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Mobilität

Schnell aufholen

Die deutsche Autoindustrie fährt der internationalen Konkurrenz hinterher. Das kritisiert der Experte Willi Ðiez im Interview mit „Wirtschaft im Profil“. Die Konzerne, aber auch die Politiker müssten etwas tun.

13.10.2017
  • TEXT: Gernot Stegert|FOTO: Unternehmen

Der Wandel in der
Autoindustrie hin zu emissionsfreien
Antrieben ist ökologisch und ökonomisch notwendig,
damit Deutschland Weltspitze bleibt und die Arbeitsplätze
erhalten kann. Verpassen wir
gerade den Anschluss?

Willi Dietz: Die deutsche Automobilindustrie hat sich in den letzten Jahren sehr stark auf die Reduktion der klimarelevanten CO2-Emissionen und daher auch auf den Diesel fokussiert. Jetzt konzentriert sich die öffentliche Debatte sehr stark auf Stickoxide, wo der Diesel ein Problem hat. Grundsätzlich kann man einen Diesel so sauber wie einen Benziner machen. Aber dann müssen die Systeme halt auch im realen Fahrbetrieb funktionieren. In der Tat müssen die deutschen Automobilhersteller ihre Versäumnisse aufarbeiten und ihr Tempo in Richtung Elektrifizierung und anderer alternativer Antriebskonzepte beschleunigen.


Was ist die emissionsfreie Zukunftstechnologie? Noch hat der Elektroantrieb ja auch Nachteile, technisch wie ökologisch.

Zunächst muss man immer wieder darauf hinweisen, dass auch das Elektroauto nicht emissionsfrei ist. Der Strom kommt bekanntlich nicht aus der Steckdose und die Herstellung der Batterien ist sehr energieintensiv. Letztlich sollte man jedes Antriebskonzept ganzheitlich betrachten und auf dieser Basis eine Ökobilanz machen. Bis jetzt schneiden da die Verbrennungsmotoren gar nicht so schlecht ab. Wenn es gelingt, den Strom oder den Wasserstoff wirklich nur noch aus regenerativen Quellen herzustellen, wären Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge ein weitgehend emissionsfreies Konzept.

Kann es auch einen
emissionsfreien
Verbrennungsmotor geben?

Ja, wenn man synthetische Kraftstoffe verwendet und zu deren Herstellung Energie aus regenerativen Quellen einsetzt. Allerdings sind die Kosten für diese Verfahren bislang noch sehr hoch.

Was müssen die deutschen
Autobauer jetzt tun?

Die erste Priorität hat sicher der Ausbau des Angebots an Elektroautos, weil der Absatz von Elek-troautos in den nächsten Jahren deutlich zunehmen wird. Vor allem im größten Automobilmarkt der Welt, in China, wird die Elek-tromobilität in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen. Gleichzeitig sollte man aber auch die Verbrennungsmotoren weiter optimieren und dafür sorgen, dass die Technologien zur Abgasreinigung, die es alle ja schon gibt, auch im realen Fahrbetrieb wirklich funktionieren.

Was muss eine neue
Bundesregierung für den
Wandel tun?

Die Politik muss die Entwicklung in Richtung emissionsfreier Mobilität vor allem durch gesetzliche Vorgaben zu Grenzwerten forcieren. Das ist aber heute eine europäische Angelegenheit. Die Bundesregierung muss vor allem den Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektroautos verbessern und die Energiewende weiter voranbringen. Darüber hinaus muss natürlich auch weiterhin viel in die Grundlagenforschung für neue Antriebskonzepte investiert werden, wie zum Beispiel eine bessere Batterietechnologie, die größere Reichweiten ermöglicht.

Ist ein verbindliches Datum für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor sinnvoll?

Wenn es heute schon eine wirkliche emissionsfreie Alternative zum Verbrennungsmotor gäbe, könnte man darüber ernsthaft diskutieren. Solange die CO2-Bilanz eines Elek-troautos heute noch schlechter ist als die eines Diesels, halte ich das für fragwürdig. Wir brauchen einen Wettbewerb zwischen den verschiedenen Technologien, damit sich am Ende das beste Konzept durchsetzt. Und das kann durchaus der Verbrennungsmotor mit synthetischen Kraftstoffen sein.

Wann können die Bürger in den Städten aufatmen? Und wie sieht die Mobilität dann aus?

Die Verbesserung der Luftqualität in den Städten ist eine außerordentlich komplexe Aufgabe. Natürlich müssen die Autos, die in die Stadt fahren, langfristig emissionsfrei sein. Dabei muss man berücksichtigen, dass 40 Prozent des Verkehrs in Städten gewerblicher Verkehr ist, also zum Beispiel Lieferverkehr oder Fahrten von Baustellenfahrzeugen und Handwerkern.

Wir brauchen aber auch andere verkehrliche Ansätze. Das autonome Fahren könnte hier eine völlig neue Dimension eröffnen. Wenn man sogenannte Robocabs per Smartphone ordern kann, dann können die Vorteile der individuellen Mobilität mit denen des öffentlichen Nahverkehrs verbunden, in dem zum Beispiel mehrere Menschen gleichzeitig ein solches Fahrzeug nutzen. Aber auch Pedelecs können eine gute Alternative für das Auto sein.

Zur Person Willi Diez

Willi Diez wurde 1953 in
Nürtingen geboren und hat in Freiburg und Tübingen studiert, wo er 1986 promovierte.
Der Wirtschaftswissenschaftler
ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere
Automobilwirtschaft, sowie
Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft der Hochschule
für Wirtschaft und Umwelt
Nürtingen-Geislingen.
Er ist Buchautor, Berater von
Unternehmen und einer der meistzitierten Branchenexperten.

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13.10.2017, 08:30 Uhr
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