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Bekleidungshersteller stabil, Einbruch bei technischen Textilien

Zwei Gesichter der Krise

Die Krise hat bei Südwesttextil zwei unterschiedliche Gesichter. Die Bekleidungshersteller halten sich noch, die Hersteller von technischen Textilien aber erleben einen ungewohnt heftigen Einbruch.

24.07.2009
  • HELMUT SCHNEIDER

Baden-Württembergs Textil- und Bekleidungsindustrie ist ein buntes Gewerbe. Aus der textilen Hochburg früherer Jahrzehnte haben sich Spezialisten und Nischenanbieter herauskristallisiert; Weltkonzerne der Mode wie Boss sind dort ebenso vertreten wie der Unterwäsche-Hersteller Schiesser. Oder auch die Alfred Apelt GmbH aus dem badischen Oberkirch. Donata Apelt-Ihling führt mit ihrem Mann den Betrieb in dritter Generation. Einrichtungstextilien entwickelt er; doch die Vorhänge, Kissen oder Tischdecken müssen heute von ausgesuchter Qualität und modischer Raffinesse sein. "Was wir in Oberkirch weben, nähen wir in Polen ", sagt die Chefin. Die Antwort auf die Krise ist für sie die neue so genannte Musterkettenschärmaschine; sie macht die Produktion schneller, besser, flexibler. In Nischen von Spezialisierung oder Qualität haben in der Vergangenheit vor allem jene Hersteller Erfolg gehabt, die sich auf technische Textilien konzentrierten; das sind nicht zuletzt Gewebe, die von der Automobilindustrie verwendet werden. Sie waren "das Glanzstück der Branche ", sagte gestern der neue Präsident des Verbandes Südwesttextil, Armin Knauer; die aktuelle Krise hat sie weit stärker getroffen als die Bekleidungshersteller. "Wir kommen aus dem Sturm und sind jetzt in der Flaute " - mit diesem meteorologischen Bild machte Knauer deutlich, dass das Schlimmste vorüber sein könnte. Darauf deutet auch die leicht gestiegene Zuversicht aus der jüngsten Branchen-Umfrage hin. Die Hoffnung auf Besserung gilt aber nicht für die Arbeitsplätze. Hier sieht der Südwesttextil-Chef eher schwarz. Seine Begründung klingt überraschend. Er sieht gerade die Kurzarbeit auch als Indiz für bevorstehende Entlassungen. Viele Firmen wählten die Kurzarbeit nicht nur wegen einer verbesserten gesetzlichen Regelung und weil sie die Stammbelegschaft halten wollen. Kurzarbeit wurde einfach auch deshalb eingeführt, weil der Einbruch so schnell und so stark kam, dass für einen regulären Stellenabbau mit Kündigungsfristen einfach keine Zeit mehr war. "Kurzarbeit ist nach wie vor zu teuer ", sagte Knauer. Daher rechnet der Verband mit vermehrtem Verlust von Arbeitsplätzen nach der Sommerpause - sofern sich die Lage nicht unerwartet stark verbessern sollte. Bei den Bekleidungsherstellern ist die Krise nur teilweise angekommen - und kam fast ausschließlich aus dem Ausland. Dort sind die Bestellungen um bis zu 50 Prozent gesunken. Für den Herrenmodespezialist Gustav Digel aus Nagold ist vor allem der Rückgang der Nachfrage aus Russland (10 Prozent seiner Anzüge, Krawatten und Hemden verkauft Digel dorthin) schmerzlich. Umso mehr verstärkt Firmenchef Hans Digel seine Anstrengungen. Alle russischen Fachgeschäfte, die Digel-Ware verkaufen, wurden persönlich aufgesucht. Damit die russischen Abnehmer auch schnell und unkompliziert beliefert werden können, werden die Nagolder in diesen Wochen ein Lager in Moskau einrichten. Der Erfolgsfaktor Lagerservice, der dem Fachhandel das Abverkaufsrisiko abnimmt, wird damit nach Russland exportiert.

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24.07.2009, 12:00 Uhr
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