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In ihrer Traumstadt Rio erfüllen sich für Angelique Kerber mit Tennis-Silber nicht alle Wünsche

Zwischen Frust und Genuss

Einmal Rio und zurück: Tennisstar Angelique Kerber hat sich ihren „Kindheitstraum“ erfüllt, aber mit der Silbermedaille nicht alle Olympia-Wünsche.

15.08.2016
  • WOLFGANG SCHEERER

Rio de Janeiro. Die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier tragen und dann vielleicht noch Gold gewinnen. Im bisher besten Jahr ihrer Tenniskarriere mit Australian-Open-Triumph und Wimbledon-Endspiel schien für Angelique Kerber alles greifbar. Dazu passte der perfekte Ort: Rio de Janeiro. „Ich war vorher noch nie hier, und das war immer so mein Kindheitstraum.“ Und dann auch noch der perfekte Belag: Hartplatz „Rebound Ace“, genau wie zu Jahresbeginn in Melbourne.

Doch nur ein Teil des großen Traums der Weltklasse-Tennispielerin wurde komplett wahr: Rio. Obwohl schon die Anreise nicht optimal verlief. Nach dem Turnier im kanadischen Montreal war die 28-Jährige zunächst in New York gestrandet, weil andere Flüge ausfielen. Zum Fahnenträger wurde Tischtennis-Star Timo Boll gewählt, Angelique Kerber war erst gar nicht in der Endauswahl. Und schließlich traf die Kielerin in Rio auf eine unglaublich fokussierte Gegnerin, die die gesamte olympische Woche lang die Tenniswelt gerockt und nicht nur Sportfans ihrer Heimatinsel Puerto Rico in Ekstase versetzt hat: Monica Puig.

Auf ihrem Weg ins Endspiel stoppte die 22 Jahre Rechtshänderin mit ihrer hammerharten, langen, perfekt platzierten Vor- und beidhändigen Rückhand unter anderem die spanische French-Open-Siegerin Garbine Muguruza und im Halbfinale die zweimalige Wimbledon-Gewinnerin Petra Kvitova aus Tschechien, die am Ende Bronze holte. Im Finale, Gold vor Augen, zeigte sie auch gegen Linkshänderin Kerber keine Nerven und gewann verdient mit 6:4, 4:6, 6:1.

„Ich will nicht sagen, ich habe Gold verloren. Sie hat es gewonnen. Monica hat meiner Meinung nach das Spiel ihres Lebens gemacht und die bisher beste Woche ihrer Karriere gezeigt“, sagte Angelique Kerber. Eine kurze Behandlungspause nach dem verlorenen ersten Satz war nötig und offenbar kein taktisches Geplänkel, um so vielleicht den Rhythmus der Gegnerin zu brechen. „Ich spürte ein Ziehen vom unteren Rücken in die Gesäßmuskukatur“, beschrieb Kerber das Problem, fügte aber auch sofort hinzu: „Das soll keine Entschuldigung sein. Ich habe alles gegeben. Sie war aber den entscheidenden Tick besser und hat es verdient.“

Monica Puig, in der Weltrangliste an Position 34, bezwang die Nummer zwei. Nach zwei Stunden und neun Minuten verwandelte sie den insgesamt vierten Matchball und sank überwältigt von Emotionen auf den grünen Boden der mit rund 5000 Zuschauern nur halbvollen Tennis-Arena im Olympiapark Barra. Und Angelique Kerber packte wie mechanisch ihre Tasche. Schon eine Viertelstunde später ging es zur Siegerehrung, wo die Kielerin sich ihre Silberplakette zum ersten Mal genauer anschauen konnte. „Es ist nicht die Medaille, die ich mir gewünscht hatte“, sagte sie offen. „Aber ich bin stolz, mein Land zu repräsentieren und hier Silber mitzunehmen. Daheim wird die Medaille einen Ehrenplatz bekommen.“

Wer weiß, vielleicht ist es sogar einfacher, die große olympische Bühne mit einem Sieg zu beenden und wie Kvitova Bronze zu gewinnen, als mit einer Niederlage und Silber. Bundestrainerin Barbara Rittner erzählte, dass in der ersten Stunde nach dem verlorenen Finale die Enttäuschung sehr groß gewesen sei bei Angelique Kerber: „Sie wollte die Medaille erst gar nicht. Doch schon bald war sie bereit zu sagen: Ja, Silber ist gut.“

Es geht schließlich in einem Olympia-Finale um mehr als Gold. Angelique Kerber hätte nach Steffi Graf 1988 die zweite deutsche Tennis-Olympiasiegerin werden können. Die historische Leistung bleibt nun Monica Puig vorbehalten. Für den Karibikstaat war es die erste olympische Goldmedaille überhaupt. Angelique Kerber sprach zum Abschied aus Rio von einem „sehr positiven Jahr mit vielen wichtigen Erfahrungen und vielen schönen Eindrücken hier“. Die Sommerspiele mit ihrem Mix an Athleten waren für sie offenbar ein bunter, lebensfroher Kontrast zur gewohnten Turnier-Routine, die schon kommende Woche in Cincinnati/Ohio weitergeht. Kein Wunder also, wenn sie über Olympia sagt: „Ich bin jetzt heiß.“ Tokio 2020 ist für Angelique Keber ein Thema: „Warum nicht?“

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15.08.2016, 06:00 Uhr
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