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Kampf gegen Armutskrankheiten: Medizin-Nobelpreis an drei Forscher

Zahllose Leben gerettet

Wirkstoffe gegen Parasiten: Für deren Entdeckung ist drei Forschern der Nobelpreis für Medizin zuerkannt worden. Malaria und entstellende Wurm-Krankheiten können mittlerweile besser bekämpft werden.

06.10.2015
  • DPA

Stockholm Für schlagkräftige neue Wirkstoffe gegen Parasiten-Krankheiten wie Malaria erhalten drei Forscher in diesem Jahr den Medizin-Nobelpreis. Das hat das Karolinska-Institut in Stockholm mitgeteilt. Die Wirkstoffe retten Millionen Menschen, vor allem in armen Ländern.

Eine Hälfte des mit umgerechnet 850 000 Euro dotierten Preises geht an die Chinesin Youyou Tu für die Entdeckung eines Wirkstoffes gegen Malaria, Artemisinin. Die zweite Hälfte der weltweit höchsten Auszeichnung für Mediziner teilen sich der gebürtige Ire William Campbell und der Japaner Satoshi Omura für die Entdeckung einer unter anderem gegen Würmer und Milben wirkenden Substanz, Avermectin.

"Nach Jahrzehnten begrenzten Fortschritts bei der Entwicklung haltbarer Therapien für Parasiten-Krankheiten haben die Entdeckungen der Preisträger die Situation radikal verändert", teilte das Nobel-Komitee mit. Die Entdeckung von Artemisinin und Avermectin habe der Menschheit kraftvolle Mittel geliefert, Krankheiten zu bekämpfen, die Hunderte Millionen Menschen jährlich befallen.

"Die Wirkung in Form einer verbesserten menschlichen Gesundheit und verminderten Leidens sind unermesslich", schreibt das Nobel-Komitee. Von Parasiten verursachte Krankheiten träfen vor allem die ärmsten Menschen der Welt. "Die diesjährigen Nobelpreisträger haben Therapien entwickelt, die die Behandlung einiger der verheerendsten Parasiten-Krankheiten revolutioniert haben."

Die Zahl solcher Infektionen sei dramatisch verringert worden, sagte der Nobel-Juror Hans Forssberg. Die Wirkung gehe aber weit darüber hinaus, die Last Einzelner zu verringern: "Die Behandlung hilft ihnen, der Armut zu entkommen."

Youyou Tu (84) hatte in Tests mit Pflanzenstoffen das Potenzial des Artemisinins entdeckt, einer Substanz aus Blättern und Blüten des Einjährigen Beifußes (Artemisia annua), die in der chinesischen Medizin verwendet wird. Es wirkt gegen Plasmodium falciparum, den Erreger der Malaria tropica.

Die Sterblichkeitsrate Malariakranker ließ sich damit deutlich verringern, teilte das Nobel-Komitee mit. Allein für Afrika bedeute Artemisinin mehr als 100 000 gerettete Leben jährlich.

"Artemisinin ist das am häufigsten genutzte Medikament gegen Malaria", sagte Prof. Elena Levashina vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Es habe das Leben von Millionen Menschen verändert und sei ein Durchbruch bei der Bekämpfung von Malaria gewesen.

Campbell (85) und Omura (80) hatten bei der Bearbeitung des Bakteriums Streptomyces avermitilis einen neuen Wirkstoff gegen Parasiten entdeckt: das Avermectin. "Ich dachte: Darf ich es wirklich sein!?", sagte Omura, nachdem der japanische Fernsehsender NHK die Preisträger bekanntgegeben hatte. "Denn vieles habe ich ja von den Mikroorganismen gelernt. Es wäre angemessen, wenn man ihnen den Preis verleihen könnte." Omura hatte Anfang der 70er Jahre aus Bodenproben Streptomyces-Arten isoliert und im Labor kultiviert.

Campbell hat auf der Suche nach antibiotischen Substanzen mit diesen Kulturen gearbeitet und ist auf die Avermectine gestoßen. Diese Nervengifte lähmen Fadenwürmer (Nematoden), Milben und Zecken und führen zu ihrem Tod. Für Menschen wird vor allem Ivermectin verwendet, ein Gemisch zweier halbsynthetischer Avermectine.

Ivermectin hat die Häufigkeit von Flussblindheit und lymphatischer Filariose extrem vermindert. Die in den tropischen Gebieten Afrikas und Amerikas vorkommende Flussblindheit wird vom Fadenwurm Onchocerca volvulus verursacht. Auch für lymphatische Filariose sind Fadenwürmer die Ursache. Sie besiedeln das Lymphsystem und führen zum Lymphstau in Körperteilen. Die können sich extrem vergrößern (Elephantiasis).

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" würdigte die Forscher. Der Direktor ihrer Medikamentenkampagne, Manica Balasegaram, sagte, die Medikamente hätten Millionen von Menschenleben gerettet. "Es ist wichtig, die Forschung an diesen oft vergessenen Krankheiten zu würdigen und anzuerkennen." Es gebe aber noch viel zu tun, sagte Balasegaram. So seien bessere Behandlungsmethoden für andere vernachlässigte Tropen-Krankheiten dringend nötig.

Letztes Jahr haben das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser sowie John O'Keefe (USA/Großbritannien) die Auszeichnung für die Entdeckung eines "Navis im Hirn" erhalten: Sie hatten grundlegende Strukturen unseres Orientierungssinns gefunden.

Zahllose Leben gerettet

Frauenquote liegt bei nur fünf Prozent Selten Die Chinesin Youyou Tu ist die zwölfte Frau, der der Medizin-Nobelpreis zuerkannt wurde. Bislang sind nur rund fünf Prozent der insgesamt 207 Preisträger dieses Fachgebiets weiblich. Die erste Frau, die damit ausgezeichnet worden ist, war 1947 Gerty Cori (USA) für Arbeiten über Enzyme. Doch Frauen holen bei dem Preis, den es seit 1901 gibt, auf: In den vergangenen Jahren sind sechs Nobelpreise an Frauen vergeben worden. Darunter war 1995 auch der Nobelpreis an die deutsche Forscherin Christiane Nüsslein-Volhard (Tübingen), die die genetische Kontrolle der frühen Embryonalentwicklung untersucht hat. Parasiten-Krankheiten Der Medizin-Nobelpreis ist an Forscher verliehen worden, die Wirkstoffe gegen drei Parasiten-Krankheiten entwickelt haben. Malaria Die lebensbedrohliche Infektionskrankheit Malaria wird von der Anopheles-Mücke übertragen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass in diesem Jahr mehr als 200 Millionen Menschen daran erkrankt sind. 440 000 starben. Die meisten Opfer sind Kinder in Afrika. Eine flächendeckende Impfung gibt es bislang nicht. Flussblindheit Die Krankheit wird von der Kriebelmücke übertragen, vor allem in Flussgebieten im tropischen Afrika. Die Mücken geben Fadenwürmer (Onchocerca volvulus) weiter, die im Körper heranwachsen. Deren Larven (Mikrofilarien) wandern in die Haut und in das Augengewebe. Infizierte können erblinden. Die WHO schätzt, dass daran weltweit 500 000 Menschen erblindet sind. Lymphatische Filariose Die Krankheit wird von Fadenwürmern verursacht, die mit einem Mückenstich in den Körper gelangen. Die Folge: starke Schwellungen der Extremitäten (Elephantiasis). Weltweit sind der WHO zufolge mehr als 120 Millionen Menschen infiziert, 40 Millionen seien von Entstellungen behindert. Der Erreger kommt im tropischen Afrika und in weiten Teilen des tropischen Asiens vor. dpa.

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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