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Zahl der Vermissten sprunghaft gestiegen – Alte Fälle treiben Polizisten um
Zehn Jahre nach dem Verschwinden des damals zweijährigen Felix aus Oftersheim (Rhein-Neckar-Kreis) beschäftigt der Fall noch immer die zuständigen Polizisten. Damals setzte die Polizei auch Suchhunde ein. Foto: dpa
Felix fehlt

Zahl der Vermissten sprunghaft gestiegen – Alte Fälle treiben Polizisten um

Es gibt Vermisstenfälle, die die Ermittler noch Jahre später vor Rätsel stellen. Einer der tragischsten ist der des verschwundenen kleinen Felix.

30.08.2016
  • CHRISTINE CORNELIUS, DPA

Ravensburg. Seit inzwischen zehn Jahren leben die Angehörigen des kleinen Felix aus Oftersheim (Rhein-Neckar-Kreis) mit dem mysteriösen Verschwinden des damals Zweijährigen. Auch die Mannheimer Polizei treibt der ungelöste Fall noch immer um. Man könne den Jungen nicht für tot erklären, sagte der Erste Polizeihauptkommissar Norbert Schätzle in Mannheim. „Wir überprüfen auch heute noch Hinweise, damit wir ihn finden können, wenn er noch am Leben ist.“

Der Vater hatte Felix Anfang Januar 2006 von seiner geschiedenen Frau abgeholt und nicht mehr zurückgebracht. Die Leiche des Mannes wurde Wochen später, am 26. Februar, in Bühlertal (Kreis Rastatt) von einem Spaziergänger gefunden. Von dem Kind fehlt bis heute jede Spur.

„Zu Beginn hatten wir natürlich Hoffnung, dass wir beide – Vater und Sohn – finden können“, sagte Schätzle. „In den ersten Tagen gab es sehr vielversprechende Zeugenaussagen.“ Mit dem Tod des Vaters sei die Hoffnung für Felix jedoch gesunken. Auch der Polizist ist von dieser Geschichte emotional betroffen. „Ich war vom ersten Tag an mit diesem Fall betraut. Da bekommt man natürlich einen anderen Bezug dazu, gerade wenn man auch Kontakt zu den Angehörigen hatte.“

Im Südwesten ist die Zahl der Vermissten zuletzt sprunghaft angestiegen. Anfang Januar diesen Jahres waren 1297 Menschen verschwunden, wie ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Stuttgart erklärte. Zum Vergleich: Am 1. Januar 2015 waren 807 Personen als vermisst gemeldet. Sowohl die Anzahl der fehlenden Jugendlichen als auch die der Kinder habe sich erhöht. Allerdings haben dazu nicht nur die klassischen Vermisstenfälle beigetragen. Es gibt laut LKA auch einen Zusammenhang mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen.

Diese Tendenz ist bundesweit erkennbar: Weil zuletzt mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland kamen, ist die Zahl der vermissten Jugendlichen dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge stark gestiegen. Die Ermittler vermuten, dass viele von ihnen etwa zu Verwandten weiterziehen, möglicherweise ins Ausland.

Der älteste Vermisstenfall aus Baden-Württemberg reicht bis in die 1960er Jahre zurück. Es handelt sich um das Verschwinden eines Erwachsenen, der sich aller Wahrscheinlichkeit nach umgebracht hat. Viele Vermisste tauchen den Ermittlern zufolge allerdings recht schnell wieder auf. Jugendliche verschwinden demnach häufig aus Liebeskummer oder aus Angst vor den Konsequenzen schlechter Schulnoten.

Fälle wie die des kleinen Felix, die jahrelang ungelöst bleiben, sind selten. Diese Geschichte sei ganz besonders, weil es nicht nur um einen vermissten Zweijährigen gehe, sagte Schätzle aus Mannheim. „Da steckt viel mehr dahinter: Getrennt lebendes Ehepaar, ein Kind, das zwischen den beiden steht – es gibt viele Parallelen zur normalen Gesellschaft.“ Umso schlimmer sei es dann, wenn einer der Partner das Kind mitnehme, Mutter und Großeltern im Unklaren lasse und der Verbleib des Jungen ein Rätsel bleibe.

Auch die damals 13 Jahre alte Maria ist drei Jahre nach ihrem Verschwinden in Freiburg noch immer nicht wieder aufgetaucht. Es fehle weiterhin jede Spur, sagte eine Polizeisprecherin. Der 40 Jahre ältere Begleiter des Mädchens bleibe ebenfalls untergetaucht. Maria ist seit dem 4. Mai 2013 auf der Flucht, gemeinsam mit ihrer Internetliebe aus Nordrhein-Westfalen. Die beiden lernten sich in einem Chat kennen.

Das Schlimmste für die Angehörigen von Vermissten sei die ständige Ungewissheit, sagt Josef Hiller von der Opferhilfe-Organisation Weißer Ring. „Sie wollen wissen, was mit demjenigen los ist – und immer bleibt die Frage nach dem Warum. Die zermürbt unendlich.“ Angehörigen schwirre ständig die Frage im Kopf herum, ob sie noch irgendetwas tun könnten – und ob sie vielleicht selbst Schuld an dem Verschwinden seien. Der Leiter der Außenstelle Ravensburg des Weißen Rings sagt dazu: „Der Mensch will Gewissheit, selbst wenn es der Tod ist.“ Angehörige von Vermissten seien auch Opfer. Hiller rät ihnen wegen des Traumas grundsätzlich zu einer Psychotherapie.

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30.08.2016, 06:00 Uhr
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