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Zerrieben zwischen immer mehr Fronten
Die Türkei ist mit Panzern und Soldaten in Syrien unterwegs. Foto: dpa
Syrien

Zerrieben zwischen immer mehr Fronten

USA, Russland und Türkei kämpfen in dem Land für unterschiedliche Ziele. UN-Sicherheitsrat berät über Feuerpause.

09.02.2018
  • MARTIN GEHLEN

Damaskus. Seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch Dschihadisten vor fünf Tagen überziehen russische und syrische Kriegsflugzeuge die beiden Rebellenenklaven Idlib und Ost-Ghouta nahe Damaskus mit einem infernalischen Bombardement. Mindestens 200 Menschen, schätzungsweise die Hälfte von ihnen Frauen und Kinder, kamen nach Angaben von Helfern bisher bei den Angriffen ums Leben, die in ihrem Schrecken an die Schlussphase der Bombardierung von Ost-Aleppo vor einem Jahr erinnern. Auch am Donnerstag gingen die Luftschläge unvermindert weiter. Die Rettungsdienste sind am Ende, in den wenigen noch verbliebenen Krankenhäusern fehlt es am Nötigsten. „Wir sind nirgendwo mehr sicher und können nirgendwohin mehr fliehen“, sagte ein Aktivist der Stadt Douma dem Portal „Syria Direct“.

Parallel dazu kam es im Osten des Landes zu einer bisher beispiellosen militärischen Konfrontation. US-Kampfflugzeuge griffen Stellungen der syrischen Armee an und töteten nach Angaben des Pentagon mehr als 100 Gegner. Zuvor hatten etwa 500 Assad-Soldaten in der Nähe der Stadt Deir Ezzor mit Panzern und Artillerie arabisch-kurdische Einheiten unter Feuer genommen, die von den Vereinigten Staaten im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ unterstützt werden.

Unter dem Druck der Ereignisse kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an, dessen Armee auf einem dritten syrischen Kriegsschauplatz gegen die Kurden in der Region Afrin zu Felde zieht, er werde sich in Istanbul mit Russlands Staatschef Wladimir Putin und Irans Präsident Hassan Rohani zu einem Gipfel treffen. Einen genauen Termin nannte Ankara bisher nicht. Direkte Gespräche mit dem „Mörder“ Baschar al-Assad schloss Erdogan erneut aus.

Der UN-Sicherheitsrat in New York beriet auf Antrag von Kuwait und Schweden am Donnerstag hinter verschlossenen Türen über eine einmonatige humanitäre Feuerpause. Erst Anfang der Woche war ein Vorstoß der Vereinigten Staaten am Widerstand Russlands gescheitert, das Assad-Regime wegen des Einsatzes von Chlorgas zu verurteilen.

Der UN-Hilfekoordinator für Syrien, Panos Moumtzis, sprach am Donnerstag wegen der zahlreichen Fronten in Syrien von einer „extremen Verschlechterung der humanitären Lage“, wie man sie in dem sieben Jahre langen Krieg bisher noch nicht gesehen habe. Martin Gehlen

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09.02.2018, 06:00 Uhr
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