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Ziel zum Greifen nah
Ob ab Herbst wieder Feinstaubalarm ausgerufen wird, ist noch offen. Foto: Bernd Weissbrod/dpa
Feinstaub

Ziel zum Greifen nah

Die Alarmsaison geht mit weniger Überschreitungstagen als 2017 zu Ende. In diesem Jahr könnte der Grenzwert erstmals eingehalten werden.

13.04.2018
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. In Stuttgart ist er längst zur Routine geworden: der Feinstaubalarm. An diesem Sonntag, 15. April, endet die dritte Alarmperiode, die am 15. Oktober begonnen hatte. Zeit für eine Bilanz.

Wie oft wurde der Feinstaub-Grenzwert in diesem Jahr überschritten? Die Zahl der Überschreitungen am Stuttgarter Neckartor – der einzig verbliebenen Messstelle mit überhöhten Werten – ist im Vergleich zu 2017 gesunken. Nach vorläufigen Daten der Landesanstalt für Umwelt und Messungen (LUBW) wurden seit Januar rund 18 Überschreitungstage gezählt. Im selben Zeitraum 2017 waren es noch 36 gewesen. Zum Vergleich: Der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft darf nach EU-Angaben an nicht mehr als 35 Tagen pro Jahr überschritten werden. Je nachdem, wie sich die Werte zwischen Oktober und Dezember dieses Jahres noch entwickeln, könnte der Feinstaub-Grenzwert 2018 erstmals eingehalten werden – davon geht Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne) zumindest aus.

Wie ist die Langzeit-Entwicklung? Der Trend zu abnehmenden Überschreitungen zeichnet sich schon länger ab. 2017 wurden insgesamt 45 Überschreitungstage gezählt, 2016 waren es noch 63, im Jahr zuvor 72. Anders sieht es hingegen beim Stickstoffdioxid aus. Dort wurde der Stundenwert im vergangenen Jahr zwar eingehalten. Der Jahresmittelwert, der sozusagen die Grundbelastung beschreibt, wurde mit 73 Mikrogramm pro Kubikmeter jedoch weiterhin deutlich überschritten. Erlaubt sind 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Wie oft wurde Feinstaub-Alarm ausgerufen? In der gesamten Alarm-Saison zwischen 15. Oktober und 15. April löste die Stadt 56 Mal Feinstaub-Alarm aus. Tatsächlich überschritten wurde der Grenzwert an 24 Tagen. Betrachtet man nur den Zeitraum von Januar bis Mitte April, gab es 42 Mal Alarm (Vorjahr: 48 Mal). Von den 18 Überschreitungstagen fiel dabei nur einer auf einen Tag ohne Feinstaub-Alarm, was dafür spricht, dass die Kriterien für den Alarm recht zuverlässig sind.

Welche Faktoren begünstigen den positiven Trend? Die Stadtverwaltung sieht dafür verschiedene Gründe: Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, die Maßnahmen zur Verkehrsverstetigung, der Erfolg des Jobtickets oder die Straßenreinigung, die die Dekra seit Oktober täglich durchführt. Zudem sei auch das Wetter – ein wichtiger Einflussfaktor – günstig gewesen, sagt eine Sprecherin. Ausgeprägte Hochdruckwetterlagen, die normalerweise zu höheren Schadstoffwerten führten, seien in dieser Alarmperiode seltener vorgekommen. „Zudem waren der Januar und der Februar sehr niederschlagsreich.“ Der Straßenverkehr hat durch die Alarme indes nicht merklich abgenommen. Das vergünstigte Feinstaub-Tagesticket des Verkehrsverbunds lief dafür gut. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hätten sich die Verkäufe verfünffacht, sagt eine Sprecherin. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Die Zahl der Einzeltickets ging im selben Zeitraum um 16 Prozent zurück. Ob die Mooswand in der Nähe des Neckartors einen positiven Effekt hatte, soll im Juli feststehen.

Wird es auch im Herbst wieder Feinstaubalarm geben? Das ist nach Angaben von OB Fritz Kuhn noch nicht sicher. Schließlich hat die Stadt inzwischen mehr Probleme mit Stickstoffdioxid als mit Feinstaub. Der Fokus liege jetzt darauf. Andererseits sei das Verbot für Komfortkamine, das seit gut einem Jahr gilt, an den Feinstaub-Alarm gekoppelt. Eine Entscheidung, ob ab Herbst erneut alarmiert wird, soll in den kommenden Monaten fallen.

Kommen zum Jahresende Fahrverbote? Nach dem Fahrverbotsurteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) angekündigt, dass zum 1. Januar Dieselautos der Schadstoffklassen 1 bis 4 und ab 1. Januar 2020 der Abgasnorm Euro 5 aus der Stuttgarter Umweltzone ausgeschlossen werden könnten. Der Luftreinhalteplan wird derzeit überarbeitet, sobald das schriftliche Urteil vorliegt – es wird in den nächsten Wochen erwartet –, soll er fertiggestellt und erneut ausgelegt werden. Um dann wirklich Fahrverbote durchzusetzen, bedarf es noch eines Kabinettsbeschlusses der grün-schwarzen Landesregierung. Die CDU ist jedoch gegen Fahrverbote.

Was wird noch diskutiert? Seit einem Vorstoß der Grünen im Gemeinderat wird vertiefter über eine Nahverkehrsgabe oder auch einen komplett kostenlosen ÖPNV debattiert (siehe auch Infobox). Verkehrsminister Hermann hat ein Gutachten initiiert, das Finanzierungsmöglichkeiten für den Nahverkehr prüfen soll. In einer bereits abgeschlossenen Grundlagenuntersuchung hatte sich laut Ministerium ein Mobilitätsausweis, wie er von den Gemeinderats-Grünen und OB Kuhn vorgeschlagen wurde, als beste Lösung herauskristallisiert. Dabei müsste jeder, der in der Stadt mobil unterwegs ist – ob mit Auto oder Bus und Bahn – ein ÖPNV-Ticket für 365 Euro kaufen und hätte dann die freie Wahl des Fortbewegungsmittels. Ein weiterer Weg, den Nahverkehr in der Region günstiger zu machen, ist die große VVS-Tarifreform, die jetzt angestoßen werden soll. Statt der 52 Zonen soll es dann nur noch fünf oder sechs Ringzonen geben.

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13.04.2018, 06:00 Uhr
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