Stuttgart

Zwei Verbände fordern verbindliche Grundschulempfehlung

Wenige Wochen vor der Landtagswahl haben der Philologen- und der Realschullehrverband die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung gefordert.

15.01.2021

Von dpa/lsw

Stuttgart. Ihr liege eine pädagogische Gesamtwürdigung zugrunde, die die bisherige Lern- und Leistungsentwicklung des Kindes, Lern- und Arbeitsverhalten sowie Lernpotenziale berücksichtige, teilte die beiden Verbände am Freitag in Stuttgart mit. „Aus Verbindlichkeit ist Beliebigkeit geworden, die allen Schularten gleichermaßen zusetzt.“

Die Beliebigkeit der Schulwahl habe zu einer deutlichen Verschlechterung der Verhältnisse an den Schulen und zu enormen Belastungen der Kinder und Eltern sowie der Lehrkräfte an den weiterführenden Schularten geführt, kritisierten die Verbände.

Es geht um die Empfehlung der Grundschule, welche weiterführende Schulart für ein Kind nach der vierten Klasse geeignet ist. Die grün-rote Vorgängerregierung hatte entschieden, dass die Empfehlung seit 2012/2013 nicht mehr verbindlich ist. Die Eltern können sich über sie hinwegsetzen und ihr Kind etwa auf ein Gymnasium schicken, obwohl es dafür keine Empfehlung hat.

Die Chefin des Realschullehrerverbandes, Karin Broszat, sagte, dass geschundene Bildungssystem im Land brauche endlich mutige, durchdachte Vorstöße und Entscheidungen, um wieder einen der früheren Spitzenplätze im Ländervergleich zu erreichen. Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Ralf Scholl, meinte, wissenschaftliche Forschungen zeigten, dass eine an der Leistung des Kindes orientierte, verbindliche Grundschulempfehlung zu deutlich größerer Gerechtigkeit führe, als die Freigabe der Schulwahl in den Elternwillen.

Die SPD kritisierte die Aussagen der Verbände: Die Befürworter einer verbindlichen Grundschulempfehlung sprächen sich letztlich dafür aus, den Elternwillen komplett zu ignorieren und die vermeintlich „falschen“ Kinder von den „richtigen“ abzuhalten. Die FDP sprach sich hingegen zur Rückkehr der alten Regelung aus. Sie erleichtere im erheblichen Maße die Bildung von Klassen aus Schülern mit vergleichbaren Begabungen und Leistungsvoraussetzungen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht die Abschaffung gleichfalls als falsch an. Es werde bereits seit längerem an einem umfassendem Gesamtkonzept vom Übergang der Grundschule zu den weiterführenden Schulen gearbeitet, sagte sie. „Wir wollen die Verbindlichkeit stärken, die Beratung ausbauen und wir brauchen eine durchgängige Beobachtung des einzelnen Schülers.“

Zum Artikel

Erstellt:
15. Januar 2021, 12:26 Uhr
Aktualisiert:
15. Januar 2021, 14:50 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2021, 14:50 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App