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March for Science · „Wissenschaft ist wirklich gut!“

Für die Freiheit der Wissenschaft demonstrierten in Tübingen knapp 3000 Menschen

Dafür waren viele. Als am Samstag weltweit der „Marsch für die Wissenschaft“ startete, reihte sich Tübingen machtvoll ein: An die 3000 Teilnehmer, die Organisatoren von der Universität meldeten 2700, zogen am Nachmittag von der Neckarinsel zur Neuen Aula. „Die größte Demo seit vielen Jahren in Tübingen“, sagte Rainer Kaltenmark – und der Tübinger Ordnungsamts-Chef hat da ja schon einiges beruflich begleitet.

24.04.2017
  • Wolfgang Albers

Aber gegen was waren die Demonstranten? Ein Blick in die vielen Plakate zeigte: „Fake News“ waren schon mal unbeliebt. Und überhaupt eine wissensfeindliche Einstellung: „Remember Polio“, fragte eines der vielen englischsprachigen Plakate. Und verpackte in seiner Antwort gleich ein Lob auf die Wissenschaft: „I don’t.“

Von der Wissenschaft wird auch sonst viel erhofft. Wissen sei soziale Gerechtigkeit, so ein Plakat. Und Wissenschaft soll sich nicht einengen lassen. Was auch laut einem Transparent bedeutet: „Wir brauchen Tierversuche.“ Und auch lokale Aufreger wurden in dieser Demo untergebracht: „Wasserschutz ist Wissenschaft.“

Ganz schön heterogen. Und das war auch der Abschluss vor der Neuen Aula. Zunächst ließ Detlef Weigel, Mitorganisator und Direktor des Max-Planck-Institutes für Entwicklungsbiologie durchblicken, dass die grüne Gentechnik in den Medien so sehr als kontrovers dargestellt wird, dass das Einflüsse auf politische Entscheidungen habe. Für Weigel ein Beispiel dafür, dass es auch in Deutschland nicht immer wissenschaftsfreundlich zugehe.

Ganz andere Sorgen hat Nick Conard. Der Urgeschichtler nahm sich seine amerikanische Heimat vor und wetterte gegen die Leugnung des Klimawandels durch die Trump-Regierung. Seine englisch gehaltene Rede unterbrach er für die Kinder mit einem deutschen Satz: „Wissenschaft ist wirklich gut, es führt kein Weg dran vorbei!“

Am Tropf der Rankings

Für die Freiheit der Wissenschaft demonstrierten in Tübingen knapp 3000 Menschen
Der Demonstrationszug begann bei der Tübinger Neckarinsel und zog dann zur Kundgebung vor die Neue Aula. Bild: Faden
Einen ganz anderen Gegner, speziell der Universitäten, benannte Jürgen Wertheimer. Der Literaturwissenschaftler machte – Rektor Bernd Engler stand nur wenige Meter entfernt – den gegenwärtigen Kurs einer auf Effizienz getrimmten Universität gnadenlos zur Sau: „Ich leugne geradezu, dass das Exzellenz-System der Universität gut getan hat und gut tun wird. Es hat uns verwundbar, hat uns abhängig gemacht. Eingesperrt in Regelwerke, hängen wir am Tropf fragwürdiger Rankings.“

Von einem „inneren Feind“ sprach Jürgen Wertheimer: „Das geht an die Substanz des Prinzips Universität.“ Dieses Prinzip, so setzte er seine Philippika fort, sei schon längst an der Kasse abgegeben worden: „Die Universität ist töricht genug, sich in eine Firma verwandeln zu wollen.“ Es gehe nicht darum, eine Doktrin der Exzellenz in die Hirne zu hämmern - ein Satz, den er so in Tübingen vernommen habe: „Sondern die Hirne freizupusten, damit sie ihr kreatives Potenzial freisetzen.“ Den Trumps und den klandestinen Trumps hier müsse man signalisieren: „Wenn sie ihre Finger an das System Uni legen, werden sie sich die Finger verbrennen.“

Ganz andere Themen bewegten Oberbürgermeister Boris Palmer. Etwa der Streit um die Tierversuche, in dem er die Versuchsgegner wegen ihrer Drohungen gegen Unimitarbeiter heftig angriff: „Das sind keine Tierfreunde, das sind Menschenfeinde.“ Überhaupt mache ihm Sorgen, das wissenschaftliche Ergebnisse nicht mehr akzeptiert werden. Einen Beleg sieht er in der Eröffnung eines Ladens in Tübingen, der Schutz gegen elektromagnetische Strahlung verspreche. „Wehret den Anfängen“, sagt er: „Wo sich argumentfreie Ansichten in der Öffentlichkeit breit machen, müssen wir entgegentreten.“

Die Frauen verlieren

Vom lokalen Streit lenkte die Germanistin Dorothee Kimmich den Blick wieder auf die Welt: „Ich spreche für Kolleginnen und Kollegen, die nicht mehr sagen können, was sie wollen, in Indien, im Iran, in Russland, der Türkei oder China.“ Vor allem die Frauen verlieren, wenn die Wissenschaft eingeschränkt wird: „Für sie war das ein Versprechen auf eine nicht-patriarchale Welt.“

Au-Brunnen: „Ich gebe nicht nach.“

Standhaft bleiben will Boris Palmer im Streit um den Au-Brunnen. Der OB beklagte, als Nicht-Grüner und „Brunnenvergifter“ diffamiert zu werden: „Die Pläne der Stadt, die den Brunnen nur um fünf Prozent einschränken, werden nicht zur Kenntnis genommen. Ich möchte aber, dass wir die Debatte sauber entlang der Fakten entlang führen. Die müssen in einer aufgeklärten Demokratie auf den Tisch.“

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24.04.2017, 01:00 Uhr
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24.04.2017

12:14 Uhr

Zeitgeist schrieb:

Die Veranstalter könnten im Falle einer Wiederholung des March for Science noch an der Pressearbeit feilen. In den SWR1 Nachrichten Samstag 16 Uhr (im Rahmen der Bundesliga-Sendung) wurde berichtet, dass in Tübingen eine Tierschützer-Demo mit 90 Teilnehmern stattgefunden habe. Vom March for Science, sei es in Tübingen oder anderswo, war nicht die Rede.



 
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