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Der Kommentar

Zweifelhafter Rekord

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Das Uni-Klinikum Tübingen (UKT) schreibt wieder schwarze Zahlen. Nach einem Minus von 1,9 Millionen Euro im Jahr 2008 rechnet der Klinikums-Vorstand in diesem Jahr mit einem Plus von rund zwei Millionen Euro.

08.12.2009

Mehr Patienten, Kostencontrolling, verbesserte Abläufe und ein massiver Tritt auf die Investitionsbremse bei der Instandhaltung haben dazu beigetragen.

Aber nicht nur. Wie vergangenen Freitag berichtet, hat das UKT auch an der Verweildauer seiner Patienten gespart. Im Schnitt bleiben die derzeit nur noch 7,06 Tage auf Station. Schon im vergangenen Jahr, als der Bundesschnitt aller Krankenhäuser bei 8,1 Tagen lag, wurden die Patienten am UKT nur 7,41 Tage behandelt und gepflegt.

Das liegt im wirtschaftlichen Interesse des Klinikums. Denn jeder Tag mehr im Klinikbett schmälert den Erlös. Die Fallpauschalen für gesetzlich Krankenversicherte sind weitgehend unabhängig von ihrer Aufenthaltsdauer im Krankenhaus. Früher indes wurde nach Tagessätzen abgerechnet. Wer die Patienten länger behielt, hatte mehr in der Klinikkasse. Das führte dazu, dass manche Patienten länger als nötig das Krankenhausbett hüteten. Was wiederum die Gesamtkosten im Gesundheitswesen nach oben trieb.

Doch den Preis für die immer kürzere Verweildauer zahlen die Patienten und ihre Angehörigen. Vor allem Ältere kommen nach einer Operation nicht so schnell wieder auf die Beine, haben oft noch andere Erkrankungen. Es mag zwar sein, dass sie nicht mehr unbedingt das teure Bett in einer auf Hochleistungsmedizin und schwerste Fälle ausgerichteten Uni-Klinik brauchen. Fit für den Alltag sind sie deshalb noch lange nicht. Nicht umsonst wird in diesem Zusammenhang auch von „blutiger Entlassung“ gesprochen.

Mit der Pflege daheim sind die Angehörigen überfordert – sofern es sie überhaupt gibt und sie die Zeit dazu haben. Unterstützung können sie zwar von ambulanten Pflegediensten und dem Hausarzt bekommen. Doch das will organisiert sein. Und immer weniger niedergelassene Ärzte machen die lausig bezahlten Hausbesuche. Zurück bleiben verunsicherte Kranke und hilflose, oft selbst betagte Partner.

Ein Ausweg wären Nachsorge-Krankenhäuser, die nicht alles an High-Tech-Ausrüstung für den Notfall- und schwerkranken Patienten vorhalten müssten. Pflegespitäler eben, gut vernetzt mit der Hochleistungsmedizin, aber günstiger als diese. Doch solche Kliniken werden aus Kostengründen landauf, landab dicht gemacht, siehe Rottenburg oder Hechingen und womöglich auch Horb.

Das mag sich zwar kurzfristig wirtschaftlich gut machen. Auf lange Sicht aber fehlen diese Spitäler. Denn bei einer alternden Bevölkerung, stößt die Verkürzung der Liegezeiten im Krankenhaus an ihre Grenzen. Somit ist das mit der kürzesten Verweildauer ein eher zweifelhafter Rekord.

Uschi Hahn

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Erstellt:
8. Dezember 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Dezember 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Dezember 2009, 12:00 Uhr

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