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Klaus Tappeser (CDU)

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04:57 min

Er will sich um die Bürger kümmern

Klaus Tappeser möchte das Direktmandat für die CDU zurückgewinnen

Als sich der Landtag am 17. Juli 2002 erstmals wieder im Sommerrefektorium des Klosters Bebenhausen versammelte, musste Klaus Tappeser draußen bleiben. Vom Kreuzgang aus durfte er „reinspickeln“ zur Arbeitssitzung der Parlamentarier im Jubiläumsjahr. Bebenhausen und sein Kloster ist für den Landtagskandidaten „Bote unserer abendländischen Kultur“.

18.02.2016
  • Christiane Hoyer
Klaus Tappeser möchte das Direktmandat für die CDU zurückgewinnen Vielfältige Bedeutung hat der historische Ort Bebenhausen für Klaus Tappeser. Bild: Sommer

Tübingen. Bebenhausen ist für den 58-Jährigen zuallererst ein „kontemplativer Ort“. Gerne setzt sich der gläubige Katholik in eine Bank der Klosterkirche, um innezuhalten. Während seiner Bundeswehrzeit hat er in München Theologie studiert. Die Erinnerungen daran werden wieder lebendig, wenn er aus der Halbhöhenlage aufs Zisterzienserkloster schaut. Einer seiner Dozenten – „ein sehr autoritärer Mann und kritischer Rationalist“ – ließ seine Studenten über Stauffenbergs Hitler-Attentat diskutieren und über die Schuldfrage. Damals, sagt Tappeser, „habe ich verstanden, dass wir als Christen alle die Aufgabe haben, Schuld zu minimieren“.

In jenen Studienjahren bis 1981 hat Tappeser auch die „Auswirkungen der Bildungseuphorie“ mitbekommen, die SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt angestoßen hatte. „Bildung als Schlüssel der postmodernen Gesellschaft“: Das passt auch zu historischen Bezügen Bebenhausens. Das Kloster, sagt Tappeser, „ist für mich die Bildungsanstalt schlechthin“. In Bebenhausen und anderswo wurden die ersten Bibliotheken und Schulen eingerichtet, sozialer Aufstieg sei auch für Kinder aus den untersten Ständen möglich gewesen, und Klöster waren auch wichtige Wirtschaftszentren und Arbeitgeber. Politisch von Bedeutung ist Bebenhausen für Tappeser, weil hier König Wilhelm II. sein Abdankungsschreiben verfasste und damit die Monarchie beendet war. „Wiege der Nachkriegsdemokratie“ wurde Bebenhausen, als der Landtag von Württemberg-Hohenzollern hier 118 Mal zwischen 1946 und 1952 tagte.

Weil es im Refektorium so eng war, konnte Tappeser bei der Jubiläumssitzung 2002 nur Zaungast sein. Er war damals noch Oberbürgermeister von Rottenburg – „und das mit Leidenschaft“, wie er sagt. Direkt gewählter CDU-Landtagsabgeordneter war er nur von 2006 bis 2008. Als der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger ihn zum Ministerialdirektor ins Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst berief, legte Tappeser sein Landtagsmandat nieder.

Am 13. März möchte er das Direktmandat für seine Partei im Wahlkreis Tübingen zurückholen. Ob ihm das gelingt, ist für ihn noch nicht ausgemacht. „Ich muss um jede Stimme kämpfen“, sagt er. Die vergangene Landtagswahl, als Lisa Federle mit 21 Stimmen dem Grünen-Kandidaten Daniel Lede Abal unterlag, wertet Tappeser im Rückblick als Schlappe für sich persönlich. „Der eigentliche Wahlverlierer war eigentlich ich“, sagt er. Da büßte die Kreis-CDU nicht nur ihr Direktmandat ein. In der Folge verlor Tappeser auch seinen Ministerialposten. Von der Pension lässt sich’s zwar „ganz gut leben“, wie Tappeser sagt. Aber jetzt will er es noch mal wissen. Bei der OB-Kandidatur in Lindau 2012 scheiterte er ebenso wie ein Jahr später, als er ins Europaparlament wechseln wollte.

Tappesers Slogan „Nah am Menschen“ ist dem ehemaligen Sozialdezernenten von Ravensburg und Batteriechef in Singen besonders wichtig. Wer sich einen „Beruf mit Menschen aussucht, muss Menschen mögen, sonst wird er zum Zyniker“, findet Tappeser. Ihm selbst fällt auf, dass vielen (Politikern) „die Empathie fehlt“. Für sich selber hat er den Anspruch, die Rolle des Kümmerers im Wahlkreis Tübingen zu übernehmen, so wie er das auch schon als Rottenburger Oberbürgermeister getan hat. Und diese Rolle „liegt im Wahlkreis Tübingen momentan brach“, sagt Tappeser, ohne Namen zu nennen. „Es braucht einen Kümmerer, keinen Kümmerling“.

Nicht einverstanden ist Tappeser damit, dass die Landesregierung unter Grün-Rot aus der Bildungspolitik ein „Experimentierfeld“ gemacht habe. Die Werkrealschule der christdemokratischen Vorgängerregierung war der Einstieg, räumt Tappeser ein. Aber nach dem Regierungswechsel habe man die Gemeinschaftsschule dazugenommen. Ihr Konzept findet er „nicht durchdacht“, die Strukturen müssten überarbeitet werden. Als „klassisches Paradoxon“ bewertet er die Situation an den Gemeinschaftsschulen: Kinder, die sich selbst organisieren können und dabei von zuhause unterstützt werden, hätten in dieser neuen Schulform Vorteile. Kinder, denen diese Strukturen jedoch fehlten, würden sozial benachteiligt. Patentrezepte hat der studierte Pädagoge zwar nicht parat. Aber als „Freund der Pestalozzi-Erziehung“ schwebt ihm eine sechsjährige Grundschulzeit vor. Längeres gemeinsames Lernen bis Klasse 6 – „das ist die klassische Form der Gemeinschaftsschule“, findet Tappeser.

Im Vorfeld von Tappesers Wahl zum Landtagskandidaten hatte es vor allem in der Tübinger CDU Unstimmigkeiten gegeben. „Ich denke, das haben wir inzwischen ausdiskutiert“, sagt Tappeser. Zu seinem Wahlkampf-Team gehören Unterjesingens Ortsvorsteher Michael Rak und die Tübinger Stadträtin Sandra Ebinger. „Die CDU im Wahlkreis Tübingen weiß, worum es geht“, sagt der Kandidat – und hat dazu auch noch einen Spruch parat: „Wer sich auf Tigerjagd begibt, darf sich nicht wundern, dass er einen Tiger trifft.“

Kontemplativ ist für Tappeser nicht nur das Kloster Bebenhausen. Auch die Wege im Schönbuch laden zu ausgiebigen Spaziergängen mit seiner Frau Priska und dem jungen Berner Sennenhund Cookie ein. Manchmal, sagt Tappeser, sind auch seine beiden erwachsenen Kinder dabei. Die Familie samt Hund ist auf dem Wahl-Flyer abgebildet. Und sie ist Tappeser besonders wichtig, wenn es ums Überdenken politischer Entscheidungen geht. „Kraftvoll“ will Tappeser den Wahlkreis im Landtag vertreten. Energie tankt er bei seiner allmorgendlichen Joggingrunde mit Cookie in Rottenburg.

Kandidaten zur Landtagswahl (3): Klaus Tappeser, CDU

1957 in Geldern (bei Köln) geboren. Abitur machte Tappeser 1976 in Bad Saulgau. Anschließend wechselte er bis 1992 zur Bundeswehr. Er absolvierte an der Führungsakademie Hamburg eine Generalstabsausbildung und wurde Batteriechef. 1978-1981 Studium an der Universität der Bundeswehr München, Abschluss als Diplom-Pädagoge.

1992 - 1995 war Tappeser Sozialdezernent im Landkreis Ravensburg.

1995 -2008 war Tappeser Oberbürgermeister in Rottenburg.

2006-2008 war er Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Tübingen.

2008 -2011 Ministerialdirektor im Wissenschaftsministerium.

Tappeser ist seit 2001 Präsident des Württembergischen Landesssportbunds und seit 1999 Mitglied im Kreistag. Er ist seit 33 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder (27, 31 Jahre).

Politisch aktiv wurde Tappeser als 16-Jähriger. Damals klebte er Plakate für Dietmar Schlee.

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18.02.2016, 22:00 Uhr
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