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Zulieferer-Streit bei VW eskaliert – Kündigte Konzern einen Großauftrag?
Ein alter Güterzug mit einem Logo von Volkswagen steht am Bahnhof in Fallersleben bei Wolfsburg. Eine Zulieferer-Gruppe legt sich mit dem Weltkonzern Volkswagen an. Die Gründe für den Streit sind unklar, die Folgen heftig. Foto: dpa
Rätselhafter Konflikt

Zulieferer-Streit bei VW eskaliert – Kündigte Konzern einen Großauftrag?

Spielen zwei Zulieferer in größter Not „Robin Hood“ gegen Volkswagen? Oder will jemand im Verborgenen VW so richtig wehtun?

23.08.2016
  • DPA

Wolfsburg. Es wirkt wie David gegen Goliath. Nur: Wer im Streit zwischen zwei kleinen Zulieferern und dem Weltkonzern Volkswagen eigentlich der Böse ist, das liegt noch nicht auf der Hand. Ein Erklärungsansatz: Die Zulieferer spielten „Robin Hood“, heißt es im Umfeld der Firmen. Zwar falle ihr Handeln aus dem üblichen Rahmen, sei aber das letzte Mittel gegen „Ausbeutung und Machtmissbrauch“. Nicht minder spannend klingt der andere Versuch der Erklärung: VW bekomme es an seiner Achillesferse mit einer Mischung aus verletztem Stolz, Zockermentalität und hemdsärmeligen Methoden zu tun. Dahinter stehe das lange geplante Drehbuch für einen wahren Wirtschaftskrimi.

Fest steht bisher ohne Zweifel nur: Der Versorgungsstopp zweier Zulieferer aus Sachsen lähmt den Autobauer. Erste Kurzarbeit und ein millionenteurer Produktionsausfall sind die Folgen. Betroffen sind ausgerechnet die wichtigsten VW-Modelle: Passat und Golf. Die Firma Car Trim aus Plauen liefert keine Sitzbezüge mehr, was vor allem den Passat im Emder Werk trifft.

Car Trims Schwesterfirma ES Automobilguss, kurz ES Guss, aus Schönheide setzt die Belieferung mit Gussteilen aus, die in Automatikgetrieben stecken. Das legt den Bau des Golf im VW-Stammwerk und in Zwickau lahm. Insgesamt können 28 000 Werker nicht so arbeiten, wie sie sollten. Kurzarbeit wird geprüft.

Wie konnte es nur soweit kommen? Ein Teil der Antwort ist einfach: VW verlässt sich bei Gehäuseguss-Teilen für seine Golf-Automatikgetriebe laut Deutscher Presse-Agentur nur auf den Partner ES Guss. Einquellenbeschaffung ist riskant, hilft aber beim Sparen.

Doch das Getriebe ist eine Schlüsselstelle: Selbst wenn es mal eben auf die Schnelle einen alternativen Zulieferer gäbe, müsste VW das dort georderte Teil umfangreich testen. Das ist branchenüblich. Das alles dauert Monate. Leichter könnte es da bei den Sitzbezügen sein, heißt es aus Kreisen des Konzerns. Die Stoffe können schon vorab zertifiziert sein, etwa auf Allergieverträglichkeit oder Robustheit. Und: Mit Sitech hat VW eine 100-prozentige Tochter fürs Sitzebauen unter dem eigenen Dach.

Das erleichtert Wege für einen Plan B. Auch sei die Gefahr bei einem Wechsel in der laufenden Produktion weit geringer als bei Teilen für Getriebe. Und bei denen erlebte VW schon böse Überraschungen: Das DSG (Direkt-Schalt-Getriebe) machte in Regionen mit viel Luftfeuchtigkeit und dem Hang zu Staus Probleme. Ein teurer Rückruf war die Folge. Das hatten auch die umfangreichen Tests vorab nicht ändern können.

Das alles erklärt die heikle Einkaufs- und Produktionssituation. Aber warum nur eskalierte der Konflikt derart, dass zwei mittelständische Zulieferer dem Größten in der Branche tagelang den Hahn abdrehen? Car Trim und ES Guss haben doch einen Namen zu verlieren, die Reputation.

Das Fass lief wohl Ende Juni über. Damals zog VW den Stecker bei einem Zukunftsprojekt, bei dem Car Trim von 2017 an Sitzbezüge für VW und Porsche liefern sollte. Dabei sei es um eine halbe Milliarde Euro Auftragsvolumen gegangen – selbst für den VW-Konzern keine Peanuts.

Dem Vernehmen nach machte VW Qualitätsmängel geltend. Inwieweit es dabei auch um Preisfragen ging, lässt sich objektiv nicht bewerten. Doch Car Trim war in Vorleistung getreten, etwa mit neuem Personal. Und daher sollte VW einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ als Wiedergutmachung für das plötzlich beendete Projekt zahlen. Nur: Vom Autobauer ist zu hören, dass die Forderungen „absurd hoch“ seien und vor allem nicht nachvollziehbar begründet werden könnten. Von der Zuliefererseite heißt es, VW habe das Blatt schlicht überreizt.

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23.08.2016, 06:00 Uhr
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