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Häuserkampf als artistisches Spiel

Zirkus Zambaioni: Premiere am Freitag

Eine Band, die ihre Instrumente stimmt, Zirkuskulissen, die kreuz und quer verstreut herumstehen – beim Zirkus Zambaioni hat ein neues Programm Premiere. „Vorsicht Baustelle“ heißt es, und Artistik und Handlung kreisen genau um dieses Thema.

30.04.2010

Von werner bauknecht

Rottenburg. „Es war einer von mehreren Vorschlägen“, erzählt Trainerin Mareike Fichtner, „und alle gemeinsam haben dann darüber abgestimmt.“ Jetzt sind die 56 Kinder und Jugendlichen, die zum eigentlichen Ensemble gehören, dazu Techniker, Trainer, Regisseure, Maskenbilder und Eltern sind draußen am Marienhof, wo das Zirkuszelt steht, zusammen gekommen, um die letzte Probe vor der Premiere mitzumachen.

Der sechsjährige Max aus der Grundschule in Wurmlingen ist unter den Zuschauern und wundert sich zunächst. „Was hüpfen die da denn alle herum?“, will er wissen, als das gesamte Ensemble minutenlang kreuz und quer durch die Manege rast. Dann erfährt er, dass das zum Warmmachen für die Artisten gehört.

Kinder kämpfen gegen

die Abrissbirne

Schließlich wird es dunkel. Aus dem Rückraum, einer Hausfassade mit großer Tür, treten drei Clowns, die Kunststücke mit Holzmeterstäben machen und dann das Publikum begrüßen. Die Geschichte kommt in Gang. Der rote Faden ist das Haus, das Kindern als Spielstätte dient, von dem man aber erfährt, dass es abgebrochen werden und als Einkaufszentrum neu aufgebaut werden soll.

Jugendliche, die auf Drahtseilen balancieren oder jonglieren mit bunten Bällen – es wird gezeigt, was auf so einem Spielplatz alles möglich ist. Am besten gefällt Max, als ein Mädchen mit einem Einrad übers Drahtseil fährt.

Hinter dem Zirkuszelt lagern die Artisten in einer Art Zeltstadt. Wie ein Jugendferienlager sieht das aus, wenn manche sich auf einer Matte auf dem Boden fläzen und dabei entspannen, oder andere auf einem Ledersofa in einem Zelt sitzen, sich unterhalten oder SMS verschicken. Daneben wird geschminkt, massiert, Handgelenke gekühlt.

In der Manege haben sich inzwischen Artisten in Rattenkostümen breit gemacht. Leuchtende Augen, Ohren und sogar Schwänze witschen durchs dunkle Rund. „Die Ratten wohnen in dem Haus“, weiß Max, „und jetzt kommen sie heraus.“ Warum sie aber gleich darauf auf Bällen durch die Manege rollen und dazu Luftgitarren in der Hand halten, versteht er nicht. Die Band spielt dazu eine lange Version von „Can't Buy Me Love.“

Jetzt wird es amtlich, und damit es auch jeder kapiert, hängen Schilder am Haus mit Sätzen wie „Hier wird gebaut. Kinderfrei“ oder „Parkplätze.“ Und die Band unter der Leitung von Christian Kalb haut dazu „We Will Rock You“ raus.

Die 12 und 13-jährigen Henri Maußhardt, Jonas Jordan und Christoph Barkey sind schon zum zweiten Mal bei einer Zambaioni-Produktion dabei. Aufwändig sei es, das Proben, meinen sie. Spaß macht es trotzdem. Nur die technischen Dinge, mit dem Licht und so, das machen sie nicht so gerne.

In der Manege gibt es inzwischen eine Demo gegen den Hausabriss. Klassisch, mit Megaphon und Transparenten. Daraus entwickelt sich ein artistisches Spiel, in dem die Akteure menschliche Pyramiden bilden. Auf der Spitze ein Transparent, das klar macht, was die Kinder vom Hausabriss halten: „Macht keinen Scheiß!“ Der Hausbesitzer ruft die Polizei. Max ist entsetzt. Fiebert mit. Und bezieht auch gleich Position: „Ich bin für die coolen Jungs.“

Salamander als

Feuerjongleure

Eine der Regisseurinnen, Ela Boyacos-Loeck, die am Manegenrand das Treiben beobachtet und auch dann und wann mit Anweisungen eingreift, stellt einen Feuerlöscher vor sich hin. Sie weiß, was als nächstes kommt: Feuerjongleure, gekleidet in Ganzkörperanzüge, die an eine Salamanderhaut erinnern. Nicht alles klappt, wenn es darum geht, sich die brennenden Fackeln zuzuwerfen. Manche landen auf dem Boden, aber alles geht gut. Als die Artisten auch noch durch ein brennendes Seil hüpfen, ist Max total begeistert. „Das will ich auch lernen“, sagt er, und klatscht in die Hände.

In der Pause gibt es dann noch einmal Verpflegung und letzte Anweisungen. Im zweiten Teil dann, so viel sei verraten, kommt es zu einem glücklichen Ende, die Kinder feiern Einweihungsfest im selbst renovierten neuen Haus. Und Max, na ja: Der will inzwischen Trapezkünstler werden.

Info

Premiere ist heute um 18 Uhr im Zirkuszelt bei Eratskirch. Weitere Vorstellungen dort sind am morgigen Samstag um 15 Uhr und am Sonntag, 2. Mai, um 11 und 15 Uhr.

Es muss nicht immer Drahtseil sein: Drei Einradfahrerinnen vorm Eingang der „Villa Chilla“, um deren Erhalt die Zambaioni-Akteure kämpfen. Bild: Mozer

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Erstellt:
30. April 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
30. April 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. April 2010, 12:00 Uhr

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