Forschung

Ziel sind weniger Tierversuche

Baden-Württemberg fördert den Aufbau eines Verbunds der biomedizinischen Standorte. Er soll Ersatzmethoden suchen.

06.02.2021

Von JENS SCHMITZ

Stuttgart. Baden-Württembergs biomedizinische Hochschulstandorte sollen gemeinsam daran arbeiten, den Tierschutz in Forschung und Lehre zu verbessern. Mit 3,8 Millionen Euro fördert das Land den Aufbau eines nach eigenen Angaben bundesweit einmaligen Verbunds. Das 3R-Netzwerk soll dazu beitragen, Tierversuche überflüssig zu machen.

Die meisten Vorhaben beginnen in diesem Quartal. Das geht aus einer Übersicht des Wissenschaftsministeriums hervor, die unserer Zeitung vorliegt. Das 3R-Prinzip steht für den Ansatz, Tierversuche je nach Möglichkeit zu ersetzen, zu verringern oder zu verbessern (englisch: replace, reduce, refine).

In der jüngsten Novelle des Hochschulrechts im Dezember hatte der Landtag trotz heftigen Protests der Universitäten ein weitgehendes Verbot von Tierversuchen im Studium festgeschrieben, also in der Lehre. Für die Forschung gilt das nicht: Vor der Landtagsentscheidung war mehrfach darauf hingewiesen worden, dass die aktuellen Impfstoffe gegen das Coronavirus mithilfe von Tierversuchen entwickelt worden seien, nicht zuletzt von einem Unternehmen in Baden-Württemberg.

Allerdings gibt es im deutschen Südwesten nicht nur biomedizinische Forschungsstandorte, sondern auch eine Tradition bei der Weiterentwicklung des Tierschutzes etwa durch Ersatzmethoden für solche Versuche. Dazu gehört neben preisgekrönten Einzelforschern seit knapp einem Jahr das „3R-Center für In-Vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen“ der Universität Tübingen.

Eine vom Land kofinanzierte Juniorprofessur beschäftigt sich dort mit der Simulation von Organen als Zellkultur auf einem Chip. Bis 2025 soll das Zentrum eine Technologieplattform für das Netzwerk aufbauen. Mit 840 000 Euro übernimmt das Land hier wie bei den anderen Projekten rund 70 Prozent der Kosten.

Als tragende Säulen sind vier weitere Zentren geplant. Dabei kann das „CAAT-Europe“ (Center for Alternatives to Animal Testing in Europe) der Universität Konstanz und der Johns Hopkins University in Baltimore (USA) bereits auf sein zehnjähriges Bestehen zurückblicken; es wird vom Land mit 495 000 Euro gefördert.

Das „3R-US Netzwerk“ der Universität Stuttgart und des Robert-Bosch-Krankenhauses will eine Tumorgewebe-Plattform als Ersatz für Tierversuche entwickeln. Das Land steuert dazu 480 000 Euro bei.

Ein neues „3R-Zentrum Rhein-Neckar“ der Universität Heidelberg mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim soll Schwerpunkte bei den Aspekten Verringerung und Optimierung ausbilden und unter anderem eine Datenbank für Tiermaterial aufbauen (500 000 Euro). Das geplante „Interdisziplinäre Zentrum zur Erforschung von Darmgesundheit“ an der Universität Heidelberg zielt auf die Nachahmung bestimmter Nervenfunktionen (500 000 Euro).

Komplettiert wird das Netzwerk durch drei Forschungsvorhaben an den Universitäten Freiburg, Heidelberg und Ulm, die bis Ende 2023 laufen und vom Land mit je 300 000 Euro gefördert werden. Hinzu kommen zwei Projekte im Bereich Lehre und Weiterbildung an der Universität Ulm (16 000 Euro) und der Hochschule Reutlingen (40 000 Euro).

„Dass sich alle Standorte der biomedizinischen Forschung am Aufbau des Netzwerks beteiligen, ist ein starkes Signal“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) unserer Zeitung. „„Die Etablierung eines landesweiten 3R-Netzwerks in dieser thematischen Tiefe und Breite ist bundesweit einmalig und bringt Tierschutz wie Forschung gleichermaßen voran.

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Erstellt:
6. Februar 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Februar 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Februar 2021, 06:00 Uhr

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