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Zum Streichquartett ins Grüne
Zum „Vogelquartett“ auf die grüne Wiese: Auch das sind die „HaydnLandTage“ im Burgenland. Foto: Walter Reicher
Kulturlandschaft

Zum Streichquartett ins Grüne

Mehr als 50 Jahre lebte Joseph Haydn im Burgenland. Das Festival „HaydnLandTage“ erschließt dem Besucher nicht nur das Werk des Meisters, sondern auch die Region.

11.09.2017
  • BURKHARD SCHÄFER

Fraunkirchen. Am Rebstock blinket jetzt die helle Traub‘ in vollem Safte und ruft dem Winzer freundlich zu, dass er zu lesen sie nicht weile.“ Joseph Haydn hat diese Zeilen Gottfried van Swietens in seinem Oratorium „Die Jahreszeiten“ vertont. Das Spätwerk aus dem Jahr 1801 zeigt den Schöpfer nicht nur auf der Höhe seiner Kunst, sondern auch in seiner Landschaft: der Gegend rund um den Neusiedler See. Die längste Zeit seines Lebens – mehr als ein halbes Jahrhundert – verbrachte Haydn im 50-Kilometer-Umkreis des Steppensees, der heute wegen seiner einzigartigen Flora und Fauna zum Unesco-Welterbe zählt und alljährlich Vogelkundler aus der ganzen Welt anlockt.

Hier, im jüngsten, östlichsten und dünnsten besiedelten Bundesland Österreichs, gedeihen auch die besten Weine der hier puszta-flachen Alpenrepublik. Reben, soweit das Auge reicht und, gerade jetzt, zum Herbstbeginn, auch die besungene „helle Traub‘ in vollem Safte“. So kamen die „Jahreszeiten“ im Rahmen der „LandTage“ an historischer Stätte geradezu passend zur Aufführung: in der Basilika Frauenkirchen. Vielleicht muss man das Haydn-Land tatsächlich einmal mit allen Sinnen „geschmeckt“ haben, um die Musik des Meisters besser zu begreifen.

Mit allen Sinnen

Goethes Wort „Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen“ gilt eben auch für den Komponisten, der wie kaum ein anderer der Natur eine Stimme gegeben hat. Die Aufführung der „Jahreszeiten“ in der Basilika mit dem Wiener Kammerorchester und dem Arnold-Schönberg-Chor unter Erwin Ortner geriet jedenfalls zum musikalischen Glanz- und Höhepunkt.

Das von Intendant Walter Reicher neu ausgerichtete Festival hat seinen Radius auf Haydns 50-Kilometer-Lebenskreis erweitert. Und wer von Anfang an dabei war, konnte den Leitspruch „Raus aufs Land – und rein in die prunkvollen Wirkungsstätten Joseph Haydns“ – die Schlösser in Kittsee, Rohrau, Halbturn sowie das ungarische Schloss Esztherháza – buchstäblich erfahren, besser noch erwandern.

Zu Letzterem bot die „Orgelwanderung“ mit der lettischen Organistin Iveta Apkalna eine einmalige Gelegenheit. Sie führte durch drei Kirchen der wohl wichtigsten Haydn-Wirkstätte: Eisenstadt, Hauptstadt des Burgenlandes. Die erste Station war die Bergkirche mit ihrer farbenprächtigen Mallek-Orgel, auf deren Disposition Joseph Haydn selbst noch Einfluss genommen hatte. Im Mausoleum dieser Kirche fand der Meister auch seine letzte Ruhestätte. Zu Fuß ging es weiter in die Spitalskirche der barmherzigen Brüder, in der Apkalna dann auch moderne Werke auf der Frey-Orgel zum Klingen brachte. Die dritte und letzte Etappe der Orgelwanderung führte in die Eisenstädter Franziskanerkirche. An deren kleiner aber feiner Barockorgel spielte die Titularorganistin der Elbphilharmonie dann einige von Haydns „Flötenuhrstücken“, den einzigen Originalkompositionen des Meisters für die Orgel.

Maximale Naturnähe bescherten die „Haydn on the Beach“ und „Magical Haydn Train“ überschriebenen Konzerte, ersteres mit dem Gypsy-Jazz Trio Diknu Schneebergers, das am Nordufer des Neusiedler Sees bei Sonnenuntergang swingende Haydn-Arrangements zum Besten gab. Die Rundfahrt mit dem Sonderzug hielt auf freiem Feld im Naturschutzgebiet bei St. Andreä, wo das Haydn Quartett das „Vogelquartett“ des Gattungs-Erfinders anstimmte.

Zu einem unvergesslichen Erlebnis geriet auch das „Von Paris nach Oxford“ titulierte Abschlusskonzert im Liszt-Konzerthaus Raiding, das von dem Festspielmitbegründer und Chefdirigenten des Danish Chamber Orchestra Adam Fischer geleitet wurde und bei dem die Dänen unter anderem Haydns „Oxford“-Sinfonie (Nr. 92) und Mozarts „Pariser“ Sinfonie (KV 297) auf Weltklasse-Niveau präsentierten.

Spektakulärer Raumklang

Eine Reise zum Liszt-Konzerthaus lohnt sich alleine schon des spektakulären Raumklangs wegen, den Deutschlands wohl berühmtester Akustiker Karlheinz Müller konzipiert hat. „Das Programm der HaydnLandTage ist das Ergebnis einer Kombination der eingeladenen Interpreten mit den Werken, den Spielorten und dem Leben Joseph Haydns“, resümiert Walter Reicher. Und er fügt hinzu: „Näher als in seiner Heimat kann man dem Menschen und Musiker Haydn nicht kommen.“ Und nächstes Jahr? Geht es nach London. Aber nur thematisch.

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11.09.2017, 06:00 Uhr
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