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Auch am Himmel ein Spuk

Zum Abend von Halloween kommt ein kosmischer Brocken der Erde nahe

Der Asteroid "TB 145" fliegt am Samstag an der Erde vorbei. Er wird mit Fernrohren als mattes Licht zu sehen sein. Weil er just zu Halloween erscheint, haben die Astronomen ihn "Spooky", den Geisterhaften, genannt.

29.10.2015
  • EGBERT MANNS

Ulm 300 bis 600 Meter dick und passend zu Halloween in Kürbis-Form wird der Asteroid "2015 TB 145" sein, der der Erde jetzt auf 487 000 Kilometer nahe kommt. Das ist so nahe wie kein anderer seiner Größe seit 3. Juli 2006. Damals hat der Asteroid "2004 XP 14" die Erde in 433 000 Kilometern Entfernung passiert. Zum Vergleich: Der Mond ist von der Erde im Schnitt 384 400 Kilometer entfernt.

In der Astronomie ist das eine Entfernung à la Haaresbreite. Für die Erde jedoch ist das so weit weg, dass die Gravitation des Asteroiden, seine Anziehungskraft, keine Auswirkung haben wird, heißt es in einer Mitteilung der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Weder auf das Land noch auf die Gezeitenströmung - noch auf den Mond.

Bewegung ruft der erst am 10. Oktober entdeckte Asteroid jedoch unter Astronomen hervor. Die Nasa setzt auf ihn das Goldstone-Observatorium an, das in der Mojave-Wüste in Kalifornien steht und normalerweise der Kommunikation mit Raumfahrt-Missionen dient. Eine seiner 34-Meter-Schüsseln wird "TB 145" mit Radiowellen bombardieren. Mehrere Observatorien werden das Echo auffangen.

Der Leiter des Nasa-Programms zur Radarerforschung von Asteroiden, Lance Benner, ist begeistert. "Wir wollen eine neue Möglichkeit testen, erstmals Bilder mit einer Zwei-Meter-Auflösung zu machen", sagte er dem englischen "Guardian". "Wir hoffen, wir können Einzelheiten in noch nie dagewesener Genauigkeit sehen" - Oberflächenbeschaffenheit, Form, Größe und mehr.

Dann wird möglicherweise auch klar, ob "TB 145" wirklich ein Asteroid ist. Benner: Bahn und Geschwindigkeit des Brockens "werfen die Frage auf, ob er ein Komet sein könnte".

Die Bahn des "TB 145" ist für einen Asteroiden ungewöhnlich. Erstens beschreibt sie eine deutliche Elipse anstatt eines Kreises. Sie führt ihn im Drei-Jahres-Rhythmus bis zu 44,2 Millionen Kilometer an die Sonne heran und 588 Millionen Kilometer von ihr weg - also etwas näher an die Sonne heran als der Planet Merkur und weit über die Marsbahn hinaus zurück.

Zweitens kreist "TB 145" nicht auf der gleichen Ebene (Ekliptik) um die Sonne wie alle Planeten und fast alle Asteroiden. Vielmehr steht seine Bahn im 40-Grad-Winkel zur Ekliptik. Das ist auch der Grund, weswegen er so spät entdeckt worden ist. Asteroidensucher konzentrieren sich auf die Ekliptik.

Drittens hat der Brocken die hohe Geschwindigkeit von 35 Kilometern pro Sekunde. Auch das deutet auf einen Kometen hin.

Wenn "TB 145" ein Komet ist, dann vermutlich ein ausgetrockneter, sagte Prof. Alan Harris, der Seniorwissenschaftler am Institut für Planetenforschung in Berlin, der "SÜDWEST PRESSE". Ein Komet also, dessen normalerweise eisförmigen Bestandteile wegen seiner häufigen Annäherungen an die Sonne ausgegast sind - "andernfalls würden wir einen Schweif sehen".

Ob Asteroid oder Komet, das macht einen Unterschied aus. Harris: "Wenn es ein ausgetrockneter Komet ist, wird er sehr dunkel sein", dunkler als ein Asteroid.

Die Astronomen haben die Größe des Brockens aufgrund des bisschen Lichts, das sie von ihm empfangen, auf 450 Meter +/- 150 geschätzt. Der Brocken könnte also gerade so in den Europapark Rust passen. Wenn es aber ein Komet ist, dann würde das Licht Harris zufolge "auf eine Größe von vielleicht sogar 700 Metern" hindeuten.

Meteore - kleine Begleiter des Brockens, die glühend in die Erdatmosphäre eindringen - sind nicht zu erwarten, sagte Harris. "TB 145" fliegt zwar nahe an der Erde vorbei, kreuzt aber nicht ihre Bahn. Dennoch: Dass sich ein Brocken dieser Größe unbemerkt anschleichen konnte, findet Harris ausgesprochen ungemütlich.

Info Zu sehen ist "2015 TB 145" nur mit Fernrohren. Im Internet gibt's ein Event auf http://www.virtualtelescope.eu/

Zum Abend von Halloween kommt ein kosmischer Brocken der Erde nahe
Teleskope des "Pan-Starrs"-Projekts im 4000 Metern Höhe auf der Hawaii-Insel Big Islands. Mit ihrer Hilfe wurde am 10. Oktober der neue Asteroid entdeckt. Foto: Rolf-Peter Kudritzki/Astronomisches Institut Hawaii

Zum Abend von Halloween kommt ein kosmischer Brocken der Erde nahe

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29.10.2015, 12:00 Uhr
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