Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden

Zerreißprobe in Venezuela Land ist vor Wahl tief gespalten - Sozialistisches Experiment gescheitert?

Das sozialistische Modell in Venezuela könnte bald beendet sein. Laut Umfragen kann die Opposition bei der Parlamentswahl am Sonntag die Mehrheit zurückerobern. Viele fürchten eine Gewaltwelle.

05.12.2015
  • GEORG ISMAR, DPA

Caracas. Nicolás Maduro ist gut drauf, er tanzt erstmal mit einer Sympathisantin. Gekleidet in eine Trainingsjacke in den Landesfarben gelb, blau und rot, peitscht Venezuelas Präsident dann die Hunderttausenden Menschen auf der Avenida Bolívar ein. Maduro will kämpfen, das von seinem 2013 verstorbenen Vorgänger Hugo Chávez initiierte sozialistische Modell Venezuelas verteidigen. Er warnt eindringlich vor einem Ende der Politik für ärmere Schichten.

An Maduros demokratischen Gesinnung gibt es international Zweifel. Und auch im Land mit den größten Ölreserven weiß keiner, was nach der Parlamentswahl am Sonntag passieren kann und wird. Der frühere Busfahrer zählt die Erfolge der Sozialisten auf: Bildung, mehr Wohnungen, Essen für alle. Und die "modernste Busfabrik in ganz Lateinamerika". "Und für wen? Für das Volk!" Die Menschen in den roten Hemden jubeln begeistert.

Erstmals seit 16 Jahren kann es laut Umfragen zum Machtwechsel im Parlament kommen. Maduro wäre gezwungen, Kompromisse einzugehen, das Experiment käme an sein Ende. "Die chavistische Regierung hat es durch Inkompetenz, Verschwendungssucht und Korruption sowie wegen eines zum Scheitern verurteilten sozialistischen Modells vollbracht, ein Land mit großem Potenzial in den wirtschaftlichen Ruin zu treiben", urteilt die Adenauer-Stiftung in einer Analyse.

Vor Banken und Supermärkten gibt es lange Schlangen - auf dem Schwarzmarkt gibt es für einen Dollar 800 Bolivar, die Menschen können meist nur 3000 Bolivar abheben. In den Supermärkten sind Grundnahrungsmittel wie Reis und Hühnchen knapp - durch die galoppierende Inflation ist vieles ohnehin kaum bezahlbar. Größte Sorge ist aber die enorme Unsicherheit.

Aber hat die konservative Opposition ein Gegenrezept? Zumindest ist sie mit dem Bündnis "Tisch der demokratischen Einheit" (Mesa de Unidad Democrática) geeint wie lange nicht mehr. Bei einem Sieg wird man versuchen, 2016 ein Referendum zur Abwahl Maduros zu starten. Die bekanntesten Personen sind Leopoldo López und Henrique Capriles.

López wurde unter fragwürdigen Umständen im September zu fast 14 Jahren Haft verurteilt und ist im Gefängnis. Nach Demonstrationen, zu denen er aufgerufen hatte, war es zu Gewaltausbrüchen gekommen. Seine Ehefrau Lilian Tintori kämpft für ihn, zudem hält sie Kontakt zu Argentiniens neuem Präsidenten Mauricio Macri, um international den Druck zu erhöhen. Der Sieg des Konservativen wird von der Opposition als Signal gewertet, dass die Ära linker Politik in Südamerika ihrem Ende zugeht.

Capriles spricht von einer "Zeitbombe" - er fürchtet bei einem Machtverlust der Sozialisten einen Staatsstreich Maduros, um am Parlament vorbei seine Politik fortzusetzen. Das Klima ist hochnervös, verschärft durch den Mord an dem Oppositionspolitiker Luis Manuel Díaz bei einer Wahlkampfveranstaltung. Die Regierung weist jede Verwicklung zurück.

Den Sozialisten zupasskommen könnte am Ende die Einteilung der Wahlkreise und das Wahlsystem. Wahlbeobachter sind nicht zugelassen, nur Wahlbegleiter der Union Südamerikanischer Nationen, die vorab die 40 000 Wahlmaschinen überprüften. Das birgt die Gefahr, dass die Opposition bei einer Niederlage auf die Straße gehen wird - und es zu Gewaltausbrüchen kommen kann.

Wie gespannt die Lage ist, zeigt ein Besuch im Armenviertel Santa Cruz. Adolf Ospino hat sich bereits reichlich mit Lebensmitteln eingedeckt. "Es kann einen Sturm auf die Supermärkte geben", fürchtet der 51-Jährige. "Wir sind viel zu abhängig vom Ölpreis." Jahrelang konnten damit die üppigen Sozialprogramme finanziert werden, aber jetzt sind es teils unter 40 US-Dollar je Barrel. "Der 6. Dezember ist für mich ein Tag der Hoffnung, aber die haben die Streitkräfte auf ihrer Seite", betont der Anhänger der Opposition.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

05.12.2015, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular