Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Leitartikel · CDU

Zwang zum Zank

Es gibt eine allzeit gültige Weisheit in der CDU, und die lautet: Unterschätze niemals Angela Merkel.

27.02.2018
  • ULRIKE SOSALLA

Gerade hat die Parteichefin einmal mehr unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage ist, ungünstige Situationen zu ihren Gunsten zu wenden. Mit der Berufung von Jens Spahn zum Gesundheitsminister und Annegret Kramp-Karrenbauer zur Generalsekretärin hat sie ihre Kritiker in den eigenen Reihen beruhigt und das aufkommende Grummeln zum Verstummen gebracht.

Diesmal muss es allerdings heißen: vorerst. Denn die Bilanz der CDU ist nach 18 Jahren unter Merkels Vorsitz zwiespältig, ein Gefühl der Unzufriedenheit treibt die Basis um. Bei der Bundestagswahl im September fuhr sie ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis ein. Einerseits. Andererseits hält sie sich in Umfragen weiterhin im 30-Prozent-Bereich, während alle anderen Parteien einschließlich der SPD nicht einmal mehr 20 Prozent schaffen. Die CDU unter Merkel ist die einzige verbliebene Volkspartei, und es ist wahrscheinlich, dass sie das auch wegen Merkel und nicht trotz ihr geschafft hat.

Die CDU besetzt seit 1982 mit nur sieben Jahren Unterbrechung das Kanzleramt. Einerseits. Andererseits ist die Partei inhaltlich orientierungslos und zerrissen zwischen Rechtsruck-Predigern und Verfechtern des Mitte-Kurses. Ein Delegierter aus Ravensburg bescheinigte seiner Partei gestern „das Profil eines abgefahrenen Reifens“, und ganz falsch liegt er nicht.

Doch streng genommen sind Merkels Verdienste und Versäumnisse für die Zukunft der Partei gar nicht mehr entscheidend. Dass der Stern der Kanzlerin am Beginn ihrer vierten Amtszeit – so denn die SPD-Basis zustimmt – blasser leuchtet, ist kein persönliches Versagen, sondern schlicht der Lauf der Dinge. Es steht eine Übergangsphase an, in der sich die Personen und das Profil der Nach-Merkel-Ära herauskristallisieren werden, und das ist es, was jetzt zählt, ganz egal, wie leidenschaftlich sich manch einer da immer noch an Merkel abarbeiten mag.

Für die CDU heißt das: Selbst wenn die Große Koalition zustande kommt, ist die innere Ruhe, die die Partei unter ihrer Kanzlerin bis zur Selbstaufgabe gepflegt hat, erst einmal Geschichte. Merkel hat mögliche Erben in Stellung gebracht, um den Top-Job kämpfen müssen die nun selbst. Und es ist noch nicht ausgemacht, dass Kramp-Karrenbauer und Spahn als Einzige zu diesem Rennen antreten werden.

Wenn Merkel ihre Aufgabe als Vorsitzende zum Besten der Partei ausfüllen will, darf sie dabei nicht einfach zuschauen (und es wäre auch untypisch für sie). Sie muss eingreifen und gemeinsam mit Kramp-Karrenbauer ein paar Regeln festzurren, damit der Kampf der Köpfe die Partei nicht beschädigt. Etwa, dass der Wettstreit auf inhaltlicher Ebene geführt werden muss und nicht durch persönliche Angriffe. Und dass bei aller Konkurrenz die Debatten sachlich und konstruktiv ablaufen müssen.

Denn konservative Wähler, auch das ist eine allzeit gültige Weisheit in der CDU, mögen keinen Streit.

leitartikel@swp.de

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.02.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular