Warnstreiks

Kommentar: Zur falschen Zeit

Ein paar Warnstreiks gehören in vielen Branchen zu einer Tarifrunde einfach dazu. Die Gewerkschaftsmitglieder erwarten, dass sie ihre Unterstützung für die Forderungen demonstrieren können.

22.09.2020

Von DIETER KELLER

Zudem eignen sich Streiks sehr gut zur Werbung neuer Mitglieder. Daher kann es nicht verwundern, dass Verdi und der Beamtenbund in der Tarifrunde im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen zu ersten Aktionen aufrufen.

Trotzdem klingt es sehr bemüht, jetzt schon auf die Straße zu gehen. Es war von vornherein klar, dass es in der zweiten Verhandlungsrunde am vergangenen Wochenende noch kein Ergebnis, ja gar kein Angebot der Arbeitgeber geben würde. Das folgt traditionell erst in der dritten Runde – und dann auch meist gleich eine Einigung. Hinzu kommen die besonderen Umstände in der Corona-Pandemie. Es ist richtig, dass viele Mitarbeiter im öffentlichen Dienst als Corona-Helden gefeiert wurden. Richtig ist aber auch, dass sie sichere Arbeitsplätze haben und nur sehr selten von Kurzarbeit betroffen sind, etwa in Orchestern. Sie sind deutlich besser dran als viele Arbeitnehmer, die all diese Vorteile nicht haben, sondern deutlich weniger Geld auf dem Konto und keine Aussichten, überhaupt eine Lohnerhöhung zu bekommen.

Zudem sind Streiks im öffentlichen Dienst immer eine etwas merkwürdige Sache. Wenn bei Daimler wegen eines Tarifkonflikts keine Autos gebaut werden, trifft dies das Unternehmen. Wenn eine Kita dicht macht, bekommen das die Eltern zu spüren, nicht die Kommune. Diese sind schon durch Corona leidgeprüft. Ihr Verständnis für neue Schließungen dürfte sehr beschränkt sein. Daher ist es die falsche Zeit für Warnstreiks.

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Erstellt:
22. September 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. September 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. September 2020, 06:00 Uhr

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