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Mit Gesten blättern

Zeutschel will mit 3-D-animierten Büchern in Ausstellungen locken

Zeutschel begann mit Mikro- verfilmung von Dokumenten. Inzwischen ist die Hirschauer Firma Spezialistin im digitalen zugänglich Machen von Gedrucktem. Jetzt hat sie noch einen High-Tech-Hingucker im Programm.

08.10.2015
  • Mario Beisswenger

Tübingen. „Es geht um den Eindruck.“ Jörg Vogler, Geschäftsführer und Inhaber der Hirschauer Zeutschel GmbH, suchte sich die richtige Kulisse aus, um gestern den Medien die neuste Entwicklung aus seinem Haus zu präsentieren. Im Hesse-Kabinett, umgeben von historischen Büchern, stellte er ZED 10 3D Foyer vor.

Hört sich jetzt nicht so an, als ob man damit viel zu tun haben wollte. Aber die Gerätschaft macht wirklich Eindruck. Damit lässt sich eine dreidimensionale Animation von Büchern anschauen und mit Gestensteuerung in ihnen blättern. Vogler selbst hatte schon 2000 Jahre alte Handschriften in der Hand, „aber nicht jeder kann historische Bücher in die Hand nehmen“.

Das geht auch nicht mit dem rund 25 000 Euro teuren Zeutschel-Produkt. Michael Lütgen, in Hirschau für den Verkauf von Software-Lösungen zuständig, spricht deshalb lieber „vom virtuellen Erleben historischer Materialien“. Gestern war dies bei der Firmenpräsentation erstmals den Medien möglich. Auf der Frankfurter Buchmesse kann auch die Öffentlichkeit geräuschlos Rascheln in Ehrfurcht gebietenden Print-Produkten.

Ein prächtiges Werk wie das fast 1000 Jahre alte Reichenauer Evangeliar poppt einem da entgegen, sofern man mit der richtigen 3D-Brille ausgestattet ist. Mittels Gesten-Steuerung lässt sich das mit Gold und Edelsteinen geschmückte Buch von allen Seiten betrachten, der Deckel aufschlagen und in den Seiten blättern.

„Das geht auch mit Büchern, die man nicht mal in Vitrinen sieht, die immer im Safe bleiben.“ Für Vogler haben Ausstellungsmacher damit die Möglichkeit, das Publikum ganz dicht an größte Kulturschätze heranzuführen. „Das ist dann auch ein Marketing-Tool mit dem besonderen Charme der Gestensteuerung“, sagt Lütgen. Für 2016 rechnet Zeutschel mit etwa 20 Kunden für das Produkt. Die British Library oder die Königliche Bibliothek von Marokko zeigen schon Interesse.

Die software-technischen Grundlagen dafür hat die Bayrische Staatsbibliothek gelegt in ihrer Zusammenarbeit mit dem zu den Fraunhofer-Instituten gehörigen Berliner Heinrich-Hertz-Institut. Zeutschel hat sich die exklusiven Rechte gesichert, das System für Museen und Bibliotheken anzubieten. Das Programm wurde also nicht in Hirschau entwickelt. „Da brauchen wir Software-Partner“, sagt Lütgen.

Die Daten, die dann mittels Programm so anschaulich werden, die stammen dann aber von den Zeutschel-Scannern und den dort entwickelten Programmen. Eigentlich ein verrückter Weg, meinte Vogler. „Wir erfassen ja 3D-Daten.“ Erst nach dem sie auf zwei Dimensionen umgeformt wurden und damit auf einen flachen Bildschirm passen, gestaltet die Berliner Software das drei-dimensionale Erlebnis.

Vogler kann sich deshalb gut vorstellen, dass die Präsentation von Dokumenten aber auch von anderen Ausstellungsstücken in Zukunft noch deutlich wirklichkeitsnäher wird. Einstweilen seien die erzeugten Datenmengen aber noch ein Problem. Doch seinen großen Auftritt wird das Hirschauer ZED 10 3D Foyer demnächst schon in Utrecht haben. Eines der ältesten europäischen Bücher überhaupt, das Utrechter Psalter, wird offiziell ins Weltkulturerbe aufgenommen. Anfassen dürfen das auch nicht alle, aber virtuelles blättern vor einem Großbildschirm wird dank Zeutschel möglich sein.

Zeutschel will mit 3-D-animierten Büchern in Ausstellungen locken
Zeutschel-Geschäftsführer Jörg Vogler blättert im Hesse-Kabinett durch Handbewegung in einem 3D-Modell des Reichenauer Evangeliars. Bild: Sommer

Die Firma Zeutschel bietet seit mehr als 50 Jahren Archivierungssysteme an. Bis in die 1990er Jahre geschah das vor allem durch Mikro-Verfilmung. Seither entwickelt die Firma digitale Scanner. Mit der passenden Software dazu lassen sich Bücher oder andere Dokumente wie Pläne damit inzwischen bequem und schnell digitalisieren und dann auch entzerrt und lesefreundlich zugänglich machen. Nahezu alle großen Bibliotheken und Archive weltweit nutzen Zeutschel-Systeme, aber etwa auch die Feuerwehr von Singapur kann auf von Zeutschel digitalisierte Notfallpläne zurückgreifen.

Eine Weiterentwicklung sind Büroscanner als Kopierer-Ersatz für alles, was nicht als loses Blatt durch den automatischen Einzug gejagt werden kann. Am Hirschauer Heerweg arbeiten 65 Mitarbeiter, je etwa ein Drittel in der Entwicklung, in der Geräte-Fertigung und in Verwaltung und Vertrieb. 2015 erwartet Zeutschel über zehn Millionen Euro Umsatz, in 2016 peilt die Firma zwölf an. Rund 90 Prozent des Umsatzes machen digitale Geräte und Software-Lösungen.

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08.10.2015, 12:00 Uhr
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