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Nulpen aus Amsterdam

Zu alt, verletzt, planlos: Der Niedergang der niederländischen Nationalelf

Kein Witz, kein Biss, keine Idee: Die uninspirierten Holländer lassen alles vermissen, was sie über Jahrzehnte auszeichnete. Nach dem blamablen Aus in der EM-Qualifikation drängt Oranje auf frische Akzente.

15.10.2015
  • ARMIN GRASMUCK

München Der Kapitän fehlte, als der einst so stolze Dampfer unterging. Es passte ins Bild, dass Arjen Robben den Untergang seiner Landsmänner gut 800 Kilometer entfernt und tatenlos mitverfolgen musste. Der Superstar des FC Bayern fehlte bei den beiden Partien, die den Totalabsturz des niederländischen Fußballs besiegelten, aufgrund einer Verletzung. Das Unheil, dass die Holländer - Vizeweltmeister des Jahres 2010 und Dritter bei der WM 2014 - die Europameisterschaft 2016 verpassen werden, hatte sich über Wochen und Monate abgezeichnet. Als die Katastrophe schließlich eintrat, geriet das ganze Land zu einem schrecklichen Kosmos aus purem Schock und peinlicher Berührtheit.

Die Kommentare in den heimischen Gazetten wirkten nach dem erneut misslungenen Auftritt beim 2:3 im Heimspiel gegen Tschechien bitter bis böse. "In der Arena vollzog sich die definitive Demaskierung der niederländischen Elf, als eine bittere Parodie auf Spitzenfußball, eine mitleiderregende Sportmannschaft, die auf einem Endturnier nichts zu suchen hat", so schrieb etwa die Zeitung De Volkskrant. "Die niederländische Elf anno 2015 scheint ein steuerloses Boot zu sein. Es hat an allem gefehlt." Und De Telegraaf titelte: "Der niederländische Fußball ist eingestürzt. Demaskiert, wirklich skandalös. Sprachlosigkeit. Eine enorme Blamage für Oranje."

Fünf Niederlagen in den zehn Spielen der EM-Qualifikation - so lautet die mehr als magere Ausbeute, die am Ende der Bondscoach Danny Blind zu verantworten hat. Der ehemalige Nationalspieler löste erst im Sommer den ebenso erfolglosen Trainer Guus Hiddink ab, verlor drei seiner vier Qualifikationsspiele. Nach dem Debakel gegen Tschechien zeigte er sich kämpferisch. "Wir müssen diese Pleite so schnell wie möglich abhaken und uns auf die WM-Qualifikation konzentrieren", sagte Blind, der selbst nach dem historischen Tiefpunkt den Rückhalt der ihm Vorgesetzten genießt. "Wir machen gemeinsam weiter", sagte Bert van Oostveen, der Direktor des niederländischen Fußballverbandes KNVB: "Man sollte nicht weglaufen, sondern stehen bleiben. Das macht der KNVB, und das macht Danny Blind." Blinds Vertrag läuft bis in das WM-Jahr 2018.

Der angeschlagene Bondscoach wird größte Mühe haben, der traditionell höchst verwöhnten Fußballnation bis dahin eine Mannschaft zu präsentieren, die den Ansprüchen genügt. Der aktuelle Kader lässt alles vermissen, was die niederländische Spielkultur seit jeher auszeichnet: kein Witz, kein Biss, keine Idee. Die Holländer wirkten zuletzt stets nur wenig inspiriert, selbst gegen vermeintlich schwächere Gegner agierten sie nur selten flink und geschmeidig. In der Mannschaftsstruktur fehlen die tragenden Säulen - der eisenharte, aber spielstarke Verteidiger, der Regisseur von Weltformat und der Torjäger mit eingebauter Abschlussgarantie. Robin van Persie und Wesley Sneijder, einst Stars der internationalen Klasse, haben den Zenit überschritten. Hält Blind an ihnen fest, drohen sie als tragische Helden zu enden. Die Großen aus der Bundesliga, Robben und Klaas-Jan Huntelaar, plagen sich immer häufiger mit empfindlichen Schmerzen in den Beinen. Potenzielle Nachfolger wie Memphis Depay, der pfeilschnelle Angreifer von Manchester United, sind rar. Den Niederländern fehlt es an Qualität, Frische und Finesse. Und die Qualifikationsrunde für die WM 2018 in Russland beginnt im nächsten Sommer.

Zu alt, verletzt, planlos: Der Niedergang der niederländischen Nationalelf
Nach dem bitteren Aus in der EM-Qualifikation: Wesley Sneijder. Foto: dpa

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15.10.2015, 12:00 Uhr
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