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Bildung

Zur Not tut's auch eine Matratze

Der knappe und teure Wohnraum trifft Studenten hart. Die Universitäten hoffen auf solidarische Privatleute, die Unterkünfte auf Online-Portalen anbieten können.

10.09.2019

Von TILMAN BAUR

Studentenwohnheime wie das Max-Kade-Haus in Stuttgart sind günstig und gefragt, aber meist ausgebucht. Foto: Ferdinando Iannone

Kaum bezahlbare Mieten in deutschen Großstädten sind weiterhin das dominierende gesellschaftspolitische Thema. Stuttgart befindet sich in den Ranglisten der teuersten Metropolen dank seiner prosperierenden Wirtschaft stets ganz oben. Vor allem einkommensschwache Menschen trifft der Mangel an erschwinglichem Wohnraum hart: Alleinerziehende zum Beispiel, Rentner – und Studenten. Die Wohnungsnot ist so groß, dass das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim zum Semesterbeginn zum Äußersten schreitet und bis zu 15 Feldbetten in Gemeinschaftsräumen zur Verfügung stellt.

„Aus Sicht der Verfassten Studierendenschaft soll das jedoch eine absolute Notlösung bleiben“, schreibt das Studierendenwerk in einer Pressemitteilung. Das Studierendenwerk Stuttgart hatte den Schritt bereits vor zwei Jahren unternommen. „Das wurde aber nicht angenommen, deshalb haben wir es seither nicht mehr gemacht“, sagt Anita Bauer vom Studierendenwerk Stuttgart.

Stattdessen setzen beide Studierendenwerke seit geraumer Zeit auf Online-Plattformen. Dort können Privatleute den angehenden Akademikern kurzfristig Wohnraum zur Verfügung zu stellen, bis diese anderweitig fündig werden – sei es auch nur eine Schlafcouch für eine Woche. „WG hilft!“ heißt die seit 2017 bestehende Plattform des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim, „Platz für Studierende“ jene des Stuttgarter Pendants, hier gibt es sie bereits seit sechs Jahren.

Das vom Wissenschaftsministerium geförderte und vom Eigentümerverband Haus & Grund unterstützte Konzept werde gut angenommen, sagt Anita Bauer. „Die Preise der Unterkünfte sind günstiger, weil sie ja direkt auf die Studierenden zugeschnitten sind“, so Bauer. Eine Kampagne bewirbt die Aktion mit Werbung in Bussen und Bahnen sowie in Anzeigen in Print- und Online-Medien.

Schwierig für Erstsemester

„Ideal ist ein freies WG- oder Gäste-Zimmer. Aber auch eine Schlaf-Couch im Wohnzimmer oder eine Gäste-Matratze sind geeignet“, sagt eine Studierendenvertreterin der Uni Hohenheim auf Anfrage. Viele studentische Wohngemeinschaften und auch Uni-Mitarbeiter hätten sich in den letzten zwei Jahren bereits solidarisch gezeigt.

„Dennoch gibt es regelmäßig deutlich mehr Nachfragen als Plätze. Wir hoffen deshalb, dass wir dieses Mal nicht nur Uni-Angehörige, sondern vielleicht auch den einen oder anderen hilfsbereiten Anwohner für die Aktion gewinnen können“, erklärt die Vertreterin weiter.

Wie angespannt die Lage für Erstsemester ist, zeigt ein Blick auf die Belegung der Wohnheime des Studierendenwerks Stuttgart: 3845 Menschen stehen auf der Warteliste für die 7237 belegten Plätze. Zwar würden im Wintersemester knapp 2400 Zimmer frei, so Anita Bauer, doch damit fehlten immer noch weit über 1000 Plätze.

Die Wohnheimplätze sind heiß begehrt, da die möblierten Zimmer in den Wohnheimen im Schnitt nur 289 Euro Warmmiete kosten. Laut Studierendenwerk haben Studenten im Durchschnitt 340 Euro monatlich fürs Wohnen zur Verfügung. Eine Chance auf einen Platz im Wohnheim hat, wer sich sechs bis acht Monate vorher bewirbt.

Wie immer, wenn sich Menschen in einer Notlage befinden, sind auch jene nicht weit, die Kapital daraus zu schlagen versuchen. „Zugenommen haben Scheinangebote auf dem privaten Wohnungsmarkt, wo Studenten Miete und Kaution überweisen, die Wohnung aber gar nicht existiert“, so Anita Bauer.

Kellerräume ohne Fenster

Teils würden auch Kellerräume ohne Fenster vermietet. Nicht zuletzt angesichts dieser Phänomene hofft das Studierendenwerk auf die Solidarität der Bürger. Gründe, ihnen eine temporäre Unterkunft zu gewähren, gibt es zur Genüge, so Anita Bauer: „Studierende sind besonders gute Mieter, weil sie ja meist eine Bürgschaft der Eltern haben. Und gerade ältere Leute schätzen sie, weil sie dann etwas Gesellschaft bekommen.“

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Erstellt:
10. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
10. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 06:00 Uhr

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