollte Palmer lediglich die alte Debatte „zu einem Ende bringen“, wie er dem TAGBLATT sagte. Doch kurz nachdem er seine Frage veröffentlicht hatte, bekam er die Nachricht von Facebook, er könne nun 24 Stunden lang nichts posten, weil er die Facebook-Richtlinien verletzt habe. Der Beitrag mit dem Wort „Mohrenkopf“ war gelöscht worden – ein Hinweis darauf, dass Palmer deswegen gesperrt worden war.

„Facebook hat mich einfach ausgeloggt“, sagt Palmer. Er habe, nachdem er sich wieder angemeldet hatte, lediglich die Information über die 24-stündige Sperre bekommen, aber keine Begründung dazu. „Irgendjemand hat das Facebook gemeldet, dann prüft das ein Operator, entscheidet, der Begriff sei rassistisch und sperrt mich.“ Er hält die Sanktion durch Facebook für „unglaublich, vor allem angesichts der unfassbaren Hassbeiträge von Rechten, die auf Facebook kursieren“. Es handle sich um eine „Zensur erstaunlichen Ausmaßes“, um „Orwellsche Sprachkontrolle“. „Da wird einem der Mund verboten – von einem Medium, das weltweit inzwischen eine wichtige Rolle spielt.“

Vor zwei Wochen hat Facebook schon einmal auf Palmers Seite eingegriffen. Damals hatte er die hasserfüllte Nachricht eines Tierschützers gepostet, die dieser nicht-öffentlich über Facebook an ihn geschickt hatte. Ohne dessen Einverständnis hätte Palmer diese Nachricht nicht veröffentlichen dürfen. Allerdings beließ es Facebook damals beim reinen Löschen des Beitrags, der OB konnte weiter posten. „Jetzt sperren die mich 24 Stunden, das ist eine Erziehungsmaßnahme“, ärgert sich Palmer, der fürchtet, beim nächsten Mal einen ganzen Monat lang gesperrt zu werden.

Es kann sogar noch schlimmer für den auf Facebook sehr aktiven Oberbürgermeister kommen. „Bitte beachte, dass das wiederholte Posten von Inhalten, die auf Facebook nicht erlaubt sind, dazu führen kann, dass das entsprechende Konto dauerhaft gesperrt wird“, heißt es in einer weiteren Nachricht, die Facebook an Palmer schickte.

Richtlinien gegen Hassbeiträge

In den Datenschutzrichtlinien von Facebook wird erklärt, welche Beiträge gesperrt werden können. Unter anderem „Hassbotschaften“, die Personen aufgrund ihrer „Rasse“ direkt angreifen. Nur diese Richtlinie komme, so Palmer, für eine Beschwerde gegen seinen Post und die Sperre in Frage. Eine weitere Begründung zur Sperre von Palmer lieferte Facebook auf TAGBLATT-Nachfrage nicht.

Jede und jeder kann Beiträge auf Facebook, die gegen die Richtlinien der Betreiber verstoßen, melden. Diese Meldung wird laut Facebook von einem Team überprüft und anschließend eine passende Maßnahme ergriffen.

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02.12.2016, 18:00 Uhr

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