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Natürlich ungehobelt

Zornigers eigenwillige Auftritte sorgen beim VfB für Unmut

Selbst in der Chefetage des Stuttgarter Traditionsvereins schüren die Alleingänge des Trainer ernsthafte Bedenken - auch weil sie nur grob zu dem fein entworfenen Markenbild des Klubs passen.

06.10.2015

Von ARMIN GRASMUCK

Ulm Das Remis in Hoffenheim war für die Profis des VfB Stuttgart, aber auch für ihre direkten Vorgesetzten offensichtlich nur auf den ersten Blick ein kurz vor dem Schlusspfiff erkämpfter Punktgewinn. Das 2:2 im Landesduell ist Volksmund gesprochen weder Fisch noch Fleisch, denn der Zähler ist gerade nach dem verheerenden Saisonstart und im direkten Duell mit den qualitativ adäquaten Hoffenheimern prinzipiell zu wenig. Die Mannschaft von Alexander Zorniger hat eine weitere Chance vertan, den Trend ins positive zu wenden. Inzwischen sehen es selbst die Herren aus der Chefetage der Stuttgarter ebenso.

Offen wagt es noch keiner auszusprechen, doch hinter vorgehaltener Hand wächst die interne Kritik - auch und gerade an dem keineswegs nur auf dem Spielfeld mitunter unglücklich auftretenden Cheftrainer. Zornigers natürliche, bisweilen ungehobelt wirkende Auftritte sorgen immer häufiger für Unmut. Die Werte, die der Trainer transportiert, scheinen nur grob zu dem fein herausgearbeiteten Markenbild der Macher an der Mercedesstraße zu passen. Zornigers undiplomatisches Handeln wird in manchen Fällen sogar als Kapitalvernichtung in Reinform betrachtet.

Mit kollektivem Kopfschütteln registrierten die VfB-Bosse die Attacken des Trainers gegen Abwehrspieler Georg Niedermeier. "Wir haben ja kein brutales Eins-gegen-eins-Monster auf der Bank und kommt mir jetzt nicht mit Georg", so lästerte Zorniger. Der einflussreiche Spielerberater Roman Grill, der neben Niedermeier unter anderem auch Bayern-Kapitän Philipp Lahm vertritt, reagierte prompt und direkt: "Einen Spieler, der so lange im Verein ist, zu vernichten, ist dumm." Ein Großteil der VfB-Oberen sieht es offenbar genauso.

Ohne Not und ohne groß nachzudenken hat Zorniger nun auch Daniel Didavi schwer getroffen, weil er offen und ungeniert über die körperlichen Defizite des Spielers redete. Didavi habe "eine deutliche Problematik im Kniegelenk, und die strahlt aus", so plauderte es der Trainer aus. Der hochsensible Spielgestalter reagiert barsch, als er nach dem Spiel auf Zorniger angesprochen wurde. "Ob ich das so sehe oder nicht, ist zweitrangig", sagte Didavi. "Ich kann nur sagen: Mir geht es gut."

Es wird interessant sein zu beobachten, wie lange die VfB-Bosse das wüste Treiben des Trainer noch dulden. Zumal auch der sportliche Ertrag, den er bei seinem ersten Auftritt in der Eliteklasse erzielt hat, dürftig ausfällt. "Ich glaube nicht, dass der Trainer unser Problem ist - der Trainer ist unsere Lösung", sagt Robin Dutt, der die Talfahrt als Sportvorstand mit zu verantworten hat. Der späte Punktgewinn in Hoffenheim hat ihm und dem Trainer nur etwas Luft verschafft.

Offensiv und ohne Sinn für Diplomatie: Alexander Zorniger Foto: Imago

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Erstellt:
6. Oktober 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Oktober 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Oktober 2015, 12:00 Uhr

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