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Mit Show-Insel und Schupfnudel

Zehntausende Besucher feierten das 36. Neckarfest

Sichtlich weniger Gedränge als in den Vorjahren herrschte am Samstagabend beim Neckarfest. Am Sonntag kamen dagegen mehr Leute als sonst – bei perfektem Festwetter.

04.07.2011

Von michael hahn

Rottenburg. War es das kühle Wetter? Oder die Konkurrenz neckar-abwärts (Dieter Thomas Kuhn)? War es der ungewohnte Termin am ersten Juli-Wochenende statt wie sonst am letzten Juni-Wochenende? Oder war es gar der allgemeine Niedergang des Vereinslebens im christlichen Abendland? Am Samstagabend hatte jeder eine andere Theorie, warum das diesjährige Neckarfest nicht ganz so überlaufen war wie sonst.

Umso gelöster wirkte die allgemeine Stimmung. Nur an wenigen Flaschenhälsen gab es das übliche Gedränge, beispielsweise vor dem Bistro am Neckarufer und an der Ecke Gartenstraße/Sprollstraße. Selbst am Uferweg im Schänzle konnte man fast zu jeder Zeit locker flanieren. Einsatzleiter Markus Lutz vom Roten Kreuz verbuchte am Samstagabend nur fünf Transporte ins Krankenhaus (etwa halb so viel wie sonst): Kreislaufprobleme, Alkohol, Rempeleien.

Die Polizei war vielerorts sichtbar präsent. Im vergangenen Jahr hatte eine Rocker-Rempelei im Schänzle zu einem Großeinsatz geführt; diesmal hatten die Beamten wenig zu tun. Kurz nach Mitternacht verletzte ein 23-jähriger betrunkener Rottenburger in der Eugen-Semle-Straße zwei andere Männer durch Schläge ins Gesicht; nach seiner Festnahme randalierte er im Polizeiauto weiter. Einsatzleiter Peter Zerfass hatte am Sonntagabend (Stand: 20.30 Uhr) noch zwei weitere Körperverletzungsdelikte auf der Liste.

Feuerwerker Harald Wochelen aus Sindelfingen hatte ein neues Konzept mitgebracht. Er ließ seine Raketen diesmal 30 Meter hoch steigen (statt 20 Meter wie bisher); die Ausrichtung drehte er quer zur Kepplerbrücke (statt entlang der Fahrtrichtung). Dadurch wirkte das Feuerwerk vom Fluss aus schmaler, während die Zuschauer an der Ufern die bunten Effekte in voller Breite zu sehen bekamen. Am Brückengeländer selbst war diesmal keine Feuerräder und Funken-Wasserfälle angebracht.

Die Rottenburger Vereinsgemeinschaft wollte heuer nicht für Musik-Untermalung bezahlen; daher brachten Wochelen und seine drei Mitarbeiter eine eigene Lautsprecher-Anlage mit. Die Meinung des TAGBLATT-Berichterstatters: Das Feuerwerk war grandios, die Musik überflüssig.

Dafür könnte die Speisekarte des Neckarfests durchaus noch einige phantasievolle Ergänzungen vertragen. Die meisten Vereine beschränkten sich auf die Festzelt-Klassiker Pommes, Rote, Steak und Schnitzel.

Die leckeren Ausnahmen sind längst keine Geheimtipps mehr: beispielsweise die Schupfnudeln des Musikverein Dettingen. Die Freunde der Domsingschule könnten auch doppelt so viel Span„ferkel“ (die Schweine wiegen einen Doppelzentner) verkaufen.

Und einige Migranten-Vereine boten leckere Häppchen. Kaum hinterher mit Grillen und Backen kamen beispielsweise die Männer und Frauen vom Türkisch-Deutschen-Freundschaftsverein am Deichelweiher. Gleichzeitig verkaufte der Türkische Kultur- und Sportverein in der Gartenstraße nicht die angekündigten „türkischen Spezialitäten“, sondern Grillhähnchen und Putenfleisch-Rote.

Den schönsten Blick auf den Neckar hatte man wie immer von den Biertischen der Bürgerwache am südlichen Flussufer – und von den magenta-bezogenen Matratzen der „Jungen Aktiven“. Die Nachwuchspolitiker mixten Cocktails und ließen ihren neuen Stocherkahn fahren.

Gegenüber, vor der Show-Insel am Nordufer, waren die Stufen zur Anlegestelle stets gut gefüllt. Allerdings war es doch schon recht kühl, als abends unter dem blau beleuchteten Schirm die Karlsruherin Ina Boo mit ihrer Band aufspielte.

Das Kinderprogramm konzentrierte sich wie immer auf den Stadtgraben. Dort war an beiden Tagen Flohmarkt von Kindern für Kinder; der mobile Kulturverein Mokka hatte sein Spielmobil aufgefahren und ausgeladen. Am Kreisverkehr stand das gewohnte Karussell.

Neu war Eninger Silberschmied Michael Uhlig, der in der Zehntscheuer einstündige Kurse anbot (für 8 Euro plus mindestens 11 Euro Materialkosten), davon machte an den beiden Tagen aber nur etwa ein Dutzend Kinder Gebrauch.

Umso erfolgreicher war der Versuch des Rottenburger Skiclubs. Der hatte beim Kriegerdenkmal im Schänzle nicht nur seine normale Erwachsenen-Bewirtung aufgebaut, sondern diesmal auch ein Kinderprogramm organisiert (zusammen mit dem Meinrad-Kindergarten): mit Malen, Schminken und mit flotten Mitsingliedern der Tübinger Bam-Bam-Band.

SCR-Ausschussmitglied Marc Brück hatte dabei „unsere zukünftige Zielgruppe“ im Auge: Der SCR bietet schon für Kindergartenkinder Schnee-Kurse an. Das Kinderprogramm nutzte aber auch vielen jungen Eltern, die auf diese Weise ganz normal mitfeiern und mitvespern konnten und nicht im Stadtgraben abhängen mussten.

Die meisten Jugendlichen zogen wie gewohnt schnurstracks ins Schänzle. Dort war vor allen drei Bühnen noch Platz auf den Tanzflächen – und lockere Stimmung. Das Jugendhaus Klause hatte am späten Abend sogar Reggae im Programm. Bei den Motorradfreunden rockte abends „Q and the Gang“ – ein Spaltprodukt der letztjährigen Coverrocker von Filiale-Süd.

Etwas weiter hinten hatte der Fußballclub Rottenburg seinen Stammplatz eingenommen. Die Damenmannschaft bewirtschaftete den Weinstand – trotz Fußball-WM. „Wenn die deutschen Frauen heute abend gespielt hätten, hätten wir wahrscheinlich schon einen Fernseher aufgestellt“, sagte der Vorsitzende Thomas Mickeler.

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Erstellt:
4. Juli 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Juli 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Juli 2011, 12:00 Uhr

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