Und wieder ist der Dußlinger Tunnel gesperrt

Déjà-vu an der Bröckelwand: Der Lärmschutz-Beton will nicht mehr

Von Eike Freese

Der Lärmschutz-Beton am Dußlinger B27-Tunnel zeigt sich derzeit mal wieder von seiner instabilen Seite. Wann die Sperrung aufgehoben wird, ist ungewiss.

Déjà-vu an der Bröckelwand: Der Lärmschutz-Beton will nicht mehr

Akute Bröckchengefahr: Seit über zwei Monaten geht es auf der B27 mal wieder nur einspurig Richtung Hechingen. Auch vor zwei Jahre dauerte es Monate, bis das Sanierungsverfahren beendet war. Der Tunnel selbst ist erst 2014 eröffnet worden. Derzeit gilt hier Tempo 60. Bilder: Rippmann

Es war schon beim ersten Mal im Grunde eine ernste Sache – die allerdings einer gewissen Ironie nicht entbehrte: Handabgewogene 12 Tage nach der feierlichen Eröffnung des Dußlinger B27-Tunnels im Sommer 2014 gab es schon den ersten Regressfall. Damals bröckelte der Leicht-Beton der Lärmschutzwände auf 600 Meter Länge an mehreren Stellen ab und fiel, teils in Stückchen, teils in Platten, auf die Fahrbahn. Zum Ärger von Autofahrern und Verkehrsplanern dauerte es viele Monate, bis tief ins Jahr 2015 hinein, bis die Wand wieder so stabil wirkten, dass man alle Fahrspuren der B27 freigab.

Erst Gutachten, dann Konzept

Heute, gut zwei Jahre später, sieht es beinahe schon wieder aus wie damals: Der launische Putz bröckelte auch in diesem Sommer, weitere Hohlstellen in den Wänden sind aufgespürt, seit Anfang August ist die Bundesstraße Richtung Hechingen nur noch einspurig, Autofahrer müssen vor dem Tunnel auf Tempo 60 abbremsen. Schnell ändern wird sich das nicht: „Da ein konkretes Sanierungskonzept noch nicht feststeht, sind noch keine detaillierten Angaben zur Aufhebung der Sperrung der Überholspur möglich“, meldet das Regierungspräsidium auf TAGBLATT-Nachfrage.

Schlamperei an der Lärmschutzwand

Damals wie heute liegt das Problem in der Verarbeitung solcher Lärmschutzwände, die vor allem aus zwei Materialien bestehen: einem tragfähigen Innenteil aus Konstruktions-Beton und zwei Außenschalen aus Leichtbeton, die den Schall schlucken sollen. Im Werk wird zuerst die eine Schallschutzschale gegossen, dann die Tragschicht daraufbetoniert, schließlich die zweite Seite aufgedrückt. Mist gebaut wurde offenbar beim zweiten Aufdrückvorgang: Das Regierungspräsidium spricht von „Beeinträchtigungen im Herstellungsprozess, sodass ein kraftschlüssiger Verbund zwischen Tragschale und zweiter Absorptionsschale nicht dauerhaft vorliegt“. Kurz: es bröckelt.

Das tat es allerdings auch schon im Jahr 2014 und 2015 – und das unerwartet. Denn die verantwortliche Firma Eudur, Sitz in Ostwestfalen und in Schorndorf, war zuvor vor allem mit Arbeiten für Renommierprojekte wie den „Phaeno“-Komplex in Wolfburg und allerlei Autobahn-Vorhaben positiv aufgefallen.

Gutachten verzögerten die Renovierung

In Dußlingen bröckelte der Putz erstmals so richtig – und das ziemlich lange, denn die Renovierung verzögerte sich unter anderem durch die Gutachten, die in diesem Fall eingeholt werden mussten: eins von der TU Dortmund für die verantwortliche Lärmschutz-Firma, eins von der TU Dresden für das Regierungspräsidium, das den Gesamtbau der B27 verantwortet. Auch die kalte Witterung im Winter verzögerte die Sanierung – so dass erst im Frühjahr 2015 alle Schallschluckplatten erneuert oder mit Dübeln am Tragbeton festgemacht werden konnten. Auch diesmal müssen Gutachten eingeholt werden, damit es voran geht. Erste Ergebnisse aus einem neuerlichen Papier zur Art des Schadens lägen nun „seit wenigen Tagen vor“, so RP-Pressesprecher Steffen Fink – und sollen erstmal intern geprüft werden, bevor ein neuer Plan entwickelt wird, wie die Wand stabiler werden kann.

Wann die Spur freigegeben wird, ist unklar

Wann die derzeit gesperrte Spur freigegeben werden könnte, darüber will das RP wie erwähnt nicht spekulieren. Sprecher Fink weist darauf hin, dass man ein Provisorium zur Sicherung schaffen könnte, wenn sich der Abstimmungsprozess mit der ausführenden Firma hinziehen sollte.

Die Kosten für alle Arbeiten trägt die Lärmschutzwand-Firma im Rahmen ihrer Gewährleistung. Das war auch schon 2014 der Fall – und die Frist wurde damals deshalb auch verlängert. Neben den Aufwendungen für die Sanierung kommen auf die Firma Folgekosten in noch ungenannter Höhe dazu, etwa für die jetzigen Verkehrssicherungsmaßnahmen und für die erwähnten Gutachten.


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17.10.2017 - 01:00 Uhr