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Zwei Präsidenten als Brüder im Geiste
Herzliche Amtsübergabe (von links): Daniela Schadt, Frank-Walter Steinmeier, Joachim Gauck. Foto: afp
Deutschland

Zwei Präsidenten als Brüder im Geiste

Joachim Gauck geht, Frank-Walter Steinmeier kommt. Der Stabwechsel in Schloss Bellevue ist die Stunde mahnender Worte und kraftvoller Appelle.

23.03.2017
  • GUNTHER HARTWIG

Berlin. Der eine geht, der andere kommt. Joachim Gauck (77) nimmt „nun als Bürger“ Abschied von einem Amt, das ihm in fünf Jahren sichtbar ans Herz gewachsen ist, und er nutzt seine begrenzte Redezeit vor Bundestag und Bundesrat ein vorläufig letztes Mal zu einem flammenden Bekenntnis zur freiheitlichen Demokratie und zum Aufruf, einer unsicheren Zukunft mit Mut und Selbstvertrauen entgegenzutreten. Frank-Walter Steinmeier (61) wiederum beeindruckt mit einer so unmissverständlichen Ansprache, dass sich manche Zuhörer erstaunt die Augen reiben.

Gauck und Steinmeier – das sind, was ihr Verhältnis zur demokratischen Kultur anlangt, zwei Brüder im Geiste, gewiss, doch dass der neue Herr von Schloss Bellevue seinem Vorgänger auch an rhetorischer Brillanz und der Kraft seiner Worte nicht nachstehen will, das ist zu spüren an diesem Tag.

Es hat seit vielen Jahren keine Amtsübergabe an der Staatsspitze mehr gegeben, die so harmonisch, freundschaftlich und würdig verlaufen wäre wie der Stabwechsel von Gauck zu Steinmeier. Herzlich die Umarmung der beiden Präsidenten und ihrer Partnerinnen Daniela Schadt und Elke Büdenbender, groß das Einvernehmen über die Rolle des Bundespräsidenten in dieser „hochpolitischen Zeit“ (Steinmeier), eng die Abstimmung bei der Amtsübergabe in den vergangenen Tagen.

Fast wie eine Vorlage wirkt die kurze Dankesrede, die Gauck an die Adresse der vollzählig erschienenen Verfassungsorgane richtet. Wenn der Ex-Präsident fast schwärmerisch vom deutschen „Demokratiewunder“ spricht und – frei nach Hölderlin – sagt, weil das Bewusstsein für das Bedrohende zunehme, wachse das Rettende auch, fordert Steinmeier, über die Demokratie nicht nur zu reden, sondern auch „für sie zu streiten“. Wo Joachim Gauck zu Standhaftigkeit gegenüber den „Scheinriesen in der weiteren Welt“ mahnt, verlangt sein Erbe unverblümt: „Präsident Erdogan, geben Sie Deniz Yücel frei.“

Ebenso deutlich fallen die Worte der Präsidenten an die Adresse der Demokratiegegner und Populisten aus. Gauck gibt zu bedenken, dass „Freiheit zur Not auch dadurch zu verteidigen ist, dass sie für die Feinde der Demokratie begrenzt wird“, Steinmeier hält der Anmaßung von Pegida und AfD („Wir sind das Volk“) entgegen: „In der Demokratie tritt das Volk nur im Plural auf.“ Wer gegenteilige Meinungen nicht respektiert, kriegt es künftig mit dem Präsidenten zu tun: „Neural darf ich nicht sein, wenn es um Grundsätzliches geht. Ich werde parteiisch sein – parteiisch für die Sache der Demokratie.“

Gunther Hartwig

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23.03.2017, 06:00 Uhr
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