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Zurück in der Mutterstadt
Freuen sich auf die Ausstellung (von links): Massive-Töne-Rapper Jean-Christoph „Schowi“ Ritter, Kulturbürgermeister Fabian Mayer, Stephan Stoffel von 0711 Entertainment, Museumschef Torben Giese, Massive-Töne-Gründungsmitglied Wasilios „Wasi“ Ntuanoglu, Freundeskreis-DJ Martin „Friction“ Welzer und Daniel Fritz, der einst das Kolchose-Logo entwickelt hat. Foto: Ferdinando Iannone
Stadtmuseum

Zurück in der Mutterstadt

Vor 25 Jahren machte die Kolchose die Stadt Stuttgart in der deutschen Hip-Hop-Szene groß. Das Wilhelmspalais widmet dem Künstlerkollektiv nun eine eigene Ausstellung.

23.11.2017
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Stuttgart. Spricht man von Stuttgart, spricht man zunächst von den motorisierten Exportschlagern. Dabei hat sich die Stadt auch längst musikalisch einen Namen gemacht. Vor allem in den 90ern war Stuttgart neben Hamburg das Zentrum des deutschen Hip-Hop. Die Fantastischen Vier brachten 1992 ihr Lied „Die da?!?“ raus und machten deutschen Sprechgesang erstmals zum Hit, im gleichen Jahr fand im Jugendhaus Mitte der erste „Kolchose Jam“ statt.

Die Kolchose, ein loser Zusammenschluss von Musikern, Breakdancern und Graffitisprayern, war es denn auch, die bis in die 2000er die Szene maßgeblich prägte. Die erfolgreichsten Vertreter des Kollektivs: die Bands Freundeskreis und Massive Töne sowie der Rapper Afrob. Sie machten „aus dem Schoß der Kolchose“ zum geflügelten Wort. Und der Kult hält an. Erst in diesem Jahr trat Freundeskreis anlässlich des 20-jährigen Bandbestehens bei ausverkauften Konzerten in Stuttgart auf, und auch fürs Ludwigsburger Open-Air-Konzert 2018 ist nur noch eine Handvoll Tickets verfügbar.

Aufregung im Netz

Jetzt, im 25. Jahr, widmet die Stadt Stuttgart der Kolchose im neuen ersten Haus am Platz, dem nagelneuen Stadtmuseum im Wilhelmspalais, eine ganze Ausstellung. Das „Palais der Kolchose“ wird an diesem Donnerstag eröffnet. Welchen Bezug die Künstler zur „Mutterstadt“ (Massive Töne) haben, wird anhand verschiedener Exponaten gezeigt. Darunter sind Platten, die einst im Studio in Stuttgart-Kaltental entstanden, Storyboard-Skizzen für das Video zum Freundeskreis-Hit „A-n-n-a“ von Zoran Bihac, einem Ludwigsburger Regisseur, ein Film über das ehemalige Radio-Barth-Haus als kreatives Zentrum sowie Textbücher. „Die Objektlage ist erstaunlich gut, dabei sind Hip-Hopper nicht zum Sammeln bestimmt“, witzelte Torben Giese, der Gründungsdirektor des Stadtmuseums, beim Presserundgang am Mittwoch.

Das Ziel der Macher ist, verschiedene Bevölkerungsgruppen anzusprechen. Tatsächlich wird das „Palais der Kolchose“ mit interaktiven Stationen wie einem DJ-Pult mit bestem Stadtblick und einer virtuellen Graffitiwand wohl heutige und vor allem damalige Fans anlocken. In den sozialen Netzwerken schlägt die Ausstellung samt der Veranstaltungen schon seit Wochen hohe Wellen, nach dem neu aufgelegten Kolchose-Pullover seien die Leute jetzt schon total verrückt, erklärte der Freundeskreis-DJ Martin „Friction“ Welzer. Den Massive-Töne-Rapper Jean-Christoph „Schowi“ Ritter wundert das nicht: „Hip-Hop ist die erfolgreichste Musikrichtung Deutschlands.“ Selbst der Kulturbürgermeister Fabian Mayer outete sich als Fan von Freundeskreis und dem Rapper Cro.

Umso mehr ist den Machern mit der Kolchose-Kollaboration ein echter Coup gelungen. „Auf jeden Fall sind wir stolz. Es ist großartig geworden“, sagte Giese – auch vor dem Hintergrund, dass dieses Zwischennutzungskonzept vor der richtigen Eröffnung im April 2018 „mit richtiger heißer Nadel gestrickt wurde. Vor einem halben Jahr hatten wir nicht mal die Idee“, so der Museumschef. Die Künstler jedenfalls sind begeistert, dass sie nach 25 Jahren aus dem Underground in die Hochkultur aufgestiegen sind. „Früher hat uns das ein bisschen aufgeregt, dass es nicht so gefördert wurde, was Kreative für die Stadt machen“, bekannte Friction. Schowi zeigte sich „total geflasht“ von der Umsetzung durch die Kuratorin Silvia Rückert, und der Ex-Massive-Töne-Rapper Wasilios „Wasi“ Ntuanoglu freute sich, „dass wir die Hip-Hop-Entwicklung so erklären dürfen, wie wir sie sehen“.

Wie ein Klassentreffen

Die Kolchose ist heute teils weit verstreut. Der Freundeskreis-Frontmann Max Herre und seine Frau Joy Denalane leben in Berlin, Afrob hat es nach Hamburg verschlagen, der Massive Ton João „Ju“ dos Santos ist nach Portugal ausgewandert. Ein „Klassentreffen“, so Schowi, wird daher am Samstag die Einweihungsparty mit Künstlern und den Fans von gestern und heute sein. Ob Giese nicht Angst hat, dass die wilde Partymeute ihm das schöne neue 40-Millionen-Euro-Haus einreißt? „Natürlich“, sagte er lachend. „Aber das ist der Sinn des Hauses. Es soll ein Veranstaltungsort sein.“

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23.11.2017, 06:00 Uhr
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