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Schluckauf weggeküsst

Zu Besuch im evangelischen Waldheim Spatzennest

Märchen und Schokoplaneten entdecken seit Ferienbeginn 340 Kinder im Pfrondorfer Spatzennest. Dieses Jahr sind besonders viele Nachwuchs-Gruppenleitern dabei.

14.08.2010

Von Fabian Ziehe

Pfrondorf. „Diejenigen, die in der Schlucht waren, sind von oben bis unten schlammig“, erzählt die siebenjährige Cosima Holler. Diese „Schlucht“ ist eine Quelle im Wald auf dem Areal bei der Sophienpflege in Pfrondorf. Neben dem Werkbereich sind Buddeln und Staudamm-Bauen der Renner für die Kinder. Wenn es nicht Hunde und Katzen regnet, geht es raus. „Den Kindern macht das Wetter kaum Probleme. Für die Gruppenleiter und Eltern ist es mühsam“, sagt Waldheimleiterin Elke Schwendowius. Die Kinder zum Kleider wechseln zu bewegen, fordert gutes Zureden der Betreuer. Und zu Hause laufen die Waschmaschinen auf Hochtouren.

Matsch und Spatzennest sind fast eine Symbiose, das weiß auch Cosima, die bereits zum zweiten Mal dabei ist. Dort darf man sich austoben, egal ob draußen, an der Werkbank, beim Kicken oder beim Bauen an den Hütten im Wald. Wem es zu wild wird, studiert einen Sketch ein oder setzt sich zur Singerunde.

Die Kinder können sich die Angebote frei aussuchen – außer es gibt Programm fürs „Team“, eine der vier Altersstufen, nochmal unterteilt in Gruppen. Michaela Eichinger (8) und Julius Strohm (6) gehören zum „Team 4 - Gruppe 16“, den Jüngsten. Sie sind zum ersten Mal dabei. „Meine Mutter meinte, ich würde mich die ersten drei Ferienwochen langweilen“, sagt Michaela. Ihr hat es das Bauen und Basteln angetan. „Hier gibt es viele Kinder, man findet schnell Freunde und kann viel machen“, sagt sie.

Durch den Märchenwald mit Zauberer Friedelbert

Julius überlegt, was ihm nicht gefällt, und meint dann: „Gar nix fand ich doof.“ Er erzählt vom Ausflug auf den Abenteuerspielplatz bei Entringen – eine Tour mit dem Zauberer Friedelbert. Der habe Schluckauf gehabt und eine Kröte gefunden, die er küsste. „Da hatte auf einmal die Kröte Schluckauf“, berichtet Julius. Jedes Team hat eine eigene Spielgeschichte. Märchenhaft geht es im Team 4 zu, bei Team 2 dominieren Saloons und Leiterwagen: „Wild, wild west“ ist hier das Motto.

Zur Morgen- und Abendbühne treffen sich alle Teilnehmer an der Waldbühne oder im Zirkuszelt. Am Ende des Tages zeigen die Kinder ihre Projekte – am Donnerstag etwa spielten Cosima und Liv Szczepaniak (8) einen Sketch. Daneben wird gesungen, und es gibt die „FSG“, die „Fortsetzungs-Geschichte“ – eine Soap-Opera ohne Glotze.

Ein Mädchen und ein schräger Typ suchen in der Geschichte nach dem Schokoplaneten. „Das spielt alles im Weltraum“, erklärt Liv und berichtet von den Ereignissen: Auf dem Planeten der Pirafanten seien die beiden Abenteurer den langnasigen Bewohnern entkommen. Dafür sind nun alle auf ihrem Heimatplaneten versteinert. So fragen sie beim Orakel von Delifanti um Rat.

Zwei Nachwuchsgruppenleiter moderierten die Abendbühne am Donnerstag. Beide gehören zum Team Null. Neun 15- bis 17-Jährige Jungbetreuer gibt es im ersten Durchgang, im zweiten werden es sogar 18 sein. „Der Andrang ist groß“, sagt Waldheimleiterin Schwendowius. In der zweite Spatzennest-Halbzeit wird es deutlich mehr Plätze für Nachwuchs-Gruppenleiter geben als üblich – und dennoch bekam mancher eine Absage. „Die Jugendlichen hospitieren, übernehmen Verantwortung, werden aber nicht überfordert“, erklärt Schwendowius. Nach zwei Jahren können sie in das derzeit 58 Helfer starke Leiter-Team aufrücken.

Verantwortung lernen mit Freikarte

Die beiden 16-Jährigen Marei Anheier und Mayra Schlinke schätzen das Konzept. „Wir werden als Gruppenleiter behandelt, aber immer noch unterstützt“, sagt Marei. Sie dürfen auch mal pausieren. „Man hat immer noch die Freikarte zum akzeptierten Chillen“, sagt Mayra. Beide kennen das Spatzennest länger, Marei ist zum zehnten Mal dabei. Das Spontane, Chaotische, der Freiraum für die Kinder, das gefällt ihnen. Auch fühle es sich trotz der vielen Teilnehmer nicht nach Massenveranstaltung an. „Man merkt nicht, dass hier 340 Kinder sind.“

Info: Für die zweite Ferienhälfte im Spatzennest sind noch rund 30 Plätze frei. Den Anmeldebogen gibt es unter www.spatzennest-tuebingen.de.

Bei der Fortsetzungs-Geschichte auf der Abendbühne des Waldheims Spatzennest befragten die Helden des Abenteuers das Orakel von Delifanti.Bild: Sommer

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Erstellt:
14. August 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. August 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. August 2010, 12:00 Uhr

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