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„Österreicher mit Migrationshintergrund müssen ständig Erwartungen entsprechen“
Faris Rahoma (links) und Aleksandar Petrovic entspannt auf dem Museums-Sofa.Bild: Metz
Satire „Die Migrantigen“ mit Gästen im Museum

„Österreicher mit Migrationshintergrund müssen ständig Erwartungen entsprechen“

In der Sozialsatire „Die Migrantigen“ drehen zwei angebliche Kleinganoven auf. Regisseur und Hauptdarsteller präsentierten den Film in Tübingen.

11.09.2017
  • Dorothee Hermann

Zwei Wiener Hipster, die wieder lernen müssen, was es heißt, Ausländer zu sein: So umschreibt Hauptdarsteller Faris Rahoma die Herausforderungen bei den Dreharbeiten. In der österreichischen Verwechslungskomödie „Die Migrantigen“ mimen Rahoma und Aleksandar Petrovic zwei angebliche Kleinkriminelle in einem Wiener Problembezirk. Oder vielmehr: Sie gehen darauf ein, als eine TV-Journalistin sie als solche in einer Doku-Serie fürs Fernsehen unterbringen will.

Ihre Rollen entwickeln sie entsprechend den gängigen Klischees (Döner, Box-Club, Schutzgeld) und skandalisieren das Leben im Kiez so lange, bis die Bewohner hellhörig werden. „Das ist ein Thema in unserem Leben und in der Öffentlichkeit“, sagte der 42-jährige Rahoma dem TAGBLATT am Samstagabend im Tübinger Kino Museum. „Österreicher mit Migrationshintergrund müssen ständig irgendwelchen Erwartungen entsprechen“, bestätigt auch Regisseur Arman T. Riahi. Aus diesen Erfahrungen speist sich das gemeinsam verfasste Drehbuch: „Die Klischee-Ausländer-Rollen, die spielen wir nicht gern. Aber die Rollen im Film haben wir uns auf den Leib geschrieben“, so der Regisseur. Außerdem habe Österreich eine Komödie „mit Migrationsvordergrund“ noch gefehlt, anders als in Frankreich und Deutschland. „Eigentlich ist es ein Film über Wiener“, sagte der 36-Jährige. „Aber wir glauben, es funktioniert in jeder Großstadt“, ergänzte Rahoma.

„Wir hatten einen Riesenspaß am Set“, sagt Rahoma, der sich als „halb Steirer, halb Ägypter“ beschreibt. Ob als Kind bei der Oma in der Steiermark oder bei den Verwandten in Ägypten – er lernte von klein auf: „Man spielt immer irgendetwas.“ Er hatte schon damals Spaß daran, „in andere Rollen zu schlüpfen“, und stand als Achtjähriger zum ersten Mal vor der Kamera. Seine Eltern waren mit seinem Berufsziel Schauspieler einverstanden. „Sie haben mich von Anfang an unterstützt. Sie haben nicht umsonst ihr Land verlassen. Sie wollten, dass wir ein besseres Leben haben.“

Im Film ist Rahoma in Wirklichkeit kein Kleinganove, sondern ein erfolgloser Schauspieler, der es gründlich satt hat, ausschließlich arabische Taxifahrer zu spielen. „In Wirklichkeit ist es noch schlimmer“, behauptet er. „Ich bekomme nicht mal die Araber angeboten, sondern die jugoslawischen Drogendealer.“ Da stehe Kollege Petrovic noch vergleichsweise besser da: Er werde als „russischer Schlepper“ angefragt.

Im Film sind beide nicht viel besser dran als die Abgehängten, die sie angeblich darstellen: „Sie gehören zum Künstlerprekariat“, sagt der Regisseur. Seine Eltern kamen Anfang der 1980er Jahre als politische Flüchtlinge aus dem Iran nach Österreich. „Sie waren Lehrer und haben im Iran schon im Untergrund gelebt.“ Für den Film begeisterte ihn sein älterer Bruder: „Um die Zeit totzuschlagen, sind wir ins Kino gegangen.“

Ein bisschen Österreichisch lernt man beim Zusehen auch: „Kiez“ heißt „Grätzl“, und die bedrohliche Gentrifizierung „Grätzl-Aufwertung“. Quartiere würden immer noch als Multi-Kulti vermarktet, obwohl die angestammten Bewohner längst in Randgebiete abgedrängt wurden, weil sie die Mieten nicht mehr bezahlen konnten, sagt Rahoma. Das Film-Viertel „Rudolfsgrund“ ist aber fiktiv.

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11.09.2017, 01:00 Uhr

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