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Zahl der Kinderbräute steigt
Syrer im Flüchtlingscamp Zaatari in Jordanien. Viele Frauen werden früh verheiratet. Foto: afp
Zwangsheiraten vor allem unter syrischen Flüchtlingen und im Jemen

Zahl der Kinderbräute steigt

Im Nahen Osten werden immer mehr Mädchen minderjährig verheiratet. Grund ist oft die Angst von Flüchtlingen um die finanzielle Zukunft.

26.08.2016
  • MARTIN GEHLEN

Homs. Rafah war 13, als sie die Schule abbrach und ihre Familie verließ, um mit ihrem neuen Ehemann im libanesisch-syrischen Grenzgebiet in ein gemeinsames Zelt zu ziehen. „Ich fühlte nichts, aber ich hatte keine andere Wahl“, erzählte sie einer lokalen Reporterin über die Beziehung, die ihr Vater arrangiert hatte. Sie habe nichts über Sex gewusst, die erste Nacht sei ein Horror gewesen. Inzwischen hat die Minderjährige, die wie ihr 38-jähriger Mann aus dem syrischen Homs geflüchtet war, zwei Kinder. „Ich bin unglücklich, aber ich muss mich mit diesem Leben abfinden.“

Rafah ist kein Einzelfall. Die Kriegsflüchtlinge sind froh, wenn sie für ein Kind weniger sorgen müssen. Besser gestellte Männer oder reiche Araber aus den Golfstaaten nutzen die finanzielle Notlage, um sich eine blutjunge Zweit- oder Drittfrau zu besorgen. Für Frauenaktivistinnen ist das Menschenhandel. „Junge Mädchen werden verheiratet gegen einen Kaufpreis oder um die Miete ihrer Familie finanziert zu bekommen“, sagt Rita Chemaly von der Nationalen Kommission für Frauen im Libanon.

Anders als auf der Arabischen Halbinsel haben viele Nahost-Staaten entlang des Mittelmeeres Gesetze, die ein Mindestalter von 18 Jahren bei der Heirat vorschreiben, aber auch Ausnahmen zulassen. Die konservativen islamischen Kleriker im Jemen und in Saudi-Arabien dagegen pochen darauf, bereits Mädchen im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren seien reif für die Ehe. Sie berufen sich auf den Propheten Mohammed, der mit Aischa ein Kind zur Frau hatte. „Unsere Mütter und Großmütter wurden verheiratet als sie zwölf waren“, erläuterte der saudische Obermufti Abdul-Aziz al- Sheikh: „Eine gute Erziehung bereitet ein Mädchen darauf vor, alle ehelichen Pflichten in diesem Alter zu erfüllen.“

Der Jemen hat wegen dieser Sitten eine der höchsten Müttersterblichkeiten der Welt. In Ägypten werden entgegen der Gesetze nach einer Umfrage des Nationalen Frauenrates 22 Prozent aller Mädchen minderjährig verheiratet. Auch in den relativ aufgeklärten Staaten Libanon und Jordanien steigen die Zahlen seit vier Jahren spürbar an, vor allem durch den Zustrom syrischer Flüchtlinge. So ist in Jordanien nach offiziellen Angaben inzwischen jede dritte syrische Braut ein Kind oder ein Teenager.

Für die Mädchen ist mit der Hochzeit ihre Zukunft besiegelt. Die meisten brechen das Lernen nach der Grundschule ab und werden schwanger, was eine Gefahr für ihre Gesundheit bedeutet. Viele werden Opfer häuslicher Gewalt. So wie Jazia aus dem Lager Zataari in Jordanien, die von ihrem Vater an einen entfernten syrischen Cousin verheiratet wurde. 20 Tage nach der Hochzeit begann er sie zu schlagen. Jazia rannte davon, kehrte nach einigen Tagen zur Familie ihres Bräutigams zurück, die versprach, sie künftig gut zu behandeln. Als sich nichts änderte, holte der Vater das Mädchen schließlich wieder heim. Heute bereut er die von ihm durchgesetzte Ehe. Arbeitslosigkeit, erzwungenes Nichtstun und Zukunftsangst würden syrische Familien dazu verleiten, ihre Töchter zu früh zu verheiraten, sagt er.

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26.08.2016, 06:00 Uhr
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