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Am liebsten ganzjährig Hexe

Zirka 8000 Zuschauer strömten zum Fasnetsumzug in der Tübinger Altstadt

Deifl, Hexa und allerlei Narrenvögel verbreiteten am gestrigen Sonntagnachmittag einmal mehr urige Fasnets-Stimmung in den Tübinger Altstadtgassen. Etwa 8000 Zuschauer säumten ihren Weg. Sogar das Wetter wollte die Feierlaune nicht trüben. Der Regen beim Auftakt hörte bald wieder auf.

24.01.2016
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. 20 Jahre nach dem ersten Fasnetsumzug durch das protestantische Tübingen zeigten am gestrigen Sonntagnachmittag 50Narrenzünfte und 40andere Gruppen mit rund 3500 Hästrägern, Musikvereinen, Lumpen- und Guggenkapellen, was die fünfte Jahreszeit so bunt macht: von der akrobatischen Hexenpyramide bis zur zuschauerwärts geschwenkten Schweinsblase.

Zunftmeister Anton Buck, Gründer der gastgebenden Rosecker Schlossochsen, gab von der steinernen Brüstung der Stiftskirche herab sein Bestes, um die dicht gedrängten Zuschauer auf dem Holzmarkt auf historische Hintergründe und Besonderheiten eines Kostüms oder den Zunftruf der jeweiligen Hästrägerformation aufmerksam zu machen. Allerdings hatte er es manchmal schwer, sich gegen den Sound der stärksten Lumpenkapellen durchzusetzen.

Die heftigste Percussion lieferten die schlagstarken Germanen-Pfetzer von der Germanenzunft Benzingen. Zuschauer gaben einander Tipps: „Des gibt warme Füß“, sagte eine zur anderen, bevor sie die nächste übelriechende Gestankwolke mit ihrem Fächer wegwedelte. „In jedem Dorf gibt’s einen anderen Spruch“, erläuterte sie die jeweiligen Narrenrufe. Die Choreographie erwies sich als sehr wirkungsvoll: von der Pfleghofstraße herab über den Holzmarkt zum Marktplatz. Die Steigung zum Schulberg hin bot eine ideale Bühne für urig-pittoreske Hästräger und schmissige Lumpenkapellen. Von der Stiftskirchentreppe bot sich eine perfekte Sicht auf das närrische Spektakel. Als besonderer Blickfang unter den Treppenstehern erwies sich eine Wikingerin mit dicken, orangefarbenen Zöpfen unter dem doppelt gehörnten Helm, der in ihrem Fall aus samtigem Plüsch war. „Seit wir Kinder haben, sind wir immer beim Umzug. Seit zehn Jahren ungefähr“, sagte die Tübingerin Verena Dreessen. Sie war gestern als Wikingerin Ilva unterwegs, die sonst nur bei „Wicki und die starken Männer“ vorkommt. „Ich fände es schöner, wenn noch mehr Erwachsene verkleidet wären. Es reicht ja schon ’ne Mütze oder ’ne Nase“, sagte sie. Ihre Tochter beobachtete den Narrenzug als Einhorn, der Sohn als Ninja.

Als grüner Frosch kostümiert, betrachtete der dreijährige Frieder aus Kusterdingen das Geschehen lieber aus sicherer Distanz, vom Arm seines Großvaters Dieter König aus. „Er hat noch Respekt vor den Masken“, sagte König. Ein preußisch anmutender Büttel mit historischer Pickelhaube schob im Verein mit Helfern vom Technischen Hilfswerk (THW) jene Zuschauer aus dem Weg, die sich zu weit in die närrische Aufmarschfläche vorgewagt hatten. Das THW war mit knapp 100 Helfer(inne)n im Einsatz und übernahm auch den Verkauf der Tickets an den 24Kassen.

Der Musikverein Derendingen verkaufte Glühwein und Grillwürste. „Es läuft gut“, sagte Jessica Jetter. Dass die Karnevalssaison diesmal so kurz ist, ist für den Verein kein Problem: „Wir machen immer nur diesen Stand beim Tübinger Umzug und eine eigene Kinderfasnet.“ Die Kinderfasnet durch Derendingen ist am kommenden Samstag (ab 13.30Uhr).

Mit einer Derendinger Grillwurst stärkte sich auch Rolf Rossburg aus Singen. Er ist eine der Hexen (ausnahmslos Männer) der dortigen Waldschrat-Zunft. „Es gibt zwei Figuren“, sagte er: Waldschrate mit Eichenblatt-Fleckerl und Hexen. Zum Tübinger Fasnetsumzug kommen die Singener, weil sie Partner der Narrenzunft Schwalldorf sind.

Seine bräunliche Holzmaske mit dem besonders krummen Zinken hat sich Rossburg beim Essen über den Rücken gehängt. Der kräftige Stock mit integriertem Reisigbesen lehnt am Stehtisch. „Ich mache seit 38 Jahren Fasnet im Häs“, bekannte der gelernte Werkzeugmacher. Vor 25 Jahren war er Mitgründer der Waldschrat-Hexa. Seine Maske ist handgeschnitzt. „Bei uns in der Gegend gibt es einen Haufen Maskenschnitzer“, sagte er.

Nicht immer beschränkt Rossburg sein Hexendasein auf die fünfte Jahreszeit. Schon drei Mal war er beim großen Hexentreffen auf dem Brocken im Harz, zur Walpurgisnacht Ende April. „Das ist ein riesengroßes Fest“, sagte er. Die Brocken-Hexe sei ein bisschen feiner als ihre alemannischen Verwandten: schwarzes Kostüm mit Spitzhut und Tüll und Gumminase. „Sie sind dort ganz verblüfft, wenn sie die wuchtigen süddeutschen Holzmasken sehen.“

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24.01.2016, 20:30 Uhr
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