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Zauberhaftes Clowntheater

Zambaioni-Zirkus gibt sich eher tänzelnd-spielerisch

Zum 18. Geburtstag hat der Tübinger Kinder- und Jugendzirkus Zambaioni eine echte Herausforderung gesucht: Am kommenden Wochenende tritt er gegen den weltbekannten Zirkus Krone an.

24.04.2012
  • Ulrich Eisele

Rottenburg. Jugendliche neigen manchmal zur Selbstüberschätzung. Dann tun sie Dinge, bei denen Erwachsenen angst und bang wird, sie sich fragen: Kann das gut gehen? Laien gegen Profis, ein Werbeetat von ’zigtausend Euro gegen die Eigeninitiative von rund 100 Dilettanten? Krone gegen Zambaioni – ist das nicht David gegen Goliath?

Den Tübinger Kinder- und Jugendzirkus Zambaioni gibt es nun seit 18 Jahren. Die Anfänge waren bescheiden, mit einer improvisierten Manege im Tübinger Botanischen Garten, ein paar jonglierenden Kindern, Einradfahrer(inne)n, Diabolo-Spielern. Mittlerweile wurde daraus ein mittelständischen Unternehmen: mit echtem Zirkuszelt, eigenem Trainingsraum im Tübinger Loretto-Viertel, künstlerischer Leiterin, einem knappen Dutzend Trainer(inne)n, sechzehnköpfigem Orchester, Maske, Kostüme, Licht- und Tonregie.

50 Kinder und Jugendliche spielen derzeit im Ensemble. Dazu gibt es einen Bambini-Club, aus dem sich der Nachwuchs rekrutiert. Immer durften auch Down-Syndrom-Kinder oder Rollstuhlfahrer/innen mitmachen – bis heute. Zwei Mal im Jahr gibt es eine Aufführung, drei Tage hintereinander, ein neues Programm. Uraufführung ist stets im Frühjahr auf dem Marienhof zwischen Rottenburg und Seebronn, dem „Winterquartier“ des Zirkus, Wiederaufnahme nach den Sommerferien in Tübingen.

Das alles haben Eltern in Eigenregie auf die Beine gestellt. Zeit und Geld geopfert, getagt, nachgedacht, sich gestritten und gefestet, Zelte auf- und wieder abgebaut, unzählige Kuchen gebacken, Würste gegrillt, für Nachwuchs-Artist(inn)en Brote geschmiert und Äpfel geschnitten.

Eine Glaskugel ist diesmal der rote Faden

Und nun ist er also flügge. „Weltwunder“ heißt das neue Programm zum 18. Geburtstag des Kinder- und Jugendzirkus. Das klingt anmaßend, so als ob er sich – längst nicht mehr der einzige in der Bundesrepublik – für etwas Einzigartiges hielte.

Ist aber gar nicht so gemeint. Das Weltwunder ist lediglich eine Glaskugel, die immer wieder durch die Aufführung rollt und der Geschichte Sinn verleiht. Die handelt von einem Stamm unentdeckter Clowns, der bislang glücklich und zufrieden im Dschungel von Zambani lebt. Sein größter Schatz, jene Glaskugel, enthält die ganze Welt im Kleinen. Bis eine Truppe Forscher-Clowns in den Urwald kommt und den glücklichen Zambanis ihre Kugel wegnimmt . . .

Das Programm ist diesmal spielerischer, Clown-betonter, weniger artistisch als in früheren Jahren. Das mag an der neuen Leiterin Mareike Fichtner liegen, die selbst fast noch im Zambaioni-Alter ist. Nein, nein, selbstverständlich ist sie eine taffe, junge Frau, die Zirkuspädagogik studiert hat und ihre Sache absolut professionell angeht. Aber sie gehörte einst selbst dem Zambaioni-Kader an, hat ihre Karriere dort begonnen, wo heute die neue Generation auf der Matte steht. Außerdem gibt es einen Profi-Clown als Co-Regisseur, Alexander Geiger, der dem Nachwuchs-Clowns beibringt, wie man echt komisch wirkt. Und seine Schüler/innen begreifen schnell . . .

Aber ob diese halbstarke Truppe am Wochenende einem Welt-Zirkus mit Elefanten, Pferden und Raubkatzen, echten Seelöwen und einem Nashornbullen die Schau stiehlt? 15-jährige Mädchen am Trapez gegen fliegende Artisten in der Zirkuskuppel? Eine halbwüchsige Blue-Men-Group gegen das Zirkus-Krone Ballett eines berühmten US-Choreographen? Zum Glück spielen die beiden nicht in derselben Preisklasse.

Vielleicht die letzte Aufführung dort

Zu ihrem Unglück allerdings hat das Rottenburger Bauamt den Hobby-Veranstaltern einen Ab- und Wiederaufbau der Tribüne verordnet. Daran wird gerade fieberhaft gearbeitet. Und über allem hängt das Damoklesschwert des Wegzugs vom angestammten Platz auf dem Heuberger Hof. Vielleicht ist das in diesem Jahr die letzte Vorstellung an diesem Ort.

Doch die Zambanis – äh, Zambaionis – lassen sich davon nicht unterkriegen. Sie haben den Ball aufgenommen, lassen am nächsten Wochenende die Glaskugel rollen und werden dem (dann hoffentlich massenhaften) Publikum zahlreiche Ah’s und Oh‘s entlocken.

Zambaioni-Zirkus gibt sich eher tänzelnd-spielerisch
Zirkus Zambaioni: Der Stamm der Zambanis hat die gläserne Wunderkugel entdeckt. Später wird sie geklaut. Zu sehen im Zelt beim Rottenburger Marienhof.Bild: Faden

Weltwunder“ heißt das neue Programm des Kinder- und Jugendzirkus Zambaioni im Zelt auf dem Marienhof zwischen Rottenburg und Seebronn. Mit Pause dauert es ungefähr zweieinhalb Stunden und ist für Kinder ab vier Jahren geeignet. Aufführungen sind am Freitag, 27. April, um 18 Uhr, Samstag, 28. April um 16 Uhr sowie am Sonntag, 29. April um 11 Uhr und um 15 Uhr. Karten zu neun Euro für Erwachsene sowie fünf Euro für Kinder und Jugendliche gibt es beim Tübinger Verkehrsverein und bei der Wirtschaftsförderung und Tourismusgesellschaft am Rottenburger Marktplatz.

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24.04.2012, 12:00 Uhr
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