Hagelflieger sollen Weinernte schützen

Zweites Flugzeug ist jetzt einsatzbereit

Hagel bildet die größte Gefahr für eine gute Weinlese. Deshalb bekämpft Hagelflieger Rainer Schopf potenzielle Hagelwolken, indem er sie mit Silberjodid "impft." Jetzt hat er einen zweiten Mitstreiter in der Luft.

05.08.2011

Von MATHIAS KUHN

Stuttgart Die ganze Aufmerksamkeit von Hagelflieger Rainer Schopf galt dem Wetterradar. "Wir arbeiten mit einem meteorologischen Institut in Karlsruhe zusammen, das den Piloten die aktuelle Entwicklung und die Vorhersagen mitteilt", erklärt Georg Enssle. Der Leiter der Abteilung Landwirtschaft im Landratsamt des Rems-Murr-Kreises hat die Federführung des Hagelfliegerprojekts übernommen. "Von den in den 80er-Jahren oftmals von Hagel betroffenen Wein- und Obstbauern in unserer Region ging die Initiative für den Hagelflieger aus. Er betreut die gesamte Region rund um Stuttgart und wird finanziert von Wein- und Obstbaubetrieben, fast allen Kommunen, Versicherungen, Daimler und auch Autohäusern", sagt Enssle. Mit ihren Beiträgen wollen sie verheerende Schäden in der Natur, an Autos oder Gebäuden verhindern.. Dazu steht Schopfs zweimotoriges Flugzeug in Echterdingen startklar. Es ist speziell umgerüstet. Der erfahrene Pilot muss den Unwetterwolken entgegenfliegen. "Wir müssen das Silberjodid in den Aufwindbereich einer Gewitterwolke bringen", erklärt er. Im Idealfall wird die Lösung dann ins Innere der Wolke gesogen. Die vielen kleinen Tröpfchen sollen als Kristallisationskeime dienen und bewirken, dass sich viele kleine Eiskügelchen bilden. Anstatt weniger großer Eisklumpen, die so verheerende Schäden anrichten wie im Frühsommer am Bodensee oder auch im Remstal. Alle Hagelschäden kann auch Schopf nicht verhindern. Vor allem im Juni war er im Dauereinsatz. Da die Gewitterfronten oftmals innerhalb von wenigen Minuten über die Region ziehen, huscht Schopfs Flieger bei einer breiten Front von einem Ende zum anderen. Ein fast aussichtsloses Unterfangen.

Deswegen haben sich die Finanziers vor vier Jahren entschlossen, einen zweiten Hagelflieger zu engagieren. "Diese Firma kam allerdings Anfang des Jahres in Zahlungsschwierigkeiten", so Enssle. Ihr Flugzeug musste am Boden bleiben. Enssle hat einen Ausweg gefunden. "Von Freitag an wird eine andere Firma in die Hagelbekämpfung einsteigen." Für Wirbel sorgt zudem die Stadt Esslingen. "Sie ziert sich weiterhin an der Gemeinschaftsfinanzierung teilzunehmen", so Enssle. Der Beitrag in Höhe von 5000 Euro sei im Rahmen der Haushaltskonsolidierung noch nicht freigegeben. Insgesamt nimmt die Hagelabwehrgemeinschaft der Region rund 250 000 Euro pro Jahr für die beiden Flieger und die Radarkontrolle in die Hand. Enssle ist zuversichtlich: "Alle anderen Partner haben zugesagt. Die Finanzierung ist bis 2016 gesichert."

Hagelflieger Rainer Schopf bekämpft potenzielle Hagelwolken.

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Erstellt:
5. August 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. August 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. August 2011, 12:00 Uhr

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