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Leitartikel Krankenkassen

Zu kurz gedacht

So wie dem legendären Onkel Dagobert schon immer geht es seit einiger Zeit auch deutschen Krankenkassenchefs: Sie schwimmen im Geld. Im vergangenen Jahr erzielten die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss von mehr als drei Milliarden Euro, quasi doppelt so viel wie 2016.

21.04.2018
  • HAJO ZENKER

Berlin. Die Finanzreserven der Kassen stiegen auf mehr als 19 Milliarden Euro.

Wahrlich eine imposante Summe. Sie hat vor allem mit der superlangen Superkonjunktur in Deutschland zu tun, die die Beschäftigtenzahlen immer weiter nach oben treibt und auch die Zuwanderung junger und gesunder Arbeitnehmer aus EU-Ländern von Bulgarien bis Spanien stark befördert hat. All die Prognosen der Kassen, man werde angesichts der Kostenentwicklung sehr bald die Beiträge drastisch anheben müssen, wurden Lügen gestraft.

Somit hat jedes Kassenmitglied rein rechnerisch rund 340 Euro auf der hohen Kante. Kein Wunder, wenn Gesundheitsminister Jens Spahn jetzt eine Senkung der Beiträge durchsetzen will. Schließlich sprudeln die Einnahmen Monat für Monat, ein Ende ist vorerst nicht abzusehen. Und alle Appelle des Ministeriums, freiwillig die Beiträge nennenswert zu senken, haben bisher nicht gefruchtet.

Das Problem dabei ist nur: Dieses Guthaben der Versicherten ist natürlich lediglich ein Durchschnittswert. Es gibt Kassen mit einem Pro-Kopf-Vermögen von mehr als 1000 Euro und es gibt Kassen mit 50 Euro. Das ist natürlich auch Ausdruck unterschiedlichen Wirtschaftens, unterschiedlicher Attraktivität. Vor allem aber ist es Folge einer riesigen Umverteilungsmaschine. Die heißt Gesundheitsfonds. Dort liefern Arbeitnehmer und Arbeitgeber ihre Beiträge ab. Und der Fonds teilt nach einem ausgeklügelten System das Geld dann unter den derzeit noch 110 Krankenkassen auf. Das soll dafür sorgen, dass Kassen mit besonders kranken, besonders einkommensschwachen Mitgliedern nicht gegenüber Kassen mit besonders gesunden, besonders gut bezahlten Versicherten benachteiligt werden. Viele – gerade große – Kassen fühlen sich allerdings von der seit 2009 bestehenden Institution falsch behandelt. Nur die AOK findet alles prima. Denn die Ortskrankenkassen sind große Nutznießer dieses Finanzausgleichsystems.

Wer als reiche Kasse nach dem neuen Gesetz die Beiträge deutlich senkt, wird noch mehr Zulauf bekommen, weil immer mehr Deutsche zu ihnen wechseln dürften. Und die Teureren könnten tatsächlich in Not geraten, könnten in die Pleite rutschen. Wofür wiederum andere Kassen derselben Kassenart, also etwa Betriebskrankenkassen für eine Betriebskrankenkasse, gerade stehen müssten. Das Kassensystem käme deutlich unter Druck.

Wenn Jens Spahn nur an einem Zipfel des Tischtuchs zieht, muss er sich nicht wundern, wenn das gesamte Geschirr zu Bruch geht. Besser ist es also, den Finanzausgleich zu reformieren. Das freilich ist komplex und mühsam. Und es lässt sich schwer in einer knackigen Schlagzeile verkaufen. Aber es käme wohl alle Versicherten letztlich billiger.

leitartikel@swp.de

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21.04.2018, 06:00 Uhr
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