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700 gegen Versuche an Affen und Ratten
Demo gegen die Tierversuche mit Affen im MPI. Bild: Albers
Geordneter Demozug der Tierschützer durch die Stadt und vors Max-Planck-Institut

700 gegen Versuche an Affen und Ratten

Nach wie vor haben die Tierversuchsgegner keine Mühe, ihre Anhänger zu mobilisieren. Gut 700, so schätzt das Ordnungsamt, zogen am Samstag wieder protestierend durch Tübingen.

28.06.2015
  • alb

Tübingen. Unter dem Taubenturm auf der Neckarinsel war der Start. Friedrich Mülln, der Vorsitzende der sogenannten Soko Tierschutz, erklärte, warum Proteste weiter nötig seien, obwohl doch das Max-Planck-Institut ein Ende der Versuche mit Affen angekündigt hatte. „Die Ankündigung hat auch bei mir zuerst Verwirrung ausgelöst“, sagte er. Zunächst könne man stolz sein: „Das ist ein Erfolg für uns. So etwas hat es in Deutschland noch nicht gegeben.“

Aber: „Ich weiß bis heute nicht, ob das ein Ausstiegsszenario ist oder ein gigantischer Bluff.“ Es sei unklar, wann das Ende kommen solle, außerdem werde die Forschung wohl auf Ratten verlagert: „Begriffen haben diese Leute bis heute nichts.“ Deshalb sei ihm die Ausstiegsankündigung egal: „Wir werden unsere Kampagne fortführen, bis alle Versuche beendet sind.“

Formal war der Demozug wohlgeordnet, der über das Hackersteigle zum Max-Planck-Institut marschierte und am Universitäts-Vorplatz in der Wilhelmstraße seinen Abschluss hatte. Rainer Kaltenmark vom Ordnungsamt hatte im Vorfeld einiges geregelt und das Vertrauen in einen ruhigen Ablauf war so groß, dass diesmal nicht eine Kette der Göppinger Bereitschaftspolizei das Institut sicherte. Es waren nur eine Handvoll Security-Leute und die mitmarschierenden Tübinger Polizisten vor Ort.

Mülln hatte seine Unterstützer zur Besonnenheit aufgerufen. Angesichts des riesigen Plakates am Institut mit der Botschaft „Forschen für die Gesundheit“ sagte er: „Das sind traurige Argumente, aber auch diese Leute haben ein Recht auf Meinungsfreiheit.“ Und er grenzte sich von möglichen Trittbrettfahrern ab: „Wer Nazi ist und meint, man setzt sich für Tiere ein, hat etwas mitverstanden. Man setzt sich für alle Lebewesen ein.“

In der Sache aber sind die Tierschützer kompromisslos hart. Mülln attackierte OB Boris Palmer („ein grüner Provinzpolitiker, der provoziert“) und das TAGBLATT, dem er vorwarf, einseitig die Forscher zu unterstützen.

Vor dem Max-Planck-Institut hatten die Demonstranten ihre Strategie geändert. War die Dezember-Demo dort noch als Schweigemarsch angelegt, skandierten diesmal Hunderte minutenlang wütende Parolen Richtung Institut, zum Beispiel: „Blut – an euren Händen!“

Vor dem Institut sprach auch der Mann, der nicht so gerne öffentlich auftritt – der Undercover-Filmer, der mit seinen Aufnahmen aus dem Institut die Proteste angefacht hatte. „Nur fünf Prozent aller Studien haben eine Anwendung in der Humanmedizin“, sagte er. „Wenn ein Auto nur zu fünf Prozent funktioniert, würde man die Fabrik doch schließen, oder?“ Für ihn ist klar: „Wir werden immer wieder hochkommen und Demos veranstalten, bis es keine Versuche mehr gibt.“ alb

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28.06.2015, 01:00 Uhr
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