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Kein Brennpunkt der Kriminalität

„Den Kirchentellinsfurter Baggersee nicht als Schwerpunkt etablieren“

Die Zahl der Straftaten lag laut Polizeipräsidium in den vergangenen Jahren im einstelligen Bereich.

14.06.2017
  • koe

„Was in Köln Silvester war, haben Sie hier im Kleinen vor Ort.“ Das hatte Martin Zerrinius, Leiter des Polizeireviers Tübingen, unlängst über die Zustände am Kirchentellinsfurter Baggersee gesagt. Dieser sei für ihn ein „krimineller Ort“, so Zerrinius am 29. Mai, als der Gemeinderat die neue Polizeiverordnung über die Nutzung des Sees beschloss.

Seit er in Tübingen ist, sei er mit Sexualdelikten beschäftigt, sagte Zerrinius dem TAGBLATT. Er wolle nicht, dass sich der Baggersee „als weiterer Schwerpunkt etabliert“. Der Pressesprecherin des Reutlinger Polizeipräsidiums Andrea Kopp zufolge stellt der See allerdings „nach wie vor eindeutig keinen Kriminalitätsbrennpunkt dar“. In den vergangenen fünf Jahren bewegte sich demnach die Zahl der registrierten Straftaten jeweils „meist im einstelligen Bereich“. Vereinzelt gebe es „auch Meldungen über unsittliches Verhalten in der Öffentlichkeit“, so Kopp.

Er habe die Vorgänge am Baggersee nicht mit den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht gleichsetzen wollen, sagte Zerrinius dem TAGBLATT. Seine Absicht sei es gewesen, „zu sensibilisieren“ und darauf aufmerksam zu machen, „dass das zu einem Problem werden könnte“. Denn in Köln habe es zunächst nur drei oder vier Anzeigen gegeben. „Als die Polizei dann proaktiv auf die Bevölkerung zugegangen ist, waren es am Schluss mehrere hundert Anzeigen.“

Mit Blick auf die jüngsten Vorfälle sexueller Belästigung, etwa auf dem Ract-Festival, sagte Zerrinius: „Wenn da nackte Leute herumliegen, wäre Antanzen ein Problem.“ Es gebe eben Männer, bei denen sich gewisse „Gefühle regen“, wenn sie Nackte sehen. Man dürfe „keinen Bereich schaffen, der Leute anlockt“, wie beim Ract. Dabei gehe es nicht um bestimmte Nationalitäten. Das Problem seien „aufgegeilte Männer“, so Zerrinius.

Auf Nachfrage stellte Zerrinius klar, dass diejenigen, die am Südufer des Baggersees verbotenerweise nackt baden, bislang nicht Opfer sexueller Belästigung geworden sind. Lediglich im Mai gab es zwei Anzeigen, weil Männer dort onaniert hätten. Was die Cruising-Szene angeht, die sich vor allem abends und nachts am Parkplatz trifft, seien die Hinterlassenschaften das größte Problem: Kondome und Kondomverpackungen. Allerdings, so Zerrinius, sei zum Beispiel „Sex auf der Motorhaube“ auch bei Dunkelheit inakzeptabel. Es gehe dabei „überhaupt nicht gegen Schwule“, so Zerrinius. „Jeder soll seine Sexualität ausleben, aber man soll sich anständig benehmen.“

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14.06.2017, 01:00 Uhr
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