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Zweifel am Zauber des Siebensterns
Skeptische Staatssekretärin: Friedlinde Gurr-Hirsch vom Agrarministerium (links) glaubt nicht an den Segen des Siebensterns für Bienenvölker. Foto: HANS GEORG FRANK
Esoterische Imker glauben an die Wirkung eines Kraftplatzes auch bei der Abwehr von Milben

Zweifel am Zauber des Siebensterns

Imker orientieren sich am Bau eines Doms, wenn sie an den Effekt des Siebensterns glauben. Wissenschaftler und Politiker halten von der Methode nichts.

08.08.2016
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. „Andere Imker“, weiß Volker von Schintling-Horny (78), „lächeln natürlich über mich“. Dass er sich von der Mehrheit nicht wirklich ernst genommen fühlt, grämt den Rentner aus Ratingen (Nordrhein-Westfalen) wenig. Er gilt als Mentor einer Methode, die in esoterischen Kreisen über jeden Zweifel erhaben ist. Volker – man duzt sich gerne in der Szene – propagiert den Bienen-Siebenstern. Bücher schreibt er darüber oder trifft sich mit Gleichgesinnten wie in Heilbronn.

Lopetra Möhle aus Untergruppenbach ist eigentlich eine sehr bodenständige Frau. Als CDU-Gemeinderätin fühlt sie sich der Realität verpflichtet, den Fakten und Beweisen. Als Imkerin jedoch kann sie sich überirdischen Einflüssen nicht gänzlich verschließen. „Es ist total friedlich hier“, sagt sie auf einer Lichtung am Heilbronner Stadtrand und schwärmt von „Anmut und Vitalität“ ihrer Bienen. Nach Überzeugung der Geomantin Gabriele Friemelt handelt es sich um einen Kraftplatz. Sie habe den Flecken mit ihrer Gedankenkraft aktiviert, nachdem sie bei Gesprächen mit der Natur, bei Berührung mit Bäumen die vorhandene Energie festgestellt hatte. Bei diesem Vorgang sei stets ein Kribbeln zu spüren, verrät Volker.

Sieben Bienenvölker sind dort aufgestellt, wo sich früher US-Soldaten bei Leibesübungen ertüchtigten, damit sie mit ihren Pershing-Atomraketen für das Gleichgewicht des Schreckens sorgen konnten. Die Holzkisten der Honiglieferanten sind nach „der göttlichen Ordnung des goldenen Schnitts“ platziert, erklärt von Schintling-Horny, wie beim Dombau. Dadurch sei ein „Lebensenergiekraftwerk“ entstanden, wie es schon die Urväter gekannt hätten: „Man kann es nicht sehen, aber man spürt es mit dem Herzen.“ Selbst die Reichweite sei exakt bekannt – 4,2 Kilometer. In diesem Bereich gebe es „mehr Harmonie, besseres Pflanzenwachstum, weniger Krankheiten und Ärger, mehr Umarmungen“.

Eine große Gefolgschaft hat der Siebenstern nicht. In Deutschland gibt es angeblich 408 solcher Formationen, weltweit sollen es um die 8000 sein. Zum Vergleich: Der Badische Imkerverband hat 8472 Mitglieder, dem württembergischen Pendant gehören über 10 000 Imker mit 90 000 Völkern an.

Unverdrossen behaupten die Anhänger des Siebensterns, dass ihre Bienen nicht nur besseren Honig produzierten, sondern auch besser gegen die gefährlichen Varroamilben gefeit seien. Bei Peter Rosenkranz, dem Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim, fällt derlei Glauben auf keinen fruchtbaren Boden. „Es ist eine Unsitte geworden, den Imkern für irgendwelche Anwendungen Wirkungen zu versprechen, ohne objektive und belastbare Daten zu den entsprechenden Behauptungen zu liefern“, erklärte er der SÜDWEST PRESSE. Er habe auch „eine persönliche Prognose“, sagt er: „Wer sich bei der Varroakontrolle auf Versprechungen aus der Esoterik verlässt, wird seine Bienenvölker verlieren.“

Der Wissenschaft vertraut Friedlinde Gurr-Hirsch, CDU-Staatssekretärin im Agrarministerium. Sie sei „offen für alles“, sagt sie auf der Waldheide, „aber kosmische Kräfte kann ich hier nicht empfinden“. Schutz der Bienen vor den gefährlichen Milben dank Siebenstern hält sie für unmöglich. Zwar kostet sie vom angeblich kosmisch angereicherten Honig, stellt aber doch eindeutig klar: „Ein Förderprogramm des Landes wird es nicht geben.“

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08.08.2016, 06:00 Uhr
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