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Marvin Jäger und Thilo Kehrer feierten ihr Debüt gegen Dänemark

Zwei Tübinger Schüler im Nationaltrikot

Textsicher bei der Hymne, treffsicher auf dem Rasen: Thilo Kehrer aus Pfäffingen hat beim 5:0 gegen Dänemark gleich ein Tor für die deutsche U 16 erzielt. Der Unterjesinger Marvin Jäger feierte ebenfalls sein Debüt im DFB-Trikot – und paukte auf dem Lehrgang nebenbei Mathe für die Mittlere Reife-Prüfung.

28.05.2012
  • hansjörg lösel

Pfäffingen/Unterjesingen. Ein Tor vorbereitet, das 2:0 selbst erzielt, obendrein einen Elfmeter rausgeholt – einen besseren Einstand im Nationaltrikot hätte sich Thilo Kehrer kaum wünschen können.

Beim 5:0 der deutschen U 16-Auswahl gegen Dänemark am Mittwoch spielte der 15-Jährige zunächst auf der rechten Außenverteidiger-Position, wechselte nach der Pause ins zentrale Mittelfeld. „Am Anfang war die Aufregung natürlich groß, aber das hat sich nach dem Anpfiff gelegt“, sagt Kehrer, „es lief richtig gut, ich habe hinterher eine gute Benotung vom Trainer bekommen“.

Der ehemalige Dortmunder Steffen Freund, Europameister von 1996, trainiert die U 16-Auswahl, sichtet derzeit fast 40 Kandidaten. Am Dienstag testete Freund ein komplett anderes Team, in Celle stand ein weiterer Tübinger Schüler in der Anfangsformation: Marvin Jäger, der wie Kehrer beim VfB Stuttgart kickt, spielte in der Innenverteidigung.

Jäger: Nächster Einsatz in Österreich

„Es lief nicht so gut für uns, wir haben nach gutem Start zwei dumme Gegentore kassiert – und als wir das 1:2 gemacht haben, fiel fast im Gegenzug das 1:3“, berichtet Jäger. Doch auch der 16-jährige Unterjesinger bekam gute Noten vom Bundestrainer. Und darf sich schon auf seinen nächsten internationalen Einsatz freuen. Beim Toto-Cup in Österreich trifft die DFB-Auswahl auf Kroatien, die Slowakei und Österreich. „Der Trainer sagte, dass ich dabei bin“, so Jäger.

Erstmal musste sich der Unterjesinger aber auf Mathe konzentrieren: Am Freitag absolvierte der 16-Jährige die letzte Klausur für die Mittlere-Reife an der Tübinger Albert-Schweitzer-Realschule, der Mathe-Lernstoff war deshalb in der Sporttasche dabei. Betreut wurden die Kicker beim Lehrgang von zwei Lehrern, außerdem hatte Freund einen Stab dabei: Zwei Co-Trainer, einen Techniktrainer, Athletik-Trainer, Physiotherapeuten, Ärzte und Zeugwarte – das Nachwuchs-Konzept beim DFB ist professionell.

Kuriosum am Rande: Die Fußball-Talente werden vom Verband angewiesen, bei der Hymne mitzusingen. Für Jäger und Kehrer kein Problem, beide wussten den Text auswendig.

Kehrer: Fußball sticht Leichtathletik aus

Kehrer, dessen Mutter aus Burundi stammt, war übrigens auch ein viel versprechendes Talent in der Leichtathletik und sammelte mehrfach Kreismeister-Titel, besonders im Sprint und Weitsprung. Doch irgendwann musste sich der Youngster für eine Sportart entscheiden – und die Leichtathletik zog den Kürzeren.

„Beim Fußball kann man seine Leidenschaft ausleben“, sagt Kehrer, „außerdem steht das Team im Vordergrund, Leichtathletik ist nun mal eher eine Individualsportart“. Von seiner Schnelligkeit profitiert er indes auch beim Fußball als Außenverteidiger mit Offensiv-Drang wie sein Vorbild Dani Alves von Barca.

Marvin Jäger hat das Kicken schon bei den Bambinis angefangen, damals noch beim SV Unterjesingen. Seit 2007 spielt er beim VfB Stuttgart, hat sich inzwischen als Innenverteidiger etabliert. Seine Stärken seien Technik, Zweikampfverhalten „und dass ich ein Team führen kann“, sagt der 1,88 Meter große kopfballstarke Jäger.

Kehrer kam vor drei Jahren von der TSG Tübingen über den Umweg SSV Reutlingen ebenfalls zum VfB, kickt derzeit noch in der U 16. Am Wochenende steht für ihn das letzte Saisonspiel an gegen Karlsruhe. Nach Kehrers starker Vorstellung beim Länderpokal in Duisburg mit der württembergischen Auswahl wurde Steffen Freund aufmerksam.

Der U 16-Lehrgang war die Krönung der Saison, den Alltag aber bestimmt der VfB Stuttgart. Vier Mal in der Woche ist Training in Cannstatt, das Pendeln kostet viel Zeit. Abwechselnd übernehmen die Eltern von Thilo und Marvin den Fahrtdienst, manchmal fahren die Nachwuchs-Kicker auch mit dem Zug. Nach der Sommerpause werden wohl beide ins Jugend-Internat des VfB einziehen.

Der letzte Schritt Richtung Profi-Karriere ist oft der schwierigste. Doch beide wollen ihn schaffen: „Das Ziel habe ich ganz klar vor Augen“, sagt Kehrer. Und auch Jäger sagt: „Ich will Profi werden“. Vielleicht ist Marvin Compper ja nicht mehr lange der einzige Tübinger in der Bundesliga.

Zwei Tübinger Schüler im Nationaltrikot
Adler auf der Brust: Marvin Jäger (links) und Thilo Kehrer. Zum Training beim VfB Stuttgart bilden die Eltern des Ammertal-Duos Fahrgemeinschaften.Privatbilder

Zwei Tübinger Schüler im Nationaltrikot

Obwohl Marvin Jäger noch zum jüngeren Jahrgang 1996 gehört, kommt er beim VfB Stuttgart bereits in der U 17 zum Einsatz. Und darf mit den Stuttgartern noch von der deutschen Meisterschaft träumen: Dank Jägers 1:0-Siegtreffer gegen 1860 München vor einer Woche steht der VfB vor dem letzten Spieltag auf Tabellenplatz zwei, der zur Teilnahme am Halbfinale um den Titel berechtigt. Im Heimspiel gegen Greuther Fürth kann der VfB mit Jäger am Samstag (13 Uhr) die Endrunde endgültig erreichen.

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28.05.2012, 12:00 Uhr
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