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Dorothea Kliche Behnke (SPD)

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Dorothea Kliche Behnke ist Landtagskandidaten der SPD

© ST 05:28 min

Bildungspolitisch ist noch viel zu tun

Dorothea Kliche-Behnke kennt beides – Gewerkschaftsarbeit und Unternehmersorgen

Im Garten hinter dem Hegelbau an der Wilhelmstraße: Dort saß Dorothea Kliche-Behnke oft während ihres Studiums. Ein Ort, an dem man sich austauschen kann, an dem man Ruhe findet und den sie mag – auch wegen der wenig bekannten Don-Quichotte-Skulptur, die in dem kleinen Park steht.

17.02.2016
  • Renate Angstmann-Koch
Dorothea Kliche-Behnke kennt beides – Gewerkschaftsarbeit und Unternehmersorgen Dorothea Kliche-Behnke hat unter anderem im Hegelbau studiert. Als Landtagsabgeordnete würde sie am liebsten dem Wissenschaftsausschuss angehören. Bild: Metz

Tübingen. Der Platz symbolisiert für die Sozialdemokratin, was die grün-rote Koalition in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik erreichte, etwa die Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft. Aber auch, was noch zu tun ist. Der Hegelbau, der Historiker, Altphilologen und Soziologen beherbergt, muss saniert werden. Junge Wissenschaftler brauchen bessere Arbeitsbedingungen, sie sollen nicht immer nur befristet beschäftigt sein. Dorothea Kliche-Behnke wünscht sich auch den Einstieg in die kostenlose Kinderbetreuung – ein Vorhaben, das die SPD schon vor fünf Jahren im Wahlprogramm hatte.

Kliche-Behnke ist die jüngste der ernst zu nehmenden Kandidaten im Wahlkreis und die einzige Frau. Auf ihrem Wahlkampf-Logo – dem roten SPD-Quadrat mit einem an das Landeswappen erinnernden Löwen – steht schlicht „Doro“, so wie die langjährige Tübinger Bundestagsabgeordnete Herta Däubler-Gmelin einst einfach nur „Herta“ plakatieren ließ. Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit zusammenbringen, gute Bedingungen für mittelständische Betriebe schaffen, aber auch faire Löhne für die Beschäftigten: Das ist der 34-Jährigen neben der Familienpolitik besonders wichtig. Ihr Anliegen sieht sie in der SPD am besten aufgehoben. „Niemals“ käme für sie ein Wechsel infrage, versichert die Mutter einer siebenjährigen Tochter und eines fünfjährigen Sohns – mögen die Umfragewerte auch noch so in den Keller gehen.

Ihre Großeltern haben 1949 in Stuttgart einen Betrieb gegründet, Paul Lange & Co. Der Fahrradteile-Großhandel wird heute von ihrer Mutter und einem Onkel geführt. Kliche-Behnke arbeitet als Referentin der Personalentwicklung mit. Die Firma hat 250 Beschäftigte am Standort Stuttgart und 400 europaweit. Es sei also genug für sie zu tun. Sie kennt aber auch die andere Seite: Ihr Vater war Gewerkschaftssekretär. Früh ging sie mit zu Kundgebungen am 1. Mai. Als sie für eine Arbeit in Gemeinschaftskunde ausgerechnet den Flächentarifvertrag als Thema wählte, wusste die Lehrerin kaum, was sie damit anfangen sollte.

Kliche-Behnke besuchte ein humanistisches, altsprachliches Gymnasium mit eher homogener Schülerschaft und geringem Migranten-Anteil. Doch auf dem Schulweg traf sie in der Straßenbahn auch andere Kinder, die offenbar weniger gute Chancen bekamen. „Ich hatte früh eine Ahnung, dass mit dem Bildungssystem etwas nicht stimmen kann“ – auch das ein Grund dafür, dass ihr Chancengleichheit für alle Kinder besonders wichtig ist. Die Wurzeln ihres politischem und sozialen Engagement liegen im Jugendrat Stuttgart Süd und der kirchlichen Jugendarbeit. Sie leitete Freizeiten, war Oberministrantin, organisierte Jugenddiscos und setze sich für Ökumene ein. Damals lernte sie auch ihren Mann kennen. Heute fordert sie das Wahlrecht mit 16.

   Als sie studierte, kam Kliche-Behnke beim monatlichen Quiz im „Bierkeller“ unter der Mensa Wilhelmstraße mit Jusos in Kontakt. Sie schloss sich an, ging auf die Straße, um gegen Studiengebühren zu protestieren. Inzwischen sind sie abgeschafft. „Die grün-rote Landesregierung hat viel eingelöst, wofür ich früher gekämpft habe.“

Sie ging in die SPD. 2007 übernahm Kliche-Behnke mit 26 Jahren in einer schwierigen Zeit den Kreisvorsitz. Sie ist ein offener und freundlicher Mensch, tritt gewandt auf, wirkt ausgeglichen und lacht oft und gern. Das half ihr neben dem Bonus für ihre Jugend, Konflikte zu schlichten. Sie seien aber in Tübingen trotz der Agenda 2010 gar nicht so groß gewesen, erinnert sie sich. Es habe auch nur wenige Austritte gegeben, und einige der enttäuschten Genossen schlossen sich der Partei wieder an. Als junge SPD-Frau sei sie zunächst schnell in die Netzwerker-Schublade gesteckt worden, sagt Kliche-Behnke. Doch da sieht sie sich nicht. Sie vertrete auch viele linke Positionen und verstehe sich bisher vor allem als Kommunalpolitikerin.

Derzeit ist die umtriebige Kandidatin als Wahlkämpferin in Tübingen, aber auch in den kleineren Gemeinden unterwegs. Die Stimmung im SPD-Kreisverband sei gut – trotz der Umfragewerte. Man wolle das SPD-Mandat für Tübingen erhalten. „Die Diskussion um die Agenda 2010 führt nicht weiter“, findet sie: „Wir müssen jetzt schauen, wie wir soziale Politik machen können.“ In den letzten 15 Jahren habe das Vertrauen in die SPD aber abgenommen, räumt sie ein: „Es ist ein längerer Weg, es zurückzuerobern, als es zu verlieren.“

Ebenso gern wie zum Hegelbau hätte Kliche-Behnke das TAGBLATT zu einem Pflegeheim und zu einer Diakoniestation geführt. Dort bekam die Kandidatin erst vor kurzem „hautnah mit, welche Arbeit Menschen in der ambulanten Pflege leisten“. Oder zur Erstaufnahmestelle in Ergenzingen: „Der Ort zeigt eine Herausforderung, und man trifft unter den Helferinnen und Helfern auch überforderte Menschen.“ Dennoch: „Man sieht, dass die Stadt Rottenburg diese Aufgabe sehr gut löst mit Optimismus und einer Haltung. Es ist bemerkenswert, wie viele Leute sich dort ehrenamtlich engagieren.“

Das Land mache viel, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren – ebenso wie viele Handwerksbetriebe. Sprachförderung und Schulsozialarbeit seien besonders wichtig. Ebenso, mehr Wohnraum zu schaffen. Da brauche man Anreize und Investitionsprogramme: „Diese Wohnungen sind für alle Menschen, die sie brauchen“ – ebenso wie Arbeitsmarktförderung für alle wichtig sei. Die SPD wolle eine Spaltung der Gesellschaft verhindern: „Deshalb ist es uns so wichtig, dass es für Flüchtlinge keine Abstriche beim Mindestlohn gibt. Sonst bekommen wir eine Schieflage.“

Dorothea Kliche-Behnke betrachtet die AfD als rassistische, homophobe, menschenverachtende und frauenfeindliche Partei. Sie glaubt auch nicht, dass man sie argumentativ stellen könne – dazu sei die Diskussion zu emotional. Nur wenn soziale Errungenschaften allen zugute kommen, könne man ihr den Nährboden entziehen.

Kandidaten zur Wahl (2): Dorothea Kliche-Behnke, SPD

1981 in Herdecke an der Ruhr geboren. Umzug in den Spessart und 1989 nach Stuttgart.

2000 Beginn des Studiums in Tübingen. 2005 Staatsexamen in Deutsch und Geschichte, 2007 in Katholischer Theologie.

Politisiert wurde die Mutter zweier Kinder durch ihre Eltern. Ihr Vater war Gewerkschaftssekretär, ihre Mutter Unternehmerin. Seit ihrem 13. Lebensjahr engagiert sich Kliche-Behnke sozial, kirchlich und politisch. Sie war Sprecherin des Jugendrats Stuttgart-Süd und Mitglied im Tübinger AStA-Vorstand.

2004 trat Kliche-Behnke in die SPD ein. Seit 2007 ist sie Kreisvorsitzende, seit 2009 Gemeinderätin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Die promovierte Literaturwissenschaftlerin engagiert sich auch im Kirchengemeinderat von St. Petrus. Sie arbeitet als Referentin für Personalentwicklung in einem 1949 von ihren Großeltern gegründeten Großhandelsbetrieb für Fahrradteile.

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17.02.2016, 08:00 Uhr
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