Pandemie

Zweite Impfung von Biontech oder Moderna

Bund und Länder einigen sich: Wer zunächst Astrazeneca erhalten hat, soll danach umsteigen. Dänemark verzichtet komplett auf das britisch-schwedische Vakzin.

15.04.2021

Von HAJO ZENKER

Immer mehr Länder gehen auf Distanz zum Impfstoff von Astrazeneca. Foto: Gabriel Bouys/afp

Berlin. Die Bedeutung der Corona-Impfstoffe von Biontech und Moderna für die Impfkampagne nimmt weiter zu: Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschlossen, dass Menschen unter 60 Jahren, die als erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, in der Regel bei der Zweitimpfung Biontech oder Moderna bekommen sollen. Dies solle zwölf Wochen nach der Erstimpfung geschehen, „übergangsweise“ aber auch ab der neunten Woche.

Hintergrund sind Fälle von Thrombosen im Gehirn nach einer Impfung mit Astrazeneca. Laut Robert-Koch-Institut haben fast 3,9 Millionen Menschen eine Erstimpfung mit dem britisch-schwedischen Vakzin bekommen. Mehr als zwei Millionen davon sollen laut Gesundheitsministerium unter 60 Jahren sein. Sie müssen nun aus den Lieferungen von Biontech und Moderna versorgt werden. Was das bedeuten kann, hat am Mittwoch Brandenburg klargemacht: Erstimpfungen mit Biontech und Moderna würden zunächst auf Null gefahren, um die Kompensation der Zweitimpfungen von Astrazeneca realisieren zu können.

Entlastung durch den eigentlich für Mitte April erwarteten Impfstoff von Johnson & Johnson lässt derweil auf sich warten: Der Hersteller hatte wegen derselben Thrombosen-Gefahr den Marktstart in Europa aufgeschoben. Die Behörden in den USA hatten zuvor ein Aussetzen der Impfungen empfohlen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach glaubt zwar, „dass der Impfstoff nach einiger Zeit wieder verimpft wird“. Es könne aber sein, dass auch J&J nur bei über 60-Jährigen zum Einsatz kommen werde. Was die Impfkampagne zusätzlich erschweren würde. Lauterbach wirbt deshalb dafür, für das Vakzin des Tübinger Unternehmens Curevac, das regulär in der EU erst im Mai/Juni zugelassen werden dürfte, eine deutsche Notfallzulassung zu erteilen. Schließlich ähnele der Impfstoff den Produkten von Biontech und Moderna.

Brüssel steuert um

Auch die EU-Kommission steuert derweil um und will sich laut ihrer Chefin Ursula von der Leyen bei den Bestellungen auf Vakzine konzentrieren, die ihren Wert unter Beweis gestellt hätten – nämlich mRNA-basierte Impfstoffe wie die von Biontech und Moderna. Ursprünglich hatte es in vielen EU-Ländern eine große Skepsis gegenüber der noch neuen mRNA-Technologie gegeben. Weshalb besonders viel Vakzin von Astrazeneca bestellt wurde – mit den bekannten negativen Folgen. Dänemark hat unterdessen dauerhaft den Einsatz von Astrazeneca gestoppt. Entsprechend froh war Ursula von der Leyen, mitteilen zu können, dass Biontech bis Ende Juni zusätzlich 50 Millionen Dosen an die EU liefern wird, davon neun Millionen nach Deutschland. Hajo Zenker

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Erstellt:
15. April 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. April 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. April 2021, 06:00 Uhr

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