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Verkehr

Zug um Zug zur Elektrifzierung

Bis 2025 sollen 90 Prozent der erbrachten Zugkilometer im Land auf elektrifizierten Strecken erfolgen.

07.04.2018
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. Das baden-württembergische Schienennetz umfasst rund 4100 Streckenkilometer. Rund 60 Prozent davon sind bereits elektrifiziert. Da dieser Streckenanteil stark frequentierte Achsen umfasst, liegt der Anteil der Zugkilometer im Nahverkehr, die auf elektrifizierten Strecken erbracht werden, sogar bei 74 Prozent. Besonders im Nordwesten des Landes gibt es bereits ein dichtes Netz mit elektrifizierten Strecken, etwa im Rahmen des Karlsruher Stadtbahnsystems oder der S-Bahn Rhein-Neckar.

In anderen Regionen aber werden noch fossile Brennstoffe genutzt. Das will die Landesregierung erklärtermaßen ändern. Helfen soll dabei eine Kategorisierung der Strecken, in die – abhängig von ihrer Relevanz und dem Wirkungsgrad der Elektrifizierung – in drei Tranchen investiert werden soll. Ein entsprechendes Konzept, das dieser Zeitung vorliegt, will Verkehrsminister Winfried Hermann am Dienstag dem Kabinett und am Freitag dann der Öffentlichkeit vorstellen.

Über eine Milliarde Euro

Danach sollen zunächst möglichst bis 2023 sechs Projekte fertiggestellt werden, die sich teils schon in der Umsetzung befinden. Schon Ende des Jahres soll demnach die Elektrifizierung der Schönbuchbahn von Böblingen nach Dettenhausen abgeschlossen sein, bis Ende 2019 soll die Breisgau S-Bahn im Raum Freiburg folgen, bis 2021 die Südbahn von Ulm über Friedrichshafen nach Lindau sowie die Allgäubahn von Memmingen nach Lindau. Bis 2022 sieht Hermanns Zeitplan zudem ein erstes Modul der Regionalstadtbahn Neckar-Alb für die Elektrifizierung und bis 2023, möglicherweise auch erst bis 2025 die Hochrheinbahn vor. Mit der Umsetzung dieser Tranche steigt der Anteil der elektrisch erbrachten Zugkilometer um über 13 Prozentpunkte auf dann 87,2 Prozent. Die sechs Projekte kosten insgesamt eine Milliarde Euro; den Großteil übernimmt der Bund, 280 Millionen Euro entfallen aufs Land.

Die zweite Tranche („vordringlicher Bedarf“) umfasst überwiegend kürzere, wichtige Lückenschlüsse im elektrifizierten Netz, die neue, umsteigefreie Nahverkehrsangebote ermöglichen. In diese Gruppe packt Hermann die Hohenlohebahn zwischen Öhringen und Schwäbisch Hall, die Zollernbahn zwischen Albstadt-Ebingen und Sigmaringen, den Ringzug Schwarzwald-Baar-Heuberg, die Nagoldtalbahn zwischen Horb und Nagold, die Hermann-Hesse-Bahn zwischen Calw und Weil der Stadt und die Bodenseegürtelbahn von Radolfzell nach Friedrichshafen.

Hoffen auf Sonderprogramm

Mit der Umsetzung dieser sechs Projekte mit kalkulierten Gesamtkosten von 220 Millionen Euro erhöht sich der Anteil erbrachter Zugkilometer auf 90,5 Prozent. „Bei Klärung der Finanzierung erscheint eine Umsetzung dieser Maßnahmen bis 2025 möglich“, schreibt Hermann. Der Grünen-Politiker setzt dabei auf ein von der neuen Bundesregierung in Aussicht gestelltes Sonderprogramm zur Elektrifizierung der Schiene.

Ein nahezu vollständig elektrisch betriebener Schienenpersonennahverkehr wäre mit der Umsetzung der dritten Tranche („langfristiger Bedarf“) bewerkstelligt. Zu der letzten Gruppe zählen die Donautalbahn, die Taubertalbahn und die Brenzbahn. Eine Umsetzung dieser Maßnahmen ist allerdings erst für Ende des kommenden Jahrzehnts „oder zum Teil erst danach“ auf der Agenda. Roland Muschel

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07.04.2018, 06:00 Uhr
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