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Zum Frühstück ein Eklat
In Angriffslaune: US-Präsident Donald Trump (rechts) beim Brüsseler Nato-Gipfel in Begleitung von Verteidigungsminister Jim Mattis (links). Foto: Pablo Martinez Monsivais/dpa
Nato-Gipfel

Zum Frühstück ein Eklat

Die ersten Ausfälle von US-Präsident Donald Trump ließen nicht lange auf sich warten. Doch Bundeskanzlerin Merkel war vorbereitet.

12.07.2018
  • CHRISTIAN KERL

Brüssel. Donald Trump sitzt noch beim Frühstück, als er mit kalter Entschlossenheit den ersten Angriff auf Angela Merkel startet. Der Präsident hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in die Residenz des Brüsseler US-Botschafters geladen. Zur Einstimmung gibt es eine minutenlange Schimpftirade gegen Deutschland: Es sei sehr traurig, dass Deutschland einen „massiven Öl- und Gasdeal mit Russland macht“, sagt Trump. „Wir sollen sie vor Russland beschützen, aber sie zahlen Milliarden und Milliarden an Russland“, klagt der Präsident, dann dreht er voll auf: Deutschland sei „völlig von Russland kontrolliert“, es sei „ein Gefangener Russlands“. Deutschland müsse seine Verteidigungsausgaben sofort steigern, nicht erst in einigen Jahren. Die USA würden sich damit nicht abfinden, es sei sehr unfair und nicht zu ertragen.

Der US-Präsident wartet erst gar nicht, bis der Nato-Gipfel offiziell begonnen hat und macht Deutschland zum Hauptgegner unter den Verbündeten. Trump nutzt das Brüsseler Parkett zugleich ungeniert als Bühne fürs amerikanische Publikum: Kameraleute dürfen für diese Szene im Raum bleiben, schon eine halbe Stunde später verbreitet der Präsident einen zweieinhalbminütigen Ausschnitt seiner Tirade, sein Haussender „Fox News“ bringt es in der Spätsendung. Mit vielem hatte die Bundesregierung gerechnet, aber nicht mit einer solchen Provokation.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte kurz zuvor im Nato-Hauptquartier lächelnd erklärt, man habe sich an Trumps Attacken „fast schon gewöhnt“ – doch als sie mit dem Vorwurf russischer „Gefangenschaft“ konfrontiert wird, ist sie derart fassungslos, dass sie jeden Kommentar ablehnt. Kanzlerin Angela Merkel gibt sich ein paar Stunden später kämpferisch – und schießt eine volle Breitseite zurück. Es sei gut, dass Deutschland eine „eigenständige Politik“ machen könne, sagt sie in der Nato-Zentrale. Sie habe selbst erlebt, wie ein Teil Deutschlands von der Sowjetunion kontrolliert wurde. Früher Gefangener Russlands, heute Gefangener von niemandem, auch nicht von den USA – diese Antwort sitzt. Die Kanzlerin zeigt sich selbstbewusst: „Deutschland verdankt der Nato sehr viel, aber es leistet auch sehr viel für die Nato“, stellt sie klar. Zweitgrößter Truppensteller, starkes Engagement in Afghanistan, zweitgrößter Nettozahler – die Verteidigungslinie ist klar: Deutschland erkennt an, dass es mehr tun muss, aber es will seine Leistungen stärker geschätzt wissen: Trump solle „als Geschäftsmann“ nicht nur auf Zahlen schauen, sondern auch auf das, was für die Nato herauskommt, fordert von der Leyen. „Sie können zwei Prozent für das Militär ausgeben, ohne irgendetwas für die Nato zu tun.“

Das also ist die Gefechtslage auf diesem Gipfel, der eigentlich eine Demonstration der Geschlossenheit sein soll. Beim feierlichen Familienfoto und der Fahnenzeremonie würdigen sich Trump und Merkel keines Blickes. Am Nachmittag kommt es dann doch zu einem Treffen der beiden, in Begleitung der Außen- und Verteidigungsminister. Trump ist nach dem öffentlichen Donnerwetter plötzlich sehr freundlich: Er habe ein „sehr, sehr gutes Verhältnis“ zu Merkel, flötet er. Aber ist der Bruch noch zu kitten? Das persönliche Verhältnis zwischen beiden ist auf einem neuen Tiefpunkt. Trump ist offenkundig auf Krawall gebürstet.

In europäischen Hauptstädten wächst umgekehrt das Gefühl, Trump behandele die Nato-Partner schon lange nicht mehr als Verbündete, sondern als Gegner. Der Nato-Generalsekretär versucht tapfer, den Laden zusammenzuhalten: Ja, Trump habe recht, die Lastenteilung sei nicht fair. Aber: Die Mitglieder hätten doch bereits begonnen, mehr in Verteidigung zu investieren und täten noch mehr. Trump schnaubt dagegen, er sehe nur „sehr kleine Schritte“ bei vielen Regierungen.

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12.07.2018, 06:00 Uhr
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