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Eine Minderheit in Bedrängnis

Zwischen Muslimen und Christen auf der Ferieninsel Sansibar steigen die Spannungen

Es gibt Säureattentate und mörderische Übergriffe: Die christliche Minderheit auf Sansibar lebt in Angst. Gerade vor Weihnachten. Radikale Muslime kämpfen auf ihrem Rücken für mehr Unabhängigkeit.

14.12.2013

Von ELISABETH ZOLL

Stone Town "Ich bin hier, weil er tot ist." Cosmas Alphone Shayo schaut auf das Foto eines jungen Mannes - Priester wie er, ermordet am 17. Februar dieses Jahres. Evaristus Mushi war der Geistliche von St. Joseph, der zentralen Pfarrgemeinde in Stone Town auf der Ferieninsel Sansibar. Schön ist es hier, das Leben pulsiert - nur zum Alltag der christlichen Minderheit wollen die Eindrücke nicht passen. Angst lastet auf der Gemeinde, gerade jetzt vor Weihnachten, wo viele mit neuen Anschlägen rechnen.

Im schattigen Büro erzählt Father Cosmas von seiner Bedrängnis. Polizisten beschützen seit einiger Zeit die sonntäglichen Gottesdienste, zur Schulabschlussfeier kommen Sicherheitskräfte vom Festland Tansania, weil die Gemeinde den einheimischen Sicherheitskräften nicht mehr traut. Zu viel ist passiert. "Zuerst brannten Kirchen, dann wurde auch geschossen", sagt Father Cosmas. Vergangenes Weihnachten wurde einer seiner Mitbrüder mit einem Kopfschuss schwer verletzt, ein anderer wurde Opfer eines Säureattentats. "Vor einem Jahr waren wir 16. Jetzt sind wir noch 10 Geistliche." Auch zwei junge Britinnen, die in einem anglikanischen Kindergarten ein freiwilliges soziales Jahr verrichteten, wurden im Sommer durch ein Säureattentat schwer verletzt.

Die christliche Minderheit aus Anglikanern, Baptisten, Freikirchen und Katholiken, die rund zwei Prozent der 1,1 Millionen Sansibaris ausmacht, dient als Sündenbock in einer Auseinandersetzung, in der es um Politik, Macht und wirtschaftlichen Einfluss geht. Konfliktpunkt ist die 1964 festgeschriebene Union zwischen dem liberaleren Tansania und den Inseln Sansibar und Pemba, auf denen früher ein traditionell toleranter Islam ostafrikanischer Prägung zu Hause war. Die Zeiten ändern sich - nicht zum Guten. Die islamistische Gruppe "Uamsho", der Name bedeutet so viel wie "Erwachen", drängt mit aller Macht auf eine Abspaltung der Inseln. Auf Sansibar und Pemba soll ein islamischer Scharia-Staat entstehen. Wer sich dagegenstellt, wie die Christen, denen die Union mit Tansania Schutz bietet, oder gemäßigte Muslime wie Sheikh Fadhil Suleiman Soraga, ist in Gefahr. Auch der prominente islamische Theologe wurde Opfer eines Säureattentats. Sein Gesicht ist bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die Zentralregierung in Dar es Salam hat Uamsho im Verdacht, hinter den Gewalttaten zu stehen. Der Gruppe wird vorgeworfen, mit Al-Kaida und den somalischen Al-Shabaab-Milizen zu kooperieren.

Davon will Hamid Idris (Name geändert) nichts wissen. Der 21-jährige Student aus Pemba lässt keine Distanz zu den Angreifern erkennen. "Die Attentate haben die Welt doch geschockt", sagt er in einem Ton, als rede er von einem besonders gelungenen Coup. Die Sansibaris hätten genug von den Bevormundungen der Zentralregierung, auch der Tourismus, der Sansibar 80 Prozent des Einkommens beschert, bereitet ihm Unbehagen. Dass sich Menschen in kurzen Hosen und Badekleidung in den Dörfern bewegen, findet er respektlos, die laute Musik und das lockere Strandleben mit dem Islam unvereinbar. Er denkt in Alternativen. "Wir besitzen Gewürzplantagen, fischreiches Meer, fruchtbare Böden", schwärmt der Mann. Und - finanzkräftige "Freunde" aus dem Oman und aus Saudi Arabien.

Die Veränderungen sind spürbar. "Uamsho besteht aus Vielen", sagt Father Cosmas. "Und sie sind überall." Vermutlich auch in der Regionalregierung Sansibars. "Wir haben den Präsidenten gebeten einzugreifen. Doch die Regierung tut nicht genug." So bleibt der christlichen Minderheit nur das Gebet. "Die Angst schweißt uns zusammen. Unsere Kirchen sind voll." Nicht nur an Weihnachten.

Cosmas Alphone Shayo: Auf Sansibar wächst die Angst vor Anschlägen. Fotos: Zoll

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Erstellt:
14. Dezember 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Dezember 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2013, 12:00 Uhr

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