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Leitartikel · Buchmesse

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Von Jürgen Kanold Was hält die Deutschen nachts besonders wach? Nicht starker Kaffee, nicht der Hunger oder das Haustier. Und auch nicht der Partner im Bett.

16.10.2015
  • SWP

45 Prozent der befragten Menschen greifen zum Buch. Das hat eine große Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ergeben: sehr nett. Und demnächst muss vielleicht der Buchhändler seine Kunden über die Risiken und Nebenwirkungen des Lesestoffs aufklären wie ein Apotheker.

Aber es geht jetzt um eine ganz ernste Schlaflosigkeit, und es geht nicht ums Private: sondern um die politische Literatur, die etwas zu sagen hat in einer Welt, die in Aufruhr ist. Es geht um Schriftsteller, die sich engagiert zu Wort melden, sich einmischen - und dafür in unserem Lande gerne mal als Störenfriede belächelt werden, aber in manchen Teilen der Welt ihren Mut mit Haft, Folter, ja dem Leben bezahlen. Die Frankfurter Buchmesse ist ein völlig unüberschaubarer, bunter Markt, aber sie war schon lange nicht mehr so politisch - nicht nur, weil Salman Rushdie zur Eröffnung ein großes Plädoyer für die Meinungsfreiheit hielt und deshalb der offizielle Iran die Messe boykottiert.

Der Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo hat auch die Verleger und Buchhändler in Deutschland aufgerüttelt, sich stärker für das Wort und die Freiheit einzusetzen - sagte Heinrich Riethmüller, der Vorsteher des Börsenvereins, in einer starken Rede zur Eröffnung der Buchmesse. Die freie Meinungsäußerung ist bei uns ein Grundrecht, aber dann zählte er erschütternde Schicksale auf: Susana Chávez Castillo ist eine von 67 Journalisten, Bloggern und Schriftstellern, die in Mexiko seit 2004 nach Angaben der internationalen Autoren-Vereinigung PEN ermordet worden sind. Der Dichter Mohammed al-Ajami sitzt in Katar in Haft wegen "Anstiftung zum Sturz des herrschenden Regimes". Li Bifeng gehört zu den politisch aktiven Dichtern in China, die vom Regime eingesperrt werden. Oder der saudi-arabische Redakteur Raif Badawi, der wegen "Beleidigung des Islams" seit Januar mit der Strafe von 1000 Peitschenhieben barbarisch sanktioniert und misshandelt wird.

Die Mitglieder des PEN verpflichten sich, "mit äußerster Kraft für die Bekämpfung von Rassen-, Klassen- und Völkerhass und für das Ideal einer einigen Welt und einer in Frieden lebenden Menschheit zu wirken". So steht's in der Charta. Große Worte - aber gerade das geschriebene Wort kann wirken, und im Internetzeitalter kann es das noch nachhaltiger.

In diesen Tagen muss einem ja auch bewusst werden, dass die vielen Menschen nicht nur dem Krieg und der wirtschaftlichen Not entfliehen, sie haben auch Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit. Andererseits treffen die vielen Flüchtlinge aus fremden Kulturen, unterschiedlichster Religionen jetzt auch auf eine Welt, in der sie sich schwer zurechtfinden. Integration? Das geht natürlich auch über Bildung, über das Lesen und das Lernen, über die Kultur. Die Frankfurter Buchmesse hat deshalb die Aktion "Bücher sagen Willkommen" gestartet: Literatur öffnet Türen zu Sprache, Wissen und Kultur.

Das sind hehre Ziele, und von der Buchmesse, wo Aussteller aus über 100 Ländern vertreten sind, muss jetzt nicht gleich pathosvoll der Ruf nach Freiheit und Toleranz in die Welt hinausgehen. Aber Friedenspreisträger Navid Kermani hat Recht: "Wir müssen für die Ideale der Gerechtigkeit und der Toleranz jeden Tag eintreten, im Alltag, am Arbeitsplatz, in der Schule ."

Kermanis Bücher halten einen übrigens auch als Bettlektüre wach.

Literatur öffnet Türen zu Sprache und Kultur

leitartikel@swp.

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16.10.2015, 12:00 Uhr
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