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„Wir hängen alle in der Luft“

Zukunft des Supermarkts in der Mohlstraße ungewiss

Tengelmann gibt seine Filiale in der Tübinger Mohlstraße auf. Wann das Geschäft endgültig schließt, ob es einen Nachfolger geben wird und was mit den 20 Mitarbeitern passiert, ist noch offen.

18.05.2010
  • Kathrin Schoch

Tübingen. Titus Rall wunderte sich sehr, als er Mitte März aus der Zeitung erfuhr, dass Tengelmann seine Filiale in der Mohlstraße schließen wird (wir berichteten). Noch mehr staunte der Geschäftsführer der Reutlinger Dr. Rall Immobilien-GmbH, als sich bei ihm ein Interessent meldete, der den 1150 Quadratmeter großen Laden gerne übernehmen wollte. Ralls Gefühle sind verständlich: Schließlich hat er Tengelmann die Geschäftsräume vermietet. Offiziell weiß er bis heute jedoch nichts von den Absichten der Handelskette.

Die Kaiser‘s Tengelmann GmbH mit Sitz in Viersen will sämtliche Filialen im Rhein-Main-Neckar-Raum aufgeben. 116 Läden sind das, auch Tübingen gehört dazu. „Es ist ein sehr komisches Gebahren, dass man da nicht mal informiert wird“, sagt Rall. Seit fast 20 Jahren bestehe das Mietverhältnis, der Mietvertrag läuft Anfang 2013 aus. Probleme habe es nie gegeben, so der Reutlinger.

Jutta Meister von der Pressestelle bei Tengelmann wollte auf Nachfrage des TAGBLATTS nichts dazu sagen. Derzeit werde noch verhandelt, man suche einen Nachmieter, erklärte sie. Wie lange der Supermarkt noch offen bleibt, wisse sie nicht.

Rat- und ahnungslos sind auch die Mitarbeiter in der Tübinger Filiale. „Wir hängen alle in der Luft. Was mit unseren Arbeitsplätzen wird? Wir haben keine Ahnung“, sagt eine Mitarbeiterin. Ende Juni wolle das Unternehmen mitteilen, wie es weiter geht. Es heiße, dass die Filiale im August schließen werde. Allerdings habe sie gehört, dass der mögliche Nachfolger Rewe – der mehrere Filialen in der betroffenen Region übernehmen will – in Tübingen abgesprungen sein soll.

Die Stammkunden machen sich Sorgen

Bemerkbar machen sich die Tengelmann-Pläne nicht nur an der gedrückten Stimmung in dem Laden. Auch das Sortiment wird allmählich heruntergefahren. Unter der Kundschaft hat sich die bevorstehende Schließung längst herumgesprochen. Die Stammkunden – darunter viele ältere Menschen aus der Gegend – fragten täglich, ob es schon etwas Neues gebe, berichtet die Mitarbeiterin: „Sie machen sich Sorgen wegen der längeren Wege, die sie vielleicht bald zum Einkaufen brauchen.“

Und tatsächlich sähe es im Univiertel mit der Grundversorgung schlecht aus, wenn der Supermarkt für immer seine Türen schließen würde. Nicht nur Studenten und Uni-Mitarbeiter nutzen die praktische Lage gleich hinter den Unigebäuden. Senioren des Karolinenstifts kommen ebenso zum Einkaufen her wie die Menschen, die im Wohngebiet rund um die Mohlstraße wohnen.

Ansonsten gibt es in der Gegend keine Supermärkte. Wenigstens sind in der Naukler- und Keplerstraße drei Bäckereien zu finden. Der Laden „Lebensmittel Schaal“ in der Nauklerstraße ist seit November 2009 geschlossen. In dem Geschäftshaus, in dem auch die Tengelmann-Filiale untergebracht ist, befindet sich noch eine Apotheke. Alle anderen Supermärkte sind weiter weg und zu Fuß nur sehr schwer zu erreichen.

Die Defizite kennt auch Tübingens Baubürgermeister Cord Soehlke. Deshalb sei es sehr im Interesse der Stadtverwaltung, dass wieder ein Lebensmittelladen einziehe. „Wir sind wahrscheinlich mit jeder Nutzung zufrieden und glücklich – auch wenn es ein Discounter sein sollte“, sagt er. Es sei das generelle Ziel in Tübingen, dass sich in jedem Quartier die Bewohner möglichst ohne Auto versorgen können. Das Mühlenviertel oder die Südstadt seien gute Beispiele, wie dies funktioniere. Dass die Stadt über dem Ausbau dieser Viertel die Wilhelmvorstadt vernachlässigt hat, könne man aber nicht sagen. Sicher könne man sich nicht auf alle Gebiete gleichzeitig konzentrieren. Allerdings spielten auch Marktentscheidungen wie jetzt im Fall Tengelmann eine Rolle. Die Stadt habe darauf nur bedingt Einfluss.

Einkaufen wird auch beim Workshop Thema

Wenn sich die Planungswerkstatt Campus im Juni mit der Neugestaltung des Viertels beschäftigt, soll es auch um das Thema Infrastruktur und Nahversorgung gehen, verspricht Soehlke. „Ich glaube, damit haben wir einen Ansatz, tatsächlich etwas zu ändern.“

Wenn es nach Titus Rall geht, wird es in der Mohlstraße auch künftig einen Supermarkt geben. Er sei in Gesprächen mit zwei, drei potenziellen Betreibern. Seine erste Wahl – der Tübinger Marktladen, der mit regionalen Erzeugern zusammenarbeitet – hat bereits abgesagt, weil der Standort für ihn ungünstig sei. Ein regionales Unternehmen, vielleicht ein Bioladen, das wäre Rall am liebsten. „Wir wissen, dass die Leute das schätzen.“ Er ist zuversichtlich, dass er einen Nachmieter finden wird: „Die nötige Infrastruktur ist da, man muss nicht viel investieren.“

Zukunft des Supermarkts in der Mohlstraße ungewiss
Noch ist der Tengelmann in der Tübinger Mohlstraße geöffnet. Wie es weitergeht, weiß bislang niemand. Bild: Metz

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18.05.2010, 12:00 Uhr
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