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Ein Steinkopf gibt Rätsel auf

Zufallsfund bei Bauarbeiten im Mittleren Schlossgarten beschäftigt Archäologen

Andreas Lehmann wollte eigentlich nur Bodenproben nehmen. Doch dann machte er einen unerwarteter Fund: Auf der Bahnhofsbaustelle im Schlossgarten förderte er einen steinernen Kopf zutage.

29.12.2012

Von ELKE HAUPTMANN

Stuttgart Der Bodenkundler von der Universität Hohenheim hatte dort, wo der neue unterirdische Durchgangsbahnhof entstehen soll, für das geplante Stuttgarter Stadtmuseum Bodenexponate entnehmen wollen, um herauszufinden, wie sich der Boden im Schlossgarten über die Jahrhunderte entwickelt hat. In etwa 1,20 Meter Tiefe entdeckte er unter einer 30 Zentimeter hohen Humusschicht den steinernen Kopf.

Das archäologische Fundstück gibt Rätsel auf: "Eventuell handelt es sich um eine sogenannte Bauplastik zur Verzierung einer Gebäudefassade aus dem 17./19. Jahrhundert, die vermutlich aus irgendwelchen Gründen nicht fertig geworden ist", meint Susanne Arnold, Archäologin für Mittelalter und Neuzeit beim Landesamt für Denkmalpflege Stuttgart. Auffallend sei, dass der Kopf nur im oberen Teil, an Stirn und Augenpartie, ausgeprägt bearbeitet worden sei.

Zur weiteren wissenschaftlichen Bestimmung laufen derzeit die Untersuchungen durch die Experten. Anschließend soll der alte Sandsteinkopf zunächst im zentralen Funddepot der Denkmalpflege in Rastatt eingelagert werden - und später einmal Ausstellungsstück im geplanten Stuttgarter Stadtmuseum im Wilhelmpalais sein. Der Zufallsfund wird jedoch nicht als archäologisch bedeutsam eingestuft. Laut Arnold gibt es keine Hinweise auf weitere historische Hinterlassenschaften in der Tiefe des Mittleren Schlossgartens, die umfangreiche Grabungen zwingend erforderlich machen würden.

Dass die Baustelle nicht genauer untersucht werden soll, stößt auf Kritik der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat. Ihrer Ansicht nach ist mit weiteren, möglicherweise bedeutenden historischen Funden und Bodenbefunden zu rechnen - nicht zuletzt sei beim Bau der Arnulf-Klett-Passage ein römisches Gemäuer entdeckt worden. Die Fraktion verweist darauf, dass selbst das Eisenbahnbundesamt (Eba) in seinen Planfeststellungsbeschlüssen zu Stuttgart 21 attestiert habe, dass es im Schlossgarten und im Rosensteinpark archäologische Fundstellen aus der Römer- und Alemannenzeit gebe. "Wir halten Forschungen zur Frage, wie sich die Kulturlandschaft im Herzen Stuttgarts entwickelt hat, für unerlässlich", betont Fraktionschef Peter Pätzold. "Hier liegen die kulturellen und zivilisatorischen Wurzeln der Stadt, welche für die Nachwelt untersucht und dokumentiert werden müssen."

Die Grünen fordern die Stadt auf, sich beim Landesdenkmalamt für eine archäologische Begleitung der Baumaßnahmen von Stuttgart 21 stark zu machen. Zudem sollte auch eine bodenkundliche Kartierung vorgenommen werden. Mit dieser könnte der bisher nicht bekannte, ursprüngliche Verlauf des Nesenbachs erforscht werden.

Bislang weiß man lediglich, dass der Vorgängerbau des Alten Schlosses, um 1000 errichtet, auf einem aufgeschütteten Hügel errichtet wurde. Dabei wurden Drainagen angelegt, die weit in den Schlossgarten reichten, damit das Wasser in Richtung Nesenbach abfließen und der Park entstehen konnte. Im 16. Jahrhundert wurde im heutigen Mittleren Schlossgarten, einem ehemaligen Sumpf- und Moorgebiet, mit Sand vermischte Erde aus der Umgebung eingebracht wurde, um das Gebiet landwirtschaftlich nutzen zu können.

Das Glück in der Hand: Susanne Arnold, Archäologin für Mittelalter und Neuzeit, und Bodenkundler Andreas Lehmann mit ihrem Fundstück. Foto: S-21-Kommunikationsbüro

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Erstellt:
29. Dezember 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Dezember 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2012, 12:00 Uhr

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