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Schadstoffwerte in Uni-Gebäude überschritten
In zahlreichen Gebäuden auf der Morgenstelle wurde in den 60er und 70er Jahren PCB-haltiger Baustoff verwendet. Die Hochhäuser A und C wurden saniert. B- und E-Bau haben nur geringe PCB-Werte. Beim D-Bau sind die Werte so hoch, dass jetzt doch saniert wird. Bild: Grohe
Lüften, putzen, dann sanieren

Schadstoffwerte in Uni-Gebäude überschritten

Auf der Morgenstelle werden die PCB-Richtwerte überschritten. Das ergaben neueste Messungen. Das Problem ist aber schon lange bekannt.

13.12.2016
  • Angelika Bachmann

Der Physik-Bau auf der Morgenstelle muss saniert werden. Messungen im Sommer dieses Jahres haben ergeben, dass die Belastung mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) dort hoch ist – zum Teil so hoch, dass nach dem Richtwert Schwangere nicht mehr in diesen Räumen arbeiten sollen. Auch die angrenzenden Werkstätten sind zum Teil hoch belastet. Die Beschäftigten sind erleichtert, dass die Sanierung jetzt angegangen wird – und gleichzeitig verärgert, dass lange Jahre nichts geschehen ist.

Denn dass auf dem naturwissenschaftlichen Campus in den späten 60er und frühen 70er-Jahren Material mit giftigen PCB-Verbindungen verbaut wurde, ist schon seit 2001 bekannt. Das Land, dem die Universitätsgebäude gehören, hat daraufhin mit umfangreichen Sanierungsmaßnahmen begonnen, die allerdings nie abgeschlossen wurden.

Beim jetzt betroffenen D-Bau (dort ist die Physik untergebracht) habe man darauf gesetzt, dass man immer wieder bei anfallenden Bauarbeiten einzelne Deckenplatten austauschte, sagte der Leiter des Amtes für Vermögen und Bau, Bernd Selbmann. Dass bei den letzten Messungen die Schadstoffbelastung so hoch gewesen sei, habe sie als zuständige Landesbehörde „kalt erwischt“, so Selbmann. „Das hätten wir so nicht erwartet.“

In einigen wenigen Räumen liegt die Belastung über dem Interventionswert von 3000 Nanogramm pro Kubikmeter Luft. In weiteren Räumen wurden Werte zwischen 1065 und 2590 Nanogramm gemessen.

Die Beschäftigten im D-Bau hatten in den letzten Jahren immer wieder darauf gedrängt, die PCB-Werte zu überprüfen. „Ich denke da auch an meine vielen jungen Mitarbeiter. Da fühle ich mich verpflichtet, dass die ein gesundes Arbeitsumfeld haben“, sagt etwa der Physiker Prof. Werner Vogelsang. Auch andere Mitarbeiter waren zunehmend in Sorge: Zuletzt wurde die Raumluft 2006/07 überprüft. Das Gutachten der Materialprüfungsanstalt empfahl damals, das Gebäude innerhalb von fünf Jahren zu sanieren.

Beim C-Bau war das erfolgreich: Seit dort die PCB-haltigen Deckenplatten entfernt wurden, ist der Bau sauber, ebenfalls der A-Bau. Der B- und E-Bau haben eine effektive Lüftung, so dass sich PCB nicht in der Luft anreichern.

Der D-Bau soll jetzt schnell saniert werden, bei laufendem Betrieb. Im Januar beginnen die Planungen. Die Finanzierung von etwa 3 Millionen Euro müsse noch sichergestellt werden, so Selbmann. 2018 könnte dann mit dem Umbau begonnen werden.

In der Zwischenzeit soll die PCB-Belastung durch eine Grundreinigung vorläufig gesenkt werden – PCB binden an Staub, die Belastung kann durch nasses Wischen aller Oberflächen gesenkt werden. Regelmäßiges Lüften hilft kurzfristig weiter. Dasselbe gilt für die angrenzenden Werkstätten. Dort sind ein Zeichenbüro und die Bürokabinen belastet.

Im Januar wird es eine Informationsveranstaltung für die Beschäftigten geben. „Wir wollen die Messwerte auch ins Netz stellen“, sagte Uni-Kanzler Andreas Rothfuß. „Unser Wunsch ist natürlich, dass jetzt schnellstmöglich saniert wird.“

PCB: Für das Gift gelten nur Richtwerte

Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind in vielen Baustoffen enthalten, auf der Morgenstelle insbesondere in Deckenplatten und Fugen. PCB sind giftig, gelten als krebserregend und sind mittlerweile verboten. Für die PCB-Belastung von Raumluft gibt es nach wie vor keine Vorschriften, sondern nur Richtwerte. Der Interventionswert bei Arbeitsräumen liegt bei 3000 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Raumluft. Dann wird empfohlen, schnellstmöglich zu sanieren. Zwischen 300 und 3000 Nanogramm wird empfohlen, mittelfristig die Schadstoffquelle zu entfernen. Weniger als 300 Nanogramm gelten als tolerabel. Für Schwangere gilt ein strengerer Vorsorgewert von unter 300 Nanogramm. Über den Mutterleib und über Stillen wirkt das Gift auf Föten und Säuglinge ein. Es kann zu Entwicklungsstörungen führen.

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13.12.2016, 22:00 Uhr
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